Die Risiken der Banken steigen
Kommentar: Kurzer Prozess

Die Welle spektakulärer Insolvenzen von Traditionsfirmen schlägt hoch in diesen Tagen: Erst musste der Frankfurter Baukonzern Holzmann den bitteren Weg zum Amtsrichter antreten, in dieser Woche folgten der Flugzeugbauer Fairchild Dornier und der Berliner Büroartikel-Hersteller Herlitz. Und der Münchener Medienkonzern von Leo Kirch steht offenbar ebenfalls kurz vor dem Aus - die Verhandlungen über eine Rettung sind zumindest in eine Sackgasse geraten.

So verschieden die Gründe für das Scheitern dieser Firmen sind, ein vermeintlicher Schuldiger ist oft schnell gefunden: Es sind die Banken, die kein frisches Geld mehr nachschießen wollten. In der Tat verdichtet sich der Eindruck, dass die Verantwortlichen in den Chefetagen der Banken immer öfter kurzen Prozess machen und den Geldhahn einfach zudrehen. Denn ob Holzmann, Kirch, Herlitz oder Fairchild Dornier, in den vergangenen Jahren haben die Banken immer neues Kapital in diese Firmen gepumpt - ohne Erfolg. Schlimmer noch, die Unternehmen haben keinen Weg aus der Dauerkrise gefunden und sich als "Fässer ohne Boden" erwiesen. Die strapazierte Geduld der Banker ist dann meist am Ende.

Doch die Geldinstitute haben selbst schwer zu kämpfen. Die Konjunktur ist im Keller, ein Hoffnungsschimmer nur am Horizont zu erkennen. Die Ertragsquelle aus dem einträglichen Börsengeschäft ist fast ganz zum Erliegen gekommen. Die Banken müssen Filialen schließen und Stellen streichen - und das kostet zunächst einmal. In seltener Eintracht mussten Deutsche und Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank, aber auch Landesbanken und Genossenschaftsbanken Gewinneinbrüche melden. Und für 2002 ist keine durchgreifende Besserung in Sicht. Dazu kommt, dass die Risikovorsorge für faule Kredite in die Höhe geschnellt ist. Die Pleitewelle ist auf dem Höhepunkt, für 2002 werden bis zu 40 000 Firmenzusammenbrüche erwartet.

Kein Wunder, dass die Banken in dieser Situation keine großen Risiken mehr auf sich nehmen wollen, sondern vielmehr ihre Bücher bereinigen und mit besonderer Schärfe die Kredite unter die Lupe nehmen. Und das ist auch gut so. Denn die Kreditinstitute müssen zunächst vor der eigenen Haustüre kehren. Ein funktionierender und stabiler Bankensektor kommt der gesamten Wirtschaft zugute. Wohin es führt, dem berühmten "schlechten Geld" auch noch gutes hinterherzuwerfen, hat das Beispiel Schmidt-Bank drastisch veranschaulicht. Die fränkische Privatbank ist durch eine völlig verfehlte Kreditpolitik an den Rand des Ruins geraten.

Die Banker handeln also auch verantwortungsvoll, wenn sie manch insolvenzgefährdetes Unternehmen fallen lassen. So bitter das im Einzelfall besonders für die betroffenen Arbeitnehmer sein mag, eine Insolvenz ist in der Regel die bessere Alternative zum "Weiterwurschteln". Das Beispiel Holzmann zeigt, dass die Aufsehen erregende Rettung durch Kanzler Gerhard Schröder nicht von Dauer war. Das Management machte weiter wie zuvor - bis die Banken die Notbremse zogen. Auch der Fall Kirch verdeutlicht, dass die Banken viel zu lange Vertrauen in die Münchner Medienmacher setzten. Nur so ist zu erklären, dass die Gruppe einen Schuldenberg von über 6,5 Milliarden Euro anhäufen konnte, ohne über ausreichende Sicherheiten zu verfügen.

Dabei ist die Insolvenz für die Banken kurzfristig oft teurer als der Erhalt, insbesondere wenn die Kredite wie bei Kirch schlecht besichert sind. Dann müssen die Ausleihungen zumindest teilweise abgeschrieben werden. Das schmerzt, deshalb lassen die Banken, wie bei Kirch oder Holzmann, meist nichts unversucht und ringen um eine Lösung. Doch ein Neuanfang nach der Pleite ist nicht nur eine Chance für die betroffenen Firmen, sondern auch für die Banken. Denn nur gesunde Unternehmen sind für die Banken auch gute Kreditnehmer.

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