Die Situation in Brüssel
Terroranschläge gegen die USA treffen auch die Nato

Nach den verheerenden Anschlägen in den Vereinigten Staaten hat man auch im Nato-Hauptquartier in Brüssel reagiert. Es wurde hermetisch abgeriegelt. Eine Attacke gegen die USA ist eben auch immer ein Angriff auf die Verbündeten.

dpa BRÜSSEL. Die belgischen Sicherheitskräfte hatten schnell geschaltet. Noch flimmerten die Bilder vom Terror in New York und Washington über die Bildschirme, da war das Nato-Hauptquartier in Brüssel schon hermetisch abgeriegelt. Drinnen wurde Mitarbeitern mulmig, wenn startende Maschinen vom nahe gelegenen Flughafen wie immer nach dem Abheben über das Gebäude dröhnten. Kann sich der Hass der Feinde Amerikas auch gegen die Verbündeten richten?

Nato-Generalsekretär George Robertson schickte alle nach Hause, die keine unbedingt notwendigen Aufgaben zu erledigen hatten. Eine Evakuierung wurde nicht erwogen - Anzeichen der Einschüchterung soll es nicht geben. Doch als der sonst so unerschrockene Schotte am Dienstagabend die Solidaritätsadresse der Nato an ihr Mitglied USA verlas, war zu spüren, dass das gesamte Bündnis sich von den Anschlägen getroffen fühlt.

Immerhin ist die Nato kein loser Interessenverband, sondern eine Gruppe von Staaten, die sich gegenseitig zu militärischer Hilfe verpflichtet haben. "Ein Angriff gegen eine oder mehrere (der Vertragsparteien) wird als ein Angriff gegen alle angesehen", heißt es in Artikel 5 des Nordatlantikvertrages von 1949. Damals war die Welt zweigeteilt, und die Autoren dieses Satzes hatten einen klaren Feind im Sinn.

Neue Rolle in der Welt

Zum 50. Jubiläum der Nato hatte die Welt sich grundlegend geändert. Die USA blieb die einzige wirkliche Supermacht, und die Nato passte auf ihrem Gipfeltreffen 1999 in Washington ihr Strategisches Konzept der neuen Lage an. Der damalige Gipfel bekräftigte die Verpflichtungen aus Artikel 5, fügte aber hinzu: "Die Sicherheitsinteressen der Allianz können auch durch andere Risiken berührt werden, einschließlich des Terrorismus ..."

Über einen "Artikel-5-Fall" will jetzt aber niemand sprechen in der Nato. Ohnehin wäre die Voraussetzung dafür, dass die Regierung in Washington das Bündnis darum bittet. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen und nach Auffassung von Nato-Diplomaten auch keinen Anlass. Im Gegensatz zu manchen Schlagzeilen sagte Belgiens Außenminister und EU-Ratspräsident Louis Michel beschwörend: "Das ist kein Krieg."

Für Vergeltung brauchen USA keine Unterstützung

Für mögliche Vergeltungsschläge bräuchten die USA keine Hilfe der Nato, betonen Militärexperten. Allerdings wird erwartet, dass Washington die 18 Partner jetzt noch stärker drängen wird, den internationalen Terrorismus als echte Bedrohung der Sicherheit zu erkennen. Unter Präsident George W. Bush hatte die US-Regierung ihre Kampagne für gemeinsame Abwehrmaßnahmen gegen unkontrollierbare "Schurken" und verdächtige Staaten bereits verstärkt.

Doch der von Bush ohne viel Rücksicht auf die Partner in Gang gesetzte Aufbau eines Raketenabwehrsystems gegen solche Art von Bedrohung könnte jetzt noch größerer Skepsis begegnen. Für ihren apokalyptischen Terror benutzten die Täter vom Dienstag keine High-Tech-Waffen, und sie schlugen nicht von außen zu.

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