Die Riester-Rente lohnt sich, aber sie reicht nicht
Analyse: Alt werden mit Riester

Die Riester-Rente ist ein typisch deutsches Konzept: viel guter Wille, hoher Anspruch auf Perfektion - und am Ende unglaublich kompliziert. Ein Ausblick, was Anleger zu erwarten haben.

DÜSSELDORF. Das mit dem Euro ist so eine Sache. Obwohl die Riester-Rente im Jahr 2002 eingeführt wird, hat das Bundesarbeitsministerium Texte und Tabellen dazu zum Teil noch in DM abgefasst. Doch wenn man davon absieht, ist dem Reformwerk von Bundesarbeitsminister Walter Riester klar anzumerken: Hier soll alles perfekt sein. Deswegen sind die Bestimmungen so kompliziert.

Grundidee der Riester-Rente ist, dass Arbeitnehmer auf betrieblichem oder privatem Weg für ihr Alter sparen, um den zu erwartenden Rückgang des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen. Dabei werden sie vom Staat mit Fördergeld bzw. Steuervorteilen unterstützt. Im Gegenzug zu dieser Förderung muss allerdings später die Rente versteuert werden. Wenn man davon ausgeht, dass die Steuerlast im Ruhestand eher sinkt, lohnt sich die Sache trotzdem. Lediglich Anleger, die im Ruhestand eine höhere Steuerbelastung haben als in der Ansparphase, machen ein schlechtes Geschäft.

Wer sich im Dschungel der Bestimmungen nicht verlieren will, sollte einige Punkte im Auge behalten:

Die Riester-Rente bezieht man am einfachsten über den Betrieb. Viele Leute werden das in Anspruch nehmen, was der Betrieb anbietet - und müssen sich um die Details gar nicht kümmern. Private Riester-Produkte sind für sie vollkommen uninteressant, weil sie die Förderung über ihr Unternehmen bekommen. Carsten Eckart, Geschäftsführer der Firma Pension Consult in München, rechnet damit, dass "zwei Drittel bis drei Viertel der Mittel" über die Arbeitgeberschiene fließen. Die Unternehmensberatung Tillinghast schätzt den Anteil auf rund 70 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür: Im betrieblichen Bereich sind die Kosten geringer. Interessant auch: Ab 2002 haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass Teile ihres Gehalts "umgewandelt" werden und in eine betriebliche Altersvorsorge fließen. So kann im Prinzip fast jeder, wenn er möchte, den betrieblichen Weg einschlagen.

Die Riester-Rente läuft nicht weg. Wer sich im Dezember 2002 für ein Produkt entscheidet und seine Beiträge für das ganze Jahr nachzahlt, kann noch die volle Förderung bekommen. Da im betrieblichen Bereich erst wenige Konzepte vereinbart sind und im privaten Bereich erst Mitte Dezember die ersten Riester-Produkte vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen in Bonn (BAV) "zertifiziert" (also zugelassen) werden, empfiehlt es sich also, noch abzuwarten. Möglicherweise steht man sonst später vor dem Problem, wie man aus einem Vertrag wieder aussteigen kann.

Die Riester-Rente lohnt sich. Zurzeit taucht immer wieder die Behauptung auf, die Rendite der Riester-Produkte sei so schlecht, dass sie sich gar nicht lohne. Dabei werden die Riester-Produkte gerne mit Aktienfonds verglichen, die zwar höhere Ertragschancen, dafür aber auch ein höheres Risiko haben. Das ist so, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht. Gegenüber Produkten mit vergleichbarem Risiko werden die meisten privaten Riester-Policen und-Fonds zwar mit höheren Kosten belastet sein. Aber das dürfte in der Regel durch staatliche Förderung mehr als ausgeglichen werden - auch wenn man die spätere Versteuerung der Rente berücksichtigt.

Die Riester-Rente reicht nicht. Heute setzen zwei Deutsche statistisch 1,4 Kinder in die Welt. Damit die Bevölkerungsentwicklung stabil bleibt, müssten es mehr als 2,0 sein. Die große Krise der gesetzlichen Rentenversicherung kommt also noch, wenn immer weniger Junge für immer mehr Alte bezahlen müssen. Es empfiehlt sich also zusätzliche Vorsorge, am besten sofort, zum Beispiel mit einem Aktienfonds, der zur Sicherung der Familie von einer Risikolebensversicherung und einer Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzt wird.

Wer sich jetzt schon über das Riester-Thema Gedanken macht, sollte auch im Auge behalten, dass einige Punkte noch ungeklärt sind. Im privaten Bereich geistert zum Beispiel, wie Karl Leute von der Versicherungsaufsicht (BAV) erläutert, das Schlagwort von der "Ein-Euro-Rente" durch die Szene. Hintergrund ist folgender: Das Gesetz schreibt vor, dass die Riester-Rente tatsächlich als lebenslange Rente ausbezahlt werden muss, das angesparte Geld darf nicht auf einen Schlag ausgeschüttet werden - sie soll eben als echte Alterssicherung funktionieren. Außerdem heißt es, dass sie aus einem festen und einem variablen Anteil bestehen muss. Theoretisch könnte ein Anbieter also später eine feste Rente von einem Euro monatlich bis ans Lebensende bezahlen und den Rest doch schon "variabel" vorher auf einen Schlag ausbezahlen. Das wäre natürlich nicht im Sinne des Erfinders. Aber wie hoch nun tatsächlich feste und variable Anteile sein dürfen - darüber wird noch gestritten.

Offen sind auch die Rahmenbedingungen, unter denen Fondsgesellschaften Riester-Produkte anbieten können. Das Problem: Bei Riester-Produkten muss die Rückzahlung mindestens der eingezahlten Beiträge gesichert sein. Die Fondsgesellschaften verhandeln gerade mit der Bankenaufsicht, wie viel Kapital sie zur Absicherung dieser Zusage bereitstellen müssen. Deswegen ist bisher noch unklar, welche Fonds überhaupt als Riester-Produkte verkauft werden können.

Auch im betrieblichen Bereich, für den es übrigens keine Zertifizierung gibt, sind nicht alle Fragen geklärt: Wie Experte Carsten Eckart erläutert, muss noch festgelegt werden, zu welchem Prozentsatz Pensionsfonds das ihnen anvertraute Geld in Aktien anlegen dürfen. Möglich wäre zum Beispiel eine Grenze von 50 Prozent - das liegt deutlich über dem Wert der Lebensversicherungen.

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