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Die Selbstgeißelungsbereitschaft der Berufskommunikatoren

Sie ist schon seltsam, die PR-Branche. Einerseits tupft sie sich in trauter Runde mit Wattebällchen ab, andererseits lässt sie sich gern von Journalisten auspeitschen. Wirtschaft ist manchmal gar nicht so schwer.

Sie ist schon seltsam, die PR-Branche. Einerseits tupft sie sich in trauter Runde mit Wattebällchen ab, andererseits lässt sie sich gern von Journalisten auspeitschen.

Wirtschaft ist manchmal gar nicht so schwer. Deshalb gibts ja auch Managementbücher auf einem Niveau, das "Die kleine Raupe Nimmersatt" als Werk der Hochkultur aussehen lässt.

Eine der ganz einfachen Regeln lautet: Wenn man ein Problem erkennt, sollte man erstmal intern daran arbeiten. Erst wenn die Lösung scheitert, ist der Weg nach außen eine Alternative. Schließlich muss ja nicht gleich jeder mitkriegen, dass im eigenen Bereich Bockmist gebaut wird.

Deutschlands Berufskommunikatoren sehen das aber genau andersherum. "Sie haben ja Recht", murmeln mir eine ganze Reihe von ihnen zu, "in unserer Branche gibt es reichlich Qualitätsprobleme." Auch das eklige Bild mit dem Finger in der Wunde (Bäh!) wird gerne bemüht und dann fällt immer wieder der Satz: "Aber in der Branche redet ja keiner drüber".
Stimmt. Selbst beim Kommunikationskongress des Pressesprecherverbandes fehlten Themen wie Qualitätskontrolle oder das gespannte Verhältnis zu Journalisten. Alles war schön und gut, so weit ich das mitbekommen habe.

Andererseits aber lässt man sich gerne geißeln von Journalisten. Kein PR-Blatt, das nicht gerne eine Anklage von Journalisten in Kolumnenform einholt, je fester drauf, desto besser. Wie eine selbstreinigende Ablasshandlung wirkt das, wie 12mal "Ave Maria" nach der Beichte. Dann darf weiter gesündigt werden. Jüngstes Beispiel: Der in den USA bestens bekannte Journalist und Blogger Dan Gillmor schreibt jetzt für die "PR Week". Ob's was ändert? Wahrscheinlich nicht. Aber ein paar Berufskommunikatoren werden nach der Lektüre nicken, "So ist es" murmeln - und weitermachen wie zuvor.

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