Die Propaganda des irakischen Herrschers
Hussein kämpft an einer anderen Front

Der irakische Präsident Saddam Hussein, Überlebender zweier Kriege und ungezählter Attentatsversuche, folgt einer gut durchdachten Strategie, um einen politischen und propagandistischen Sieg trotz der fast sicheren militärischen Niederlage davonzutragen, so amerikanische und irakische Analysten.

"Er muss realisieren, dass er militärisch gesehen verlieren wird.", sagt Joseph Wilson, ehemaliger US-Beauftragter in Bagdad und der letzte US-Beamte, der Hussein nach seiner Invasion in Kuwait im August 1990 gesehen hat. "Aber jeden Tag gelingt es ihm, Marschflugkörper der Amerikaner beim Einschlag in Bagdad mit Bildern irakischer Bauern, die Apache-Hubschrauber abschießen, gegenüberzustellen, und damit gewinnt er die Herzen und Gefühle von 250 Millionen Arabern."

Auf der Propaganda-Front siegt der irakische Führer durch sein Überleben der Angriffe und der Beibehaltung der Kontrolle seiner Regierung. Die US-Regierung meint, dass die Fernsehaufnahmen von Hussein schon vor dem Krieg aufgenommen wurden, oder das ein Doppelgänger zu sehen war. Zurzeit aber glauben die Iraker und sogar diejenigen Iraker, die sich den Sturz von Hussein sehnlichst wünschen, daran, dass der Diktator noch am Leben ist.

"Saddam gewinnt einen psychologischen Krieg gegen die USA", sagt Kato Saadlla, Sprecherin für die Irakische National Front in Washington, einer der führenden Exilgruppen. "Die Menschen leben weiterhin in Angst vor dem Diktator. Sie sehen, was 1991 passierte", als Husseins Sicherheitseinheiten einen Aufstand im Südirak mit äußerster Brutalität niederschlugen. "Sie fürchten, dass so etwas noch einmal passieren könnte."

Husseins Einsatz der Fedajeen

Die große Überraschung für einige Militäranalysten war Husseins Einsatz einer 60 000 Mann starken Militärtruppe - bekannt als Saddams Fedajeen, die nach dem ersten Golfkrieg von seinem Sohn Udai gegründet wurde. "Das ist Saddams Schläger-Truppe", sagt Kenneth M. Pollack, ein ehemaliger CIA-Experte über den Irak und Buchautor. "Die andauernde Präsenz in vielen Städten hindert die Iraker daran, Dankbarkeit über die andauernde Befreiung Husseins zu zeigen." Nach Pollacks Meinung basieren Husseins Vorbereitungen für die Verteidigung von Bagdad auf dem Modell der Verteidigung der südlichen Stadt Basra während des Iran-Irak Krieges. Dabei nutzte Hussein Elitetruppen, um iranische Attacken abzuwehren.

"Hussein glaubt, dass die Amerikaner nicht bereit sind, den hohen Preis an Opfern zu zahlen, wie die Iraner beim Angriff auf Basra", so die Meinung von Pollack. "Er glaubt, dass die Akzeptanz der Amerikaner, Opfer zu verkraften, so niedrig ist, dass er nicht so vielen Leid zufügen muss", um einen US- Rückzug zu erzwingen. Einige Analysten meinen das Zurschaustellen von Bildern gefangener und getöteter US-Soldaten soll die amerikanische Öffentlichkeit beeinflussen. Pollack argumentiert, dass die amerikanischen Medien in die Hände von Hussein gefallen sind, da sie zu viel Aufmerksamkeit auf die amerikanischen Opfer legen.

Bis jetzt hat Hussein seine Massenvernichtungswaffen, deren Besitz die eigentliche Rechtfertigung für den Irak-Krieg war, noch nicht eingesetzt. Eine Erklärung ist, dass der Vorrat an diesen Waffen kleiner ist, als von Washington vermutet. Eine andere Erklärung ist politischer Natur: Wenn Hussein die Waffen eher in dem Konflikt eingesetzt hätte, hätte er wahrscheinlich die internationale Unterstützung verloren.

Analysten, die Husseins Person und politische Karriere studiert haben, sind der Meinung, dass eine Flucht des Diktators aus dem Irak unwahrscheinlich ist, sogar wenn er militärisch besiegt ist. Jerrold M. Post, der Autor eines gerade veröffentlichten psychologischen Portraits Husseins, schätzt den irakischen Führer als einen "klassischen Überlebenden" ein, der immer gefährlicher wird, so mehr er sich in die Enge getrieben fühlt. "Ich glaube nicht, dass er in seinem Bunker wie Hitler Selbstmord begehen wird", meint Post, Professor für Psychiatrie und politische Psychologie an der George Washington Universität. "Ich glaube auch nicht, dass er klein beigibt und wegläuft. Ich könnte ihn mir als Führer einer Untergrundbewegung gegen die amerikanische Besatzung vorstellen."

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