Die Probleme des Telekom-Anbieters werden ignoriert
Anleger schlagen bei France Telecom blind zu

Wer in diesen Tagen dem Trend folgen will, muss sich den Bullen anschließen.

NEW YORK. Deshalb haben die Anleger in den vergangenen Wochen viele angeschlagene Aktien gekauft, ohne sich um die Schwierigkeiten der Firmen zu kümmern, die zum Absturz der Kurse geführt hatten. Bestes Beispiel dafür ist France Telecom. Seit der Ankündigung Anfang Oktober, dass Thierry Breton Nachfolger von Michel Bon auf dem Chefsessel wird, ist der Aktienkurs des französischen Telekom-Anbieters um mehr als ein Drittel geklettert. Doch abgesehen vom Führungswechsel und dem Herdentrieb am Aktienmarkt gibt es eigentlich keine handfesten Gründe, die den starken Kursanstieg rechtfertigen könnten.

Denn France Telecom ächzt unter einer Schuldenlast von rund 70 Mrd. Euro. Der ehemalige Monopolist droht kommendes Frühjahr unter der Belastung zusammenzubrechen, wenn es nicht gelingt, die Kosten zu senken und Vermögen zu verkaufen. Außerdem kommen die Margen im einheimischen Festnetzgeschäft zunehmend unter Druck. Dies wird vermutlich auch bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal nächste Woche deutlich werden. Und die Gerüchte, dass die Regierung als Mehrheitsaktionärin einen Plan zur Zwischenfinanzierung aufstellen wird, sind bislang Gerüchte geblieben. Genauso schlimm: Es ist immer noch völlig offen, wie viel France Telecom hinblättern muss, um aus seinem verlustreichen Engagement beim deutschen Mobilfunk-Anbieter Mobilcom herauszukommen.

Die Investoren verhalten sich also wie Lemminge, die über die Klippen springen. Oder gibt es andere Gründe für ihr Engagement? "Ich gehe davon aus, dass die Anleger auf eine Zwischenfinanzierung der Regierung spekulieren", sagt Mark James, Telekom-Analyst von Nomura in London. "Die französische Regierung würde in diesem Szenario Schulden machen und die Einnahmen France Telecom überweisen." Das könnte, so die Überlegung, dem Aktienkurs einen Schub geben. Dann könnte die Regierung France-Telecom-Aktien aus einer Kapitalerhöhung zu einem besseren Preis verkaufen.

Ob diese Pläne aufgehen steht allerdings in den Sternen. So kündigte der französische Finanzminister Francis Mer jüngst zwar an, dass ein Sanierungsplan schon in den nächsten Wochen stehen würde. Ein Vorschlag, wie France Telecom finanziell auf ein solides Fundament zu stellen sei, müsste allerdings warten, bis sich die Märkte erholt haben. Um wie viel die Börsen klettern müssten, ließ Mer offen.

Fest steht: France Telecom läuft die Zeit davon. Der Konzern musste eingestehen, dass er nicht einmal genug Geld hat, um alle Forderungen im ersten Halbjahr 2003 zu begleichen. Das macht es für die Regierung nicht einfacher. Denn je länger sie auf die Erholung auf dem Parkett wartet, desto näher rückt die Rückzahlung der Schulden und umso schwieriger wird es, ein Umschuldungspaket zu schnüren oder neue Aktien zu verkaufen.

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