Die schreckliche Erlebnisse sitzen bei den Mitarbeitern tief
Wiederaufbau Manhattens gefährdet

Der Wiederaufbau des World Trade Center schien direkt nach den Anschlägen keine Frage: Politiker und New Yorker Bürger bestanden in trotziger Einigkeit darauf, das Wahrzeichen neu zu errichten. Doch die Furcht vor neuen Attentaten und Geldmangel könnten viele betroffene Firmen zum Abwandern bewegen.

afp NEW YORK. "Viele Leute werden wahrscheinlich sagen, diese Stadt sei zu unsicher, zu verletzlich", sagt Peter Pattison von der Planungsfirma Pattison Limited. "Sie werden sich fragen, ob sie je wieder hier leben wollen." Auch die psychologischen Probleme der Angestellten könnten den betroffenen Firmen Sorgen bereiten - und sie an Umzug denken lassen. Insgesamt wurden über zwei Mill. Quadratmeter Bürofläche durch die Anschläge der vergangenen Woche zerstört, 14 000 Firmen sind betroffen.

Bürgermeister Rudolph Giuliani kündigte gleich in den ersten Stunden nach den Attentaten an, die weltbekannten Twin Towers würden neu entstehen. Der Kongress bewilligte 20 Mrd. Dollar (21,8 Mrd. ?, 42 Mrd. DM) für den Wiederaufbau des gesamten Finanzdistriktes und Giuliani rief umgehend ein Komitee dafür ins Leben. Aus Sorge um die Abwanderung zahlreicher Firmen traf sich auch der New Yorker Senator Charles Schumer Anfang der Woche mit Vertretern der Immobilienbranche um über Massnahmen zu beraten, um die Unternehmen in der Stadt zu halten. Auch Spenden für die Opfer und ihre Familien flossen zügig: 60 Mill. Dollar (65 Mill. ?/127 Mill. DM) wurden beispielsweise schon in den Twin Towers Fonds eingezahlt, 57 Mill. Dollar kamen über die Internetseite Libertyunites.org zusammen.

Ob die großen Firmen wieder in New Yorks Stadtzentrum zurückkehren bleibt fraglich

Doch durch die Zerstörung des Finanzzentrums wurden eigentlich schon Fakten geschaffen: Grosse Firmen wie American Express, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Goldman Sachs sind vorerst auf die andere Seite des Hudson River nach New Jersey gezogen, wo die Büromieten erheblich günstiger sind als in Manhattan. Die Bank Morgan Stanley hatte als "Notfallplan" offenbar schon seit Jahren Büros in New Jersey gemietet. American Express, dessen Zentrale im World Financial Center direkt neben den zerstörten Trade Center in Trümmern liegt, musste nach Angaben seiner Sprecherin Susan Korchak 5000 Angestellte nach New Jersey und Connecticut verlegen. Dies sei nur eine kurzfristige Maßnahme, versichert Korchak. "Wir wollen in New York bleiben, aber nicht unbedingt im Stadtzentrum." Auch andere Firmen betonen, sie wollten zurückkehren, aber so recht mag das noch niemand glauben.

Ein weiterer Beweggrund, New York zu verlassen, könnten auch die schrecklichen Erlebnisse der Angestellten sein, die nach Angaben von Psychologen zu schweren Problemen führen dürften. Viele Manager der zahlreichen Finanz- und Brokerfirmen könnten Angst vor Risiken bekommen und so ihren Job nicht mehr richtig machen, sagt der New Yorker Firmenpsychologe Kerry Sulkowicz. Ängste, Depressionen, Wut und Frustration könnten den Angestellten und damit den Firmen noch monatelang Sorgen bereiten.

Um auf die Unternehmen einzuwirken und vom Umzug abzuhalten, treffen sich Bürgermeister Giuliani und sein Team schon seit Tagen mit Firmenvertretern. "Wir tun alles, was wir können, um sie zum Bleiben zu bewegen", sagt Giulianis Wirtschaftsberater John Dyson. So soll das Wiederaufbau-Komitee genügend Befugnisse erhalten, um sowohl Abrisse als auch Baugenehmigungn so schnell wie möglich zu erledigen. Außerdem soll es an der Verteilung der Unterstützungsgelder beteiligt werden.

Der Unternehmer Eric Silverstein gehört zu den wenigen, die nicht überzeugt werden müssen. «Wir haben eine Verpflichtung gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern», sagt der Manager. Er hat zwei Monate vor dem Anschlag einen Mietvertrag für 3,2 Mrd. Dollar mit dem WTC abgeschlossen. Laufzeit des Vertrages: 99 Jahre.

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