Die schöne neue Internetwelt
Mobil und drahtlos im Web abheben

Für Wap ist der kommerzielle Durchbruch bis heute ausgeblieben. Dennoch sind Experten weiter davon überzeugt: Der Umschwung zur mobilen Informationsgesellschaft ist in vollem Gang. Die Hoffnung der Branche liegt jetzt auf den neuen Mobilfunkstandards GPRS und UMTS.

HB DÜSSELDORF. Mit dem Wireless Application Protocol, kurz Wap, sollte endlich richtig Geld verdient und das Internet aufs Handydisplay gepackt werden. Doch bis heute ist der kommerzielle Durchbruch ausgeblieben, das Massengeschäft kam nicht so richtig in die Gänge. Wap floppte mehr oder weniger. Die Möglichkeit eines mobilen Zugangs zum Web per Handy regte allenfalls die Phantasie cleverer Startup-Unternehmer an - mehr aber auch nicht.

Der Haken: Wap-Nutzer müssen viel Geduld mitbringen, um selbst abgespeckte Web-Seiten auf dem Display ihres Mobiltelefons flackern zu sehen. Minutenlanges Warten ärgert die Kunden, die so genannte "Wapathie" machte sich in Deutschland breit. Schuld sei die lahme Technik, heißt es unisono in der mittlerweile ausgedünnten M-Commerce-Szene, die arg unter Pleiten, Pech und Pannen gelitten hat. Der Übertragungsstandard GSM (Global System for Mobile Communication), auf dem die Mobilfunknetze aufgebaut sind, ist eben nicht für den raschen mobilen Zugang zum Internet geeignet. Rund 40 Pfennig pro Minute kostet es, eine Internetseite auf ein Wap-Handy per GSM zu laden. Etwa zehnmal so viel wie im stationären Betrieb am PC. Die enttäuschende Bilanz: Nur knapp jeder Zehnte, der in Deutschland ein Wap-Handy besitzt, ruft auch Wap-Dienste ab. Die blasse Realität des mobilen Internets - alles zu teuer, zu langsam und zu unattraktiv.

"Die umständliche Handhabung mobiler Dienste, instabile Netzverfügbarkeit, hohe Kosten und Endgerätemangel verhinderten bisher eine breite Marktdurchdringung des Mobile Commerce, des mobilen Geschäftemachens übers Handy", meint Jörn Paraat-Zierath, Telekommunikationsexperte bei der Unternehmensberatung Mummert+Partner in Hamburg. Das soll sich nun alles ändern.

GPRS ist Turbosatz für den Anwender

Die Hoffnungen der Branche ruhen jetzt auf vier Buchstaben im Doppelpack: Mit GPRS (General Packet Radio Service) und UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) beginnt eine neue Internet-Zeitrechnung. Von wegen lahm! Mit GPRS startet ein Turbosatz durch. GPRS-Handys führen zu deutlich besseren paketvermittelten Übertragungseinheiten im mobilen Internet. Der Nutzer ist permanent online ("always on"), der Datentransport wird schneller, und Diensteanbieter können für einen ortsabhängigen Service ermitteln, wo sich der Nutzer gerade befindet. "GPRS ist ideal für Anwendungen wie WWW-Surfing, Fernüberwachung und-kontrolle oder E-Mail, bei denen der Anwender typischerweise nur sporadisch und für kurze Zeit Daten empfängt oder sendet", meint Nokia Networks-Sprecherin Eva Heller.

GPRS ist die Generalprobe für UMTS. Kein Wunder also, dass kein Vertreter der jüngsten Produktgeneration mehr ohne eine mobile Anbindung ans Internet auskommt. Ob Siemens, Philips, Panasonic, Sagem, Ericsson oder Nokia, alle großen Handy-Hersteller haben mittlerweile mittlerweile GPRS-Geräte im Angebot. Auffällig ist, wie beim GD 95 von Panasonic, dass die Displays wesentlich größer geworden sind - eine Voraussetzung dafür, dass man Internetinformationen in lesbarer Form auf dem Handy erkennen kann. Ericsson zeigt mit seinem Demogerät "Emil" wie der UMTS-Alltag ab 2002/2003 aussehen könnte. "Emil" schafft bewegte Bilder auf das hochauflösende Farb-Display.

Neben GPRS und UMTS bewegt das "Wireless"-Thema die Branche: Daten werden über Bluetooth-Systeme drahtlos per Funk in einem Umkreis von zehn Metern gebeamt. Im Büro und zu Hause zeichnet sich endgültig ein Ende des lästigen Kabelsalats ab. Bluetooth steht für eine drahtlose und intelligente Kommunikation zwischen Handys, PC, Organizern und anderen technischen Geräten. Siemens hat bereits ein Bluetooth-System vorgestellt, das über eine größere Reichweite als die bisher üblichen zehn Meter verfügt.

Zusammenwachsen von Internet und Mobilfunk

Das Zusammenwachsen der beiden Branchen Internet und Mobilfunk werde zu einem Boom beim kabellosen Surfvergnügen mit serienreifen Webpads führen, lautet die Prognose der meisten Hersteller. Erste Produkte sind bereits zu haben: Mit dem "@Pad" will z.B. Hersteller Ascom eine neue drahtlose Internet-Ära einläuten. Internet-Vergnügen verspricht auch die Deutsche Telekom mit einer kompletten Schnurlos-DSL-Gerätefamilie. So soll das Webpad "T-Sinus Pad" als Digital Subscriber Line (DSL)-Variante für das richtige Tempo beim Internetzugang sorgen.

Nicht nur diese Angebote zeigen: Der Umschwung zur mobilen Informationsgesellschaft ist in vollem Gang. Die Vision lautet: Internet in jede Jackentasche, der Pocket PC mutiert zum multimedialen Mehrzweckgerät. Unklar ist nur, womit künftig im M-Commerce Geld verdient werden kann, und zwar so viel, dass die Milliarden für den Erwerb der UMTS-Lizenzen wieder eingespielt werden. Die Suche nach der ultimativen "Killer-Applikation" hält an. Gute Geschäftsideen sind in der Telekommunikationsbranche gefragt.

Trotz einiger Probleme bei Wap und zahlreichen Verschiebungen beim GPRS-Start in Deutschland rechnen Branchenkenner allerdings damit, dass sich das Business rund um das mobile Internet langfristig erfolgreich durchsetzen wird. Mobile Internetzugänge, E/M-Commerce und so genannte B2B- Marktplätze wachsen weiter. "Die Frage ist nicht, ob der Geldsegen mit M-Commerce überhaupt kommen wird, sondern wann", meint David Dean, Experte der Boston Consulting Group.

Auch andere Fragen müssen die E-Business-Propheten erst noch klären, z.B. wie sicher ist die schöne neue mobile Internetwelt vor Hackern und sonstigen Cyberkriminellen. Web-Handys und Online-Handhelds sind extrem anfällig für Virenattacken. Ohne garantierte Datensicherheit, das zeigen aktuelle Umfragen, lassen sich die Verbraucher für Anwendungen wie Mobile Banking überhaupt nicht begeistern. Der mobile Zugang zum Internet muss nicht nur schnell sein, er muss vor allem sicher sein. Sonst steigt so schnell niemand ins mobile Internet ein.

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