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Die Sonne schickt keine Rechnung - Solar-Wirtschaft vor strahlender Zukunft

Während Rekordpreise für Heizöl und Benzin europaweit die Verbaucher schrecken, wittert eine Branche ihre große Chance: Hersteller und Betreiber von Solaranlagen haben derzeit gut lachen, können sie doch bei den unter Druck stehenden Politikern mehr denn je auf Förderbereitschaft und bei den Verbrauchern auf offene Ohren hoffen.

afp BERLIN. Angesichts eines Rohölpreises auf Golfkriegs-Niveau und der erklärten Klimaschutzziele der Regierung rücken alternative Energien zunehmend in den Vordergrund. Durch den verstärkten Einsatz von Solarwärme ließen sich in Deutschland "Heizkosten in Milliardenhöhe sparen", rechnet die Solarwirtschaft vor. Sie nutzt die Gunst der Stunde und fordert flugs mehr Geld und "deutlich mehr politische Anstrengungen" zum Ausbau des Solarwärmemarktes.

Die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), die rund 200 Solarunternehmen vertritt, sieht sich ohnehin voll im Trend. Vor allem die Erzeugung von Solarstrom über Photovoltaikanlagen erlebe einen regelrechten Boom, berichtet UVS-Chef Carsten Körnig. Das neue Stromeinspeisungsgesetz, wonach die Anlagenbetreiber für jede nicht selbst verbrauchte und ins Netz weitergeleitete Kilowattstunde Solarstrom 99 Pfennig erhalten, habe die Nachfrage nach Sonnenkollektoren seit April verzehnfacht. Die entsprechenden Förderprogramme für den Anlagenbau hatten wegen übergroßer Nachfrage zwischenzeitlich gestoppt werden müssen. Auch die Solaranlagen zur Wärmegewinnung, bei denen Wasser durch die Kollektoren geleitet wird, finden indessen immer mehr Abnehmer. Vor allem dort mache sich der Ölpreisschock bemerkbar, sagt Körnig.

300.000 Anlagen zur Warmwassererzeugung in Betrieb

Doch die bisherigen Bemühungen reichten noch nicht aus, moniert die Branche, und verweist auf Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums: Um die Klimaschutzziele der Europäischen Union zu erfüllen, müsste die Kollektor-Fläche bis zum Jahr 2010 nochmals verzehnfacht werden.

Die Solarfirmen raten den Bundesbürgern, jetzt auf Sonnenwärme umzusteigen. Das rechne sich mehr denn je - schließlich würden durch die hohen Rohölpreise nicht nur Ölheizungen, sondern auch Gasheizungen deutlich teurer, da Gas zumeist an den Ölpreis gekoppelt ist. Schon mit einer Kollektorfläche von sechs Quadratmetern zum Preis von rund 10.000 Mark ließen sich fast zwei Drittel des Warmwasserbedarfs eines Einfamilienhaushaltes decken, versichert Körnig.

Ist die Anlage erst einmal installiert, greift der wirtschaftlich wichtigste Vorteil: "Die Sonne schickt keine Rechnung", betont Solar-Lobbyist Körnig. Sie biete damit langfristige Sicherheit vor steigenden Energiekosten. Allein die gegenwärtig 300.000 Anlagen zur Warmwassererzeugung sparten jährlich rund 100 Millionen Mark. Würden die Vorgaben der EU zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes erfüllt, könnten in zehn Jahren die Energiekosten um eine Milliarde Mark sinken.

Auch für Marktexperten wie den Deutsche-Bank-Energieanalysten Josef Auer liegt es angesichts der Rekord-Ölpreise "jetzt natürlich nahe", an alternative Energieformen zu denken. Solarwärme habe derzeit ungleich bessere Chancen als während der Öl-Krise in den Siebzigern, als Steinkohle die Lücken in der Energieversorgung schloss.

Förderprogramme der Regierung sind wichtig

Von sinkenden Ölpreisprognosen lassen sich Vertreter der Solarindustrie nicht schrecken. Der Markt boome, da sei der Ölpreis nur eine schöne Dreingabe, versichert ein Sprecher des Bundesverbandes Solarenergie in München. Auch das Bonner Unternehmen Solarworld, dessen Aktienkurs sich seit Februar verdoppelte, misst dem Preis für den fossilen Energieträger Öl wenig Bedeutung bei. Die Förderprogramme der Regierung seien viel wichtiger. Noch liegt der Anteil der Sonnenwärme am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland unter einem Prozent, aber in fünfzig Jahren will sich die Branche auf 20 bis 30 Prozent vorgearbeitet haben.

Bislang wird mit Sonnenwärme 20 Mal so viel Energie erzeugt wie mit Sonnenstromanlagen, erläutert Volker Witwer vom Freiburger Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme. Dies sei eine gute Basis für ein Umdenken in der Bevölkerung. Gleichwohl muss auch Witwer eingestehen, dass alternative Energien noch weit hinterherhinken: Im letzten Referenzjahr 1997 produzierten sämtliche Wind- und Solaranlagen in Deutschland in etwa soviel Energie wie ein Kernkraftwerk.

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