Die Privatisierung von Staatsbetrieben eröffnet zahlreiche Chancen
Strommarkt wird nur langsam liberalisiert

Der slowakische Energiesektor ist in einer Umbruchphase. Die Privatisierung des slowakischen Energieproduzenten Slovenske Elektrarne (SE) hat begonnen, und es werden erste Schritte in der Liberalisierung des Strommarktes gemacht.

BRATISLAVA. Die Stromerzeugung und ihre Distribution wurde schon im Jahr 1990 zwischen der Slowakei und Tschechien aufgeteilt. Ein Jahr nach der Teilung wandelte sich der dominante Stromproduzent der Slowakei in eine staatliche Aktiengesellschaft. Gleichzeitig wurde nach einem tragfähigen Privatisierungsmodell gesucht.

Doch die Regierung von Ministerpräsident Meciar, die in der zweiten Hälfte der Neunziger an der Macht war, lehnte eine Privatisierung der Energiesparte mit dem Hinweis auf den strategischen Charakter des Sektors ab. Gleichzeitig fixierte sie die Preise - und der Sektor bekam seine ersten Schwierigkeiten.

Später wurden die Strom- und Gaserzeuger dann doch noch teilweise privatisiert. Jetzt stehen die Privatisierung der Slovenske Elektrarne und die Liberalisierung des Gasmarktes auf der politischen Agenda.

Der größte Nachteil der SE sind ihre Schulden, die sie seit 1997 angehäuft hat und sich nun negativ auf die Privatisierung auswirken. Im Juni vergangenen Jahres wurde eine Ausschreibung für den Verkauf von 49% der Aktien des Unternehmens gemacht. Die finanzielle Last - Kredite in Höhe von 51 Milliarden slowakischer Kronen - nähert sich dabei dem Eigenkapital, das 54 Milliarden slowakische Kronen beträgt.

Der Chef von SE versucht daher mit ausländischen Banken über die Restrukturierung der Kredite zu verhandeln. Gleichzeitig bemüht sich das Unternehmen, Hilfe vom Staat zu erhalten. Es wurde daher eine Kommission einberufen, die nun eine Entscheidung fällen soll.

Der Grund für die hohen Schulden liegt vor allem in den unangemessen niedrigen Verkaufspreisen für Strom in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre, als die slowakische Krone immer schwächer wurde und es gleichzeitig große Investitionsprojekte gab.

Eines davon war die Erneuerung einiger Teile des AKWs in Jaslovske Bohunice. Im Jahr 2001 wurde aber auf Druck der Europäischen Kommission entschieden, dass bis 2006 und 2008 zwei von den vier Blocks abgeschaltet werden müssen. Die Regierung erwägt deshalb bei der Privatisierung das Unternehmen zu teilen, so dass zwei Gesellschaften mit unterschiedlichen Produktionstechnologien entstehen würden und Anteile verschiedene Investoren bekommen könnten.

Wiederholtes Interesse an der SE haben die tschechische CEZ und die russische RAO UES gezeigt. Es wird vermutet, dass unter den Interessenten auch die Deutsche E.ON ist.

Kritik an der Privatisierung äußert die Opposition, die den Verlust an Staatskontrolle über einen strategisch wichtigen Sektor bemängelt.

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