Die Republikaner müssen ihre Basis erreichen und sich gleichzeitig als Mitte-Partei tarnen
Conan, der Amerikaner

Er verkörpert den amerikanischen Traum wie kein anderer: Als österreichischer Einwanderer kam Arnold Schwarzenegger 1968 ohne einen Cent und ohne Englischkenntnisse nach Amerika. Heute ist er als Gouverneur von Kalifornien ein Massenmagnet, der die Wechselwähler für George W. Bush gewinnen soll, denn Charme und Sympathie spielen im US-Wahlkampf eine gewichtige Rolle.

HB NEW YORK. Wenn Arnold Schwarzenegger lacht, werden die Augen zu kleinen Schlitzen. Sein Gesicht scheint dann nur noch aus Zähnen zu bestehen. "Als ich 1968 nach Amerika kam, hatte ich keinen Cent in der Tasche, ich konnte noch nicht mal Englisch", sagt er. "Aber wenn du hart arbeitest, kannst du hier alles erreichen - in keinem anderen Land der Welt gibt es das." Und so erzählt der Gouverneur von Kalifornien am späten Dienstagabend die Geschichte vom erfolgreichen Einwanderer: Kindheit im sowjetisch besetzten Österreich der 50er-Jahre, Angst vor Verhaftungen, die Liebe zu John- Wayne-Filmen und die "unstillbare Sehnsucht nach Freiheit".

Genau das sind die Töne, die die knapp 5 000 Delegierten im New Yorker Madison Square Garden hören wollen. "USA, USA"-Rufe peitschen durch die Halle, wo der Parteitag der Republikaner heute Abend mit der Nominierungsrede von Präsident George W. Bush seinen Höhepunkt erreicht.

Auch im schwarzen Anzug mit hellgelber Krawatte sieht Schwarzenegger aus, als sei er gerade aus Hollywood eingeflogen: ein Kraftpaket mit dem bronzenen Teint von der Westküste - Conan, der Amerikaner sozusagen, angelehnt an den berühmten Schwarzenegger-Streifen "Conan, der Barbar". Und immer wieder knipst er sein Lachen an. Zum Schluss ballt er die Faust und hämmert ins Mikrofon: "Wir sind zurück auf Grund der Zähigkeit, des Charakters und der Führungskraft von George W. Bush!" Die Halle tobt, viele Delegierte schwenken ihre blau-weiß-roten "Arnold!"-Schilder.

Wenn der Name Schwarzenegger fällt, bekommen republikanische Parteistrategen glänzende Augen. "Er ist ein Massenmagnet und ein Gewinnertyp", schwärmt Bill Whalen von der Stanford University. Dass Schwarzenegger in wichtigen Fragen wie Homosexuellenehe, Abtreibung und Waffenkontrolle wesentlich tolerantere Positionen als der Präsident vertritt, prallt bei konservativen Parteimitgliedern ab. "Er hat es aus dem Nichts an die Spitze geschafft, das ist der amerikanische Traum", meint die 40-jährige Virginia Carlton aus Mississippi.

Bushs Leute schätzen Schwarzenegger als populären Außenseiter, der die politische Szene aufmischen kann. Sein Job: Er soll vor allem Wechselwähler ansprechen, für die Stimmungen und Effekte mehr zählen als Inhalte. Das sei das eine wichtige Ziel des Parteitags, heißt es in der Führungsetage der Republikaner. Das zweite bestehe darin, die konservative Basis zu mobilisieren. Eine Doppelstrategie, die den Wahlsieg am 2. November garantieren soll. Anders ausgedrückt: Es gibt die "Abteilung Sympathie" und die "Abteilung Attacke".

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