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Die Sony-Acropolis

Die Akropolis ist nicht nur das Wahrzeichen Athens und die größte Touristenattraktion der griechischen Metropole sondern auch deren älteste Dauerbaustelle.

Die Akropolis ist nicht nur das Wahrzeichen Athens und die größte Touristenattraktion der griechischen Metropole sondern auch deren älteste Dauerbaustelle. Seit über 30 Jahren wird am Parthenon, dem Erechteion und den Propyläen unablässig gearbeitet, um die antiken Ruinen zu restaurieren. Die Arbeiten sind schwierig und zeitaufwändig. Tausende Marmorelemente der drei Hauptgebäude müssen abgebaut, behandelt oder ersetzt und wieder aufgebaut werden. Gegen Ende 2006 werden die Besucher erstmals seit über 20 Jahren wieder freien Blick auf die Monumente haben: bis dahin sollen die meisten Baugerüste, die bisher die Säulen und Kapitelle umgeben, abgebaut sein.

Die Restaurierungsarbeiten aber werden weiter gehen, mindestens bis zum Jahr 2020 - wenn das Geld so lange reicht. Seit 1992 hat das Restaurierungsprogramm 36,2 Millionen Euro gekostet. Über die nächsten 17 Monate werden weitere zwölf Millionen fällig, und bis 2020 noch einmal 60 Millionen, schätzen die Fachleute. Unter dem Strich wird die Akropolis-Restaurierung also etwa 100 Millionen Euro kosten. Das ist eigentlich ein Klacks, wenn man bedenkt, dass die Griechen rund zehn Milliarden Euro für die Olympischen Sommerspiele 2004 ausgaben. Sollte ein Land, das gerade 1,1 Milliarden Dollar für 30 neue Kampfflugzeuge locker macht, wirklich kein Geld für die Bewahrung des berühmtesten Bauwerks der Antike auftreiben können?

Viel ist es nicht, was benötigt wird. Denn die Europäische Union bezuschusst das Programm großzügig. So werden von den zwölf Millionen Euro, die das Restaurierungsbudget der Jahre 2005 und 2006 umfasst, 10,5 Millionen aus Brüssel kommen. Die Griechen selbst sollen sich nur mit 1,5 Millionen beteiligen. Dieser Betrag ist zwar gesichert. Aber für die Folgejahre zeichnen sich finanzielle Engpässe ab. Deshalb will der stellvertretende Kulturminister Petros Tatoulis jetzt auf die Suche nach Sponsoren gehen. Er bricht damit ein Tabu und stößt auf Widerstände. Die griechischen Archäologen sträuben sich gegen eine befürchtete Kommerzialisierung der antiken Stätten. Seit jeher achten sie streng darauf, dass die klassischen Ruinen nicht für Werbezwecke missbraucht werden.

Ohnehin werden die Athener und Athen-Besucher auf Schritt und Tritt mit Werbung überflutet. Der koreanischer Elektronik-Hersteller Samsung hat eben erst U-Bahn-Züge und Straßenbahnwagen großflächig mit Reklame vollgeklebt, und die Katamarane der Fährschiffreederei Hellenic Seaways ziert ein riesiges knallrotes Vodafone-Logo. Kommt jetzt die Akropolis an die Reihe?

Vizeminister Tatoulis sucht die empfindlichen Altertumsforscher zu beschwichtigen: "diskret" soll das Sponsoring vonstatten gehen. "Welcome to the Sony-Acropolis" - eine solches Leuchtreklame wird es also an den Propyläen auch in Zukunft nicht geben.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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