Die Revolution lässt ebenso auf sich warten, ebenso wie die riesigen Gewinne
Biotechnologie: Big Bang nur an der Börse

Die Gehälter der Biotechnologie-Branche sind im Vergleich zur Pharma-Branche unterdurchschnittlich. Idealismus ist stärker als das Gewinnstreben.

DÜSSELDORF. Sie waren die Stars der Börse: Die Unternehmen der Biotechnologie-Branche. Hier schlummerten die Geschichten, die Anleger zum Kauf bewegen: Biotechnologie, das sind Produkte, die in verkorkten Reagenzgläsern nur darauf warten, die Welt zu revolutionieren. Riesige Gewinne sind vorprogrammiert.

Die Revolution lässt ebenso auf sich warten, wie die riesigen Gewinne. Derzeit ist die Biotechnologie-Branche ein Konglomerat kleiner und mittelständischer Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern und geringen Umsätzen. Entsprechend verhalten sich die Gehälter, wie auch die jüngste Kienbaum-Vergütungsstudie "Health Care/Life Science" zeigt.

"Die Biotechnologie-Branche ist noch sehr jung und schreibt keine hohen Gewinne", sagt Arne Michael Eickhoff, der bei Kienbaum die Studie betreut hat. Deswegen können die Unternehmen noch keine so hohen Gehälter zahlen, wie zum Beispiel die konkurrierende Pharma-Industrie. Während Pharma-Führungskräfte im Schnitt 181 000 Mark an Jahresgesamtbezügen verbuchen können, landen bei Führungskräften der Bio-, Gen- und Medizintechnik gerade mal 143 000 auf dem Konto. Das Jahresgrundgehalt macht dabei im Durchschnitt 128 000 Mark aus, bei den Pharma-Unternehmen beträgt es 165 000 Mark.

Prozentual gesehen ist der Anteil der variablen Vergütung also bei der jungen Biotech-Branche (11,7 %) etwas höher, als bei der Schwester-Branche Pharma (9 %). "Variable Vergütungen sind vor dem Hintergrund verständlich, dass die Unternehmen derzeit keine hohen Gehälter zahlen, ihre Mitarbeiter aber am Geschäftserfolg teilhaben lassen", sagt Eickhoff. Gelingt einem Unternehmen mit einem Produkt der Durchbruch und kann es damit satte Gewinne schreiben, dann zahlt sich das letztendlich auch für die Mitarbeiter aus.

Doch nicht nur Bonus- oder Stock-Option-Regelungen sollen Mitarbeiter binden, die Unternehmen verwöhnen mit den kleinen Extras, die den Status heben: 71 Prozent der Führungskräfte haben beispielsweise ein Mobiltelefon, in Pharmaunternehmen bekommen dies nur 61 Prozent der leitenden Angestellten. "Auch das ist leicht verständlich, schließlich sind in der Pharma-Branche mehrere Hierarchien entstanden, in denen Mobiltelefone an Funktionen gebunden sind. In der flachen Hierarchie der Biotechnologie-Unternehmen ist es eine Belohnung für überdurchschnittlichen Einsatz", so Eickhoff. Bei teuren Dienstwagen wiederum sieht es anders aus: Während drei Viertel aller Pharma-Manager einen Dienstwagen bekommen, sind es in der Biotechnologie nur etwas mehr als die Hälfte.

Wie nun gelingt es einer Branche, die vergleichsweise geringe Gehälter für hochqualifizierte Mitarbeiter bezahlt, Nachwuchs zu rekrutieren? Die Antwort weiß Jochen Töpfer, Gründer der Genomed GmbH in Bad Oeynhausen: "Das Angebot an Arbeitskräften ist sehr gut. Es gibt mehr Uni-Abgänger mit einer Promotion in Biologie oder Molekularbiologie, als es offene Jobs gibt. Das zeigt sich dann auch an den niedrigeren Gehältern." Töpfer spricht allerdings eher für die Branche als für sein Unternehmen, das nur aus wenigen Mitarbeitern besteht. "Wenn der Erfolg auf nur drei Köpfen ruht, werden die auch entsprechend bezahlt."

Die Biotech-Branche, das zeigt die Studie, ist weitgehend von Idealismus geprägt. Und die Hoffnung auf die Zukunft: "Häufig ist es so, dass Mitarbeiter eben auch zu schlechteren Konditionen arbeiten, weil sie hoffen, in Zukunft den großen Reibach zu machen, denn die Biotechnologie-Branche hat sicherlich noch ein großes Gehaltspotenzial vor sich", sagt Eickhoff.

Davon ist noch nicht zu viel zu merken. Zwar sind die Gehälter 2000 um 5,5 Prozent gestiegen, für das laufende Jahr rechnen die Unternehmen jedoch gerade mal mit durchschnittlich 3,3 Prozent Gehaltszuwachs. Auch Wolfgang Senne, Finanzvorstand der Freiburger Firma Genescan Europe, gibt sich verhalten: "Das Gehaltsniveau der Biotechbranche wird so lange hinter dem der Pharma-Branche zurückbleiben, bis dieselben Gewinnmargen erwirtschaftet werden können." Dass das noch lange dauern kann, weiß auch Töpfer: "Ich arbeite seit 17 Jahren in dieser Branche, und immer hat man ihr den großen Boom vorausgesagt. Den gabe es inklusive Crash aber nur an der Börse. Ich denke, wenn es so bleibt, wie es ist, geht es uns noch gut."

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