Die Rolle der amerikanischen Währung als „sicherer Hafen“ ist nicht unumstritten
Das Image des Dollars ist angekratzt

Die Sorgen um einen Krieg im Irak sind noch verschwunden. Die vermeintlich "sicheren Häfen" bleiben im Fokus der Anleger. Dazu zählt natürlich der Schweizer Franken, aber auch der US-Dollar, wenngleich dessen Image erste Kratzer verzeichnet.

DÜSSELDORF. In den Kurs des US-Dollars ist in dieser Woche wieder etwas Bewegung gekommen. Hintergrund sind die Hoffnungen und Sorgen der Märkte hinsichtlich eines möglichen Krieges im Irak. In Krisenzeiten aber suchen die Anleger nach "sicheren Häfen" für ihre Gelder. In der Vergangenheit hat - neben dem Schweizer Franken - der US-Dollar oftmals diese Rolle übernommen. "Er war weit weg von irgendwelchen Krisenherden", erklärt Bastian Hepperle, Volkswirt bei der Westdeutschen Landesbank. Dies galt insbesondere im Hinblick auf Russland oder Osteuropa.

Doch inzwischen sind sich die Märkte und auch Experten über die Rolle des Dollars nicht mehr ganz einig. Sollte es tatsächlich zu einem Krieg im Irak kommen, werden negative Auswirkungen auf den Kurs des Greenbacks nicht ausgeschlossen. Nach der Beobachtung von Hepperle setzten einige Marktteilnehmer nach wie vor auf den amerikanischen Markt und glauben "die Amerikaner werden es schon richten". Andere glaubten, der Krieg im Irak könnte zu einer höheren Verschuldung in den USA führen und so den Dollar belasten.

Außerdem hat sich "der Status des Dollars als sicherer Hafen seit dem letzten Jahr verändert", erklärt Michael Lewis vom Research Büro der Deutschen Bank in London. Dem stimmt Hepperle zu: "Das Image ist angekratzt worden". Vor den Anschlägen in New York am 11. September hätten sich "die Amerikaner in relativ hoher Sicherheit" gewogen. Diese scheinbar "ewige Sicherheit in den Vereinigten Staaten" sei beschädigt worden, betont Lewis, und zwar nachhaltig. Denn auch die Erfahrungen in Großbritannien zeigten, dass selbst wenn keine akuten Anschläge passierten, die potenzielle Gefahr bestehen bleibe.

Problematisch sei dabei allerdings, dass der Status einer Währung bzw. eines Landes als sicherer Hafen für verunsichertes internationales Kapital nur schwer messbar ist. "Es gibt kein klares Konzept dafür", erklärt Lewis. Einen Anhaltspunkt könnten die Kapitalflüsse geben da diese das Vertrauen der internationalen Anleger widerspiegelten. Als Beispiel führt der Deutsche-Bank-Fachmann die Kapitalflüsse während der verschiedenen Krisen in Asien, Türkei oder auch Lateinamerika an. Bisher hätten vor allem die USA davon profitiert, nun flössen die Gelder stärker nach Europa.

Rolf Elgeti, leitender Europa-Stratege der Commerzbank Securities in London, sieht jedoch noch ein weiteres Problem und zwar unabhängig davon, dass "der Dollar ein wenig von seiner Qualität als Fluchtwährung verliert". Immer noch bestehe die Möglichkeit dass Investoren aus dem Nahen Osten ihre Gelder aus den USA abziehen könnten. Die Sorge vor großen Kapitalabflüssen hat bereits Ende August die Märkte bewegt (Handelsblatt, 22.8.02). Elgeti ist jedoch nach wie vor skeptisch hinsichtlich der Dementis, die seinerzeit auch aus Saudi-Arabien verlauteten. Die Abflüsse würden auf 250 bis 260 Mrd. Dollar geschätzt. Einen "Boykott" amerikanischer Vermögensanlagen würde beispielsweise auch Stephen Jen von Morgan Stanley nicht ausschließen.

Unverändert optimistisch ist dagegen Thorsten Polleit. "Ich glaube nach wie vor, dass der Dollar die Weltwährung Nummer eins ist und auf absehbare Zeit auch bleiben wird", sagt der Volkswirt von Barclays Capital. Dafür sprächen vor allem die Markttiefe und-breite der US-Finanzmärkte. Daran reichten sowohl die Anleihe- als auch die Aktienmärkte in Europa "noch lange nicht heran". Eine Rolle spiele zudem die Erwartungshaltung der Marktakteure. Dabei ist "das Vertrauen in die US-Währung ungebrochen", ist Polleit überzeugt. Daran hätten auch Bilanzskandale und konjunkturelle Schwäche grundsätzlich nichts geändert.

Die Auswirkungen des 11. Septembers hält Polleit für "einen temporären Knick". "Auf den Finanzmärkten geht es nur um relative Vorteile", erklärt er. Der Vorteil der Anlagen in den USA - und damit auch des Dollars - sei zuvor stärker ausgeprägt gewesen. Doch zurzeit würde an den Märkten auch zu wenig beachtet, welche Problem noch im Euro-Raum bestehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%