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Die Rückkehr der Ahnen

Als wir uns vor acht Jahren in Kanada niederließen, gab es den "Tag der Ureinwohner", den "National Aboriginal Day", bereits. Er war 1996 durch ein Regierungsdekret geschaffen worden. Als "Tag der Ureinwohner" wurde der 21.

Als wir uns vor acht Jahren in Kanada niederließen, gab es den "Tag der Ureinwohner", den "National Aboriginal Day", bereits. Er war 1996 durch ein Regierungsdekret geschaffen worden. Als "Tag der Ureinwohner" wurde der 21. Juni festgelegt, und seitdem werden am Tag der Sommersonnenwende die Kulturen der Ureinwohner und ihr Beitrag beim Aufbau der kanadischen Gesellschaft gewürdigt.

In den ersten Jahren haben wir vom "Tag der Ureinwohner" nicht viel mitbekommen. Er fand mehr im Geheimen statt, in den eingeweihten Zirkeln, in den Kreisen derer, die sich stark für die Rechte der Ureinwohner, der Indianer, Inuit (Eskimo) und der Metis, einsetzen. Dies hat sich in jüngster Zeit geändert. Der "Tag der Ureinwohner" scheint immer mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung einzudringen. Quer durch das Land - von Küste zu Küste zu Küste - finden Veranstaltungen statt. Die Medien berichten immer ausführlicher.

Für die Algonquin-Indianer in der Region rund um Kanadas Hauptstadt Ottawa war der gestrige 21. Juni ein besonderer Tag. Vertreter ihrer Gemeinde Kitigan Zibi, 150 Kilometer nördlich von Ottawa, nahmen in Ottawa-Gatineau bei einer Zeremonie im kanadischen Staatsmuseum, dem "Museum of Civilization", die sterblichen Überreste von Vorfahren und Grabbeigaben in Empfang, die viele Jahre in den Beständen des Museums lagerten. Sie wurden dann in die Reservation Kitigan Zibi Anishinabeg gebracht und auf indianischem Gebiet beigesetzt.

Das Gebiet der heutigen Stadt Ottawa und der bereits in der frankophonen Provinz Quebec liegenden Zwillingsstadt Gatineau war in der Vergangenheit ein wichtiger Treffpunkt der Indianer. Vor mehr als 150 Jahren waren am Ottawa-Fluss im Bereich des heutigen Gatineau bei Erdarbeiten die sterblichen Überreste von Menschen und Schmuck- und Gebrauchsgegenstände ausgegraben worden. Über ihren Verbleib über viele Jahre hinweg ist wenig bekannt. Aber schließlich kamen sie in die Bestände des Museums. Ethnologen, die die Kultur der Indianer erforschten, befassten sich damit.

Ausgestellt wurden die Gebeine von schätzungsweise 90 Indianern und die Grabbeigaben nicht. "Wir stellen keine menschlichen Überreste unserer Ureinwohner aus", sagt Rachael Duplisea, Sprecherin des Museums. Zwei Jahre lang verhandelten die Kitigan Zibi - das heisst "das Volk am Gartenfluss" - mit dem Museum und mit anderen Gruppen des Algonquinvolkes. Denn es musste auch geklärt worden, ob vielleicht andere indianische Gemeinden Anspruch erheben könnten. In einem "Geist des Respekts und der Zusammenarbeit" wurde dann die Übergabe vereinbart. Die Heimführung der menschlichen Überreste sei, sagte Stephen Inglis, Forscher am Museum, ein Zeichen für die Bemühungen des Museums, zwischen dem Interesse an der Erforschung der Kultur und Geschichte und dem Respekt für die Ureinwohner eine Balance zu finden. Und Gilbert Whiteduck sagte im Namen der Indianer: "Diese Überreste unserer Vorfahren gehören in den Schoß v on Mutter Erde auf traditionellem Algonquin-Land."

Kanadas Ureinwohner gehören immer noch zu den Unterprivilegierten dieses reichen Landes. Ihr Lebensstandard ist niedriger, bei Lebenserwartung, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmöglichkeiten sind sie benachteiligt. In den vergangenen Jahren wurden aber auf vielen Ebene Erfolge erzielt, etwa bei der Ausbildung. Dennoch ist der Weg, den sie gehen müssen, noch weit. Die Regierung stellt viel Geld bereit, aber ihre Politik ist oft nicht schlüssig.

Kanadas Kulturinstitutionen haben mit der Vergangenheit gebrochen. Museen geben Kulturgegenstände, die ausgestellt oder in Lagern aufbewahrt wurden, an ihre Eigentümer zurück. Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt, um Indianern, Inuit und Metis den Respekt zu erweisen, der ihnen gebührt.

Dazu soll auch der "Tag der Ureinwohner" beitragen.


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