Die Preise für Nahrungsmittel sind auch gestiegen
Deutsche Inflation unerwartet stark beschleunigt

Die Verbraucherpreise in drei deutschen Bundesländern sind im Januar stärker als erwartet gestiegen und liefern deshalb Analysten zufolge ein Argument gegen eine baldige Zinssenkung in der Euro-Zone. Wie die Statistischen Landesämter am Mittwoch mitteilten, stiegen die Preise in Bayern und Nordrhein-Westfalen von Dezember auf Januar jeweils um 0,5 % nach 0,1 und 0,0 % im Vormonat, in Sachsen legten sie um 0,6 (0,1) % zu. Der Preisanstieg fiel stärker als von Volkswirten erwartet aus.

Reuters MÜNCHEN. Wie die Statistischen Landesämter am Mittwoch mitteilten, stiegen die Preise in Bayern und Nordrhein-Westfalen von Dezember auf Januar jeweils um 0,5 % nach 0,1 und 0,0 % im Vormonat, in Sachsen legten sie um 0,6 (0,1) % zu. Der Preisanstieg fiel stärker als von Volkswirten erwartet aus. Sonderfaktoren seien für den Inflationsanstieg verantwortlich wie höhere Kfz-Steuern oder Versicherungsbeiträge. Auch die Preise für Nahrungsmittel seien gestiegen, womöglich auch in Folge der BSE-Krise.

Die Jahresteuerungsraten erhöhten sich in den Bundesländern den Angaben zufolge leicht. In Bayern stiegen sie um 2,3 % nach 2,1 % im Vormonat, in Nordrhein-Westfalen um 2,4 (2,2) % und in Sachsen um 2,5 (2,4) %.

Die Inflationsraten von Hessen, Baden-Württemberg und Brandenburg werden spätestens am Donnerstag bekannt gegeben. Auf Basis der Daten aus den sechs Bundesländern wird das Statistische Bundesamt dann die vorläufige deutsche Teuerungsrate für Januar errechnen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten dafür im Durchschnitt einen leichten Rückgang der Jahresrate auf 2,1 % nach 2,2 % im Dezember prognostiziert.

Klaus Baader von der Bank Lehman Brothers erwartet, dass die vorläufige Inflationsrate höher als bisher angenommen ausfallen wird, sollten auch aus den übrigen Bundesländern etwas stärkere Teuerungsraten gemeldet werden. "Damit wären alle Hoffnungen einer zurückgehenden Euro-Inflationsrate vom Tisch und es gäbe ein Argument gegen Zinssenkungen der EZB", sagte Baader. Auch Lorenzo Codogno von der Bank of America hält einen Zinsschritt nach unten nun für unwahrscheinlicher.

An den Finanzmärkten war die Erwartung auf eine geldpolitische Lockerung in der Euro-Zone gewachsen, seitdem die US-Notenbank Anfang Januar wegen der deutlichen Konjunkturabkühlung in den USA überraschend früh die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt auf 6,0 %gesenkt hatte. Rückläufige Inflationsraten würden der EZB Spielraum geben, die Finanzierungskosten für die Banken zu senken. In der Euro-Zone beträgt der Schlüsselzins seit Oktober vergangenen Jahres 4,75 %.

Während sich Heizöl und Kraftstoffe im Januar gegenüber dem Vormonat verbilligten, waren vor allem bei Steuern und Beiträgen den Landesstatistiken zufolge kräftige Anstiege zu verzeichnen. Auch die Gaspreise, die sich in der Regel zeitverzögert entsprechend der Heizölpreise entwickeln, seien angezogen.

Nordrhein-Westfalen meldete bei Kfz-Steuern ein Plus von 28,9 %, 11,6 % höhere Rundfunkgebühren und rund 5 % teurere Beiträge zu Versicherungen und Verkehrsdienstleistungen. Die Strompreise erhöhten sich wegen der dritten Stufe der Ökosteuerreform, die im Januar in Kraft trat. Ohne die staatlich festgelegten Preise hätte sich die Jahresteuerungsrate in NRW nur auf 1,8 % statt 2,4 % belaufen.

Auch Obst, Gemüse und Fleisch verteuert sich nach Angaben der statistischen Landesämter. Auch wenn es schwer nachzuweisen sei, könne sich die BSE-Krise schon in höheren Fleischpreisen niedergeschlagen haben, erklärte das Bayerische Statistikamt. Die Verbraucher könnten wegen BSE von Rind- auf Schweinefleisch umgestiegen sein. Während die Preise für Rindfleisch konstant geblieben seien, habe sich Schweinefleisch im Monatsvergleich um 3,9 %, Fisch um 1,4 % und Geflügel um 1,0 % verteuert.

Heizöl verbilligte sich im Januar dagegen in Sachsen um 17,1 %, in Bayern um 14 % und in NRW um 12,8 %, teilten die Landesämter mit. Im Vergleich zum Januar 2000 waren die Ölpreise allerdings noch immer 14 bis 15 % höher. Trotz der sechs Pfennig Ökosteuer, die am 1. Januar auf die Kraftstoffpreise aufgeschlagen wurden, musste für Benzin und Diesel im Januar nicht so viel bezahlt werden wie im Dezember. Sachsen meldet minus 4,8 %, NRW minus 4,1 %und Bayern 3,5 % niedrigere Preise.

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