Die Rotoren drehen sich oft nicht so schnell wie versprochen
Luftige Geschäfte mit Windenergiefonds

Was haben Segler und Windkraft-Investoren gemeinsam? Der Spaß fängt erst an, wenn eine steife Brise weht. Einigen Anlegern könnte die Freude allerdings bald vergehen: Experten zweifeln daran, dass die Anbieter von Windpark-Fonds die großen Prospekt-Versprechungen auch halten können.

DÜSSELDORF. Der Bundesverband Windenergie (BWE) jubelt. In Deutschland speisen Windräder seit August Strom mit einer Leistung von mehr als 10 000 Megawatt (MW) ins Netz. Ein neuer Kapazitätsrekord ist angepeilt: "Wir rechnen mit rund 3 000 MW für das Jahr 2002", sagt Peter Ahmels, derPräsident des Branchenverbandes.

Auch auf der Investorenseite läuft alle bestens. Denn Windenergie-Fonds bieten Anlegern noch, was Immobilien-Fonds längst verloren haben: hohe Steuervorteile. Degressive Abschreibung und eine zusätzliche Sonderabschreibung für kleine und mittlere Unternehmen summieren die Verluste bei meist 70 Prozent Fremdkapital-Anteil im Fonds in den Anfangsjahren oft auf über 100 Prozent der Einlage (s. Steuern). Das Er- neuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verspricht zudem sichere Einnahmen, müssen doch die großen Energieversorger den Strom aus den Windmühlen von Gesetzes wegen abnehmen, ob sie wollen oder nicht (s. EEG).

Kein Wunder also, dass Privatinvestoren vorne mit dabei sind, wenn es um Windkraft geht. Rund 900 Mill. Euro Eigenkapital pumpten sie im Jahr 2001 in das Geschäft mit den Windmühlen, davon rund 400 Mill. Euro mittels geschlossener Fonds. Dies geht aus einer Statistik des Analysten Stefan Loipfinger hervor.

Ob sich die Investitionen jedoch auch positiv auf die Konten der Anleger auswirken, bleibt abzuwarten. Es gibt durchaus kritische Stimmen: "Windräder werden in der Investition von Jahr zu Jahr teurer", sagt Peter Lücke, Geschäftsführer der Geno Vermögensanlage (GVA), die Genossenschaftsbanken eine Vorauswahl geschlossener Fonds bietet. Die Investitionskosten, die ein Anleger je Kilowattstunde (kWh) Jahresertrag zahlen muss, liegen bei den vorgestellten Fonds über 70 Cent.

Im vergangenen Jahr kamen einige Fonds der "Handelsblatt"-Marktübersicht noch mit weniger aus. Die GVA hat wegen der steigenden Kosten bereits Konsequenzen gezogen: Windenergie-Fonds sind nicht mehr auf der Auswahlliste. Zweifel sind auch angebracht, was die Prognosen der Betreiber bezüglich der Windgeschwindigkeit angeht. Hintergrund: Nach Angaben der BWE sollte die durchschnittliche Geschwindigkeit in Höhe der Rotorachse sechs Meter pro Sekunde übersteigen.

Die Betreiber arbeiten in der Regel mit Gutachten. Doch die Ergebnisse der Experten basieren nicht auf Messungen vor Ort, sondern auf Computerberechnungen. Unter seriösen Fondsanbietern ist es mittlerweile Usus, mindestens zwei Gutachten über die Windgeschwindigkeit und den zu erwartenden Ertrag vorzulegen. Der BWE empfiehlt den Fondsinitiatoren, mit den niedrigeren Schätzwerten zu kalkulieren, was aber keineswegs immer geschieht. BWE-Pressesprecher Christian Hinsch warnt: "Bereits Abweichungen von einem Prozent bei der Windgeschwindigkeit können zu Ertragsabweichungen von drei Prozent führen."

Eine Analyse der Firma FondsMedia stellt zumindest einigen Gutachtern ein schlechtes Zeugnis aus. Untersucht wurden 165 Fonds. Nur ein Drittel lieferte Daten, die den Vergleich geplanter und erfolgter Stromerzeugung ermöglichten. Das Ergebnis: Bei 83 Prozent dieser Fonds hinkte die Stromerzeugung hinter dem Plan her, und zwar im Durchschnitt um 21 Prozent. Nur bei 25 Anbietern fand FondsMedia Antworten zur Ertragssituation. Ergebnis: Die Hälfte blieb unter Plan.

Doch von negativen Erfahrungen früherer Investoren erfahren Neu-Anleger kaum etwas - selbst dann, wenn ihnen eine Leistungsbilanz des Anbieters vorliegt. "Die historischen Angaben vieler Anbieter weisen große Lücken auf", sagt Peter Kastell, Geschäftsführer von FondsMedia, sein Fazit. Dabei sollte die Leistungsbilanz, also der Vergleich des im Anlageprospekt in Aussicht gestellten und des bislang tatsächlich erreichten, wenigstens in einer Kurzfassung im Prospekt stehen.

Der Fondsanbieter Das Grüne Emissionshaus (DGE) kommt dieser Forderung immerhin mit einer kurzen Bilanz nach: "Bei vier Fonds sind die Jahresergebnisse bislang unbefriedigend, da die Stromproduktion der entsprechenden Windparks hinter den Erwartungen zurückblieb." Neun Fonds hat die Gesellschafts bislang aufgelegt. An Erklärungen fehlt es nicht: die unzureichende Vorhersagekraft der Windgutachten und ein Windangebot, das im vergangenen Jahr rund 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt lag. Quintessenz für Anleger: Geschäfte mit der Natur sind nur schwer planbar.

Die Intensität des Windes ist nicht die einzige Ungewissheit, mit der Investoren leben müssen. "Es ist immer noch nicht klar, welche Reparaturkosten auf die Fonds zukommen", sagt BWE-Mann Hinsch. Es fehlen langjährige Erfahrungen über die Haltbarkeit der Windmühlen. Dass die 1,5 bzw. zwei Megawatt leistenden Windräder 20 Jahre Strom liefern, kann der Anleger den Herstellern glauben - oder auch nicht. Nur wenige Anbieter kalkulieren von vornherein über die Laufzeit von 20 Jahren jene 460 Euro je kW Nennleistung für Instandhaltung, Reparatur und Wartung einkalkuliert sind, die sich aus einer Formel des BWE ergeben.

Fast alle Anbieter gehen in ihren Rechnungen zudem davon aus, dass bis zum Laufzeitende in 20 Jahren die volle Einspeisevergütung gezahlt wird. Doch so ganz sicher sind sie scheinbar nicht. Unter der Überschrift "Risiken" finden sich Hinweise, dass späteren Regierungen die Nutzung regenerativer Energien weniger wert sein könnte.

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