Die Rede vom Außenminister in Auszügen
Fischer: "Ich bitte um euer Vertrauen"

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat seine Partei gebeten, ihm in der Frage des Bundeswehreinsatzes im Anti- Terror-Krieg zu vertrauen.

dpa BERLIN. Er verlangte während seiner Rede vor dem Grünen-Parteitag am Samstag in Rostock, die Regierung müsse sich auf eine rot-grüne Mehrheit bis zum Ende der Legislaturperiode verlassen können. Wir dokumentieren Fischers Rede in Auszügen:

"Und deswegen möchte ich nochmals mit dem 11. September beginnen. Ich weiß es nicht, wie es euch gegangen ist, egal welche Konsequenzen ihr daraus zieht. Aber ich kann diese Bilder und diesen Tag nicht vergessen. (...)

Und niemand von uns hier will Krieg, sondern die Frage, die wir hier zu entscheiden haben, ist, wenn dieser Krieg von einer massenmörderischen Gruppe ausgelöst wird, ob wir hier uns jetzt verabschieden, oder ob wir diesem Krieg tatsächlich eine Friedenspolitik entgegensetzen können, die die Verhältnisse wieder friedlich gestaltet. (...)

Es muss heute Klarheit geschaffen werden. (...) Wir können uns entscheiden, wir bleiben in dieser Regierung. Dann aber in basisdemokratischen Parteien muss die Basis die Verantwortung übernehmen auch in der Sache. (...) Das ist der entscheidende Punkt. (...)

Die Mehrheit muss stehen. Das ist die entscheidende Frage. Und ich halte überhaupt nicht davon, hier den Unterschied zwischen dem Schröder und dem Fischer zu machen. Und ich werde gleich noch begründen, warum ich meine, dass wir als Bundesrepublik Deutschland nicht anders können, nicht anders dürfen. Wir können als Partei anders. Dann müsste ich heute entscheiden, raus aus der Koalition. Aber wovon ich nichts halte - (auf einen Zwischenruf:) okay, dann entscheidet raus aus der Koalition und tragt die Konsequenzen. Aber, wovon ich nichts halte ist zu sagen, wir bleiben drin in der Koalition, wollen diese Politik aber nicht. Denn das wird garantiert schief gehen. (...)

Es ist für Grüne die härteste Herausforderung, noch viel härter als auf dem Balkan, grüne Politik unter den Bedingungen eines Krieges formulieren zu müssen. Und ich verstehe die Emotionen sehr gut, die sagen, das dürfen wir nicht. (...)

Und jetzt kommen wir zum Vertrauen. Es ist nicht nur Theorie, sondern ihr könnt die Politik der Koalition der Bundesregierung, ihr könnt meine und die von Bundeskanzler Schröder konkret an den Taten messen. Wo haben wir das Vertrauen des Bundestags einmal missbraucht? (...)

In der Welt des 21. Jahrhunderts werden wir um den Faktor Militär - es sei denn, wir verabschieden uns aus der Regierung, dann geht das - aber als Regierungspartei nicht drum rum kommen. (...) Aber hier möchte ich für diese Politik das Vertrauen. (...) Wir werden die Verlängerung des Mandats Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres, in Mazedonien brauchen. Gibt es dann wieder das selbe Hin und Her? (...)

Die Alternative ist, ob sich die Grünen aus dem Parteienspektrum verabschieden werden und ganz andere dann die Mehrheit in diesem Lande stellen werden. Und da sage ich euch, bin ich entschieden anderer Meinung. (...)

Und deswegen, bei allem Frust, ich bitte um euer Vertrauen. Ich möchte, dass ihr meine Politik mit diesem Parteitag unterstützt und mich nicht allein lasst. Ich danke euch."

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