Die Raupe Nimmersatt
Einer will alles

Wenige Meter fehlten Andreas Klöden noch zum Ziel. Es sah blendend aus für den Deutschen mit dem ersten Etappensieg bei der Tour de France. Klöden lag gut im Rennen - aber nicht gut genug für Lance Armstrong. Zwei Meter vor der Ziellinie sprintete der Träger das Gelben Trikots doch noch vorbei, gewann seine fünfte Etappe im wohl spannendsten Finale bei dieser Tour, in dem Jan Ullrich schließlich mit nur einer Sekunde Rückstand Dritter wurde.

HB. Klöden und Ullrich hatten auf den 204,5 Kilometern über fünf Alpengipfel Ivan Basso und Lance Armstrong ein gutes Rennen geliefert. Sie waren am Schlussanstieg zum Col de la Croix Fry auf 1477 Meter beide der Spitzengruppe, die erst kurz vor dem Ziel auseinander fiel. Die beiden CSC-Fahrer Ivan Basso und Carlos Sastre waren im Finale die Unterlegenen. Das Duell am Col de Croix Fry spielte sich zwischen Armstrongs Team US Postal und dem Team T-Mobile ab. Dabei beeindruckte vor allem Lance Armstrongs Mannschaftskollege Floyd Landis. Auf dem gesamten 14 Kilometer langen Anstieg machte er das Tempo der Gruppe, in der die besten Fahrer dieser Tour versammelt waren. Von Landis? Leistung beeindruckt, hätte Armstrong seinem jungen Kollegen gern den Sieg geschenkt. Auf der Abfahrt ins Ziel fuhr Landis dann auch davon. Doch Jan Ullrich holte ihn wieder ein. Und so musste es der Chef von US Postal selbst besorgen. Armstrong war nicht geneigt, Klöden den Sieg zu überlassen.

Lance Armstrong hat einmal eine Tour-Etappe verschenkt, an Marco Pantani im Jahr 2000, am Mont Ventoux. Doch Pantani zeigte sich von der Großzügigkeit des US-Amerikaners wenig beeindruckt. Überheblich fand der Italiener, der immerhin auch Tour-Sieger war, die Geste. Einem Champion wie ihm brauche man nichts zu schenken. Armstrong hat sich geschworen, einen solchen Fehler nie mehr zu begehen. "Das ist das größte Radrennen der Welt hier", sagte er. "Die Tour ist das wichtigste Rennen, und sie bedeutet mir alles. Ich verschenke hier nichts." Die Geschlagenen, Klöden und Ullrich, nahmen Armstrong das nicht übel. "Natürlich hätte er etwas das Tempo rausnehmen können, weil er schon vier Etappen gewonnen hatte", sagte Klöden. "Aber das ist nun mal Sport und da gewinnt der Stärkste."

Dieser Meinung war auch Ullrich. Geschenke werden am Samstag beim Zeitfahren auch Ullrich und Klöden nicht machen. "Ich werde alles versuchen", sagte Ullrich. Noch ist für ihn ein Platz unter ersten drei der Gesamtwertung möglich. Klöden liegt nun rund eine Minute hinter dem Zweitplatzierten Ivan Basso, Ullrich rund vier Minuten. Beide hoffen, dass sie Basso, der als schwacher Zeitfahrer gilt, noch vor dem Finale am Sonntag in Paris überholen. Mehr wird nicht drin sein für Klöden und Ullrich. Denn daran, dass Lance Armstrong am Place de la Concorde ganz oben steht, gibt es nach den Alpen keinen Zweifel mehr.

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