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Die Spannung steigt

Der Countdown läuft, in 122 Tagen beginnt in Seoul das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, Titelverteidiger Frankreich trifft dann auf Senegal. Die Vorfreude in Deutschland ist immer noch gedämpft, trotz des sportlichen Aufwärtstrends in den vergangenen Monaten.

127 Millionen Euro zahlten die öffentlich-rechtlichen Anstalten an Rechte-Inhaber Kirch für die WM. Ein stolzer Preis: Denn als Gegenleistung dürfen ARD und ZDF nur 24 Livespiele der insgesamt 64 WM-Partien zeigen. Macht nach Adam Riese gut fünf Millionen Euro pro Spiel. Kirch hat gut verhandelt - dank der freundlichen Unterstützung der Parteien, die aus den Verhandlungen zwischen dem Münchner Rechtehändler und den öffentlich-rechtlichen Sendern ein Politikum machten: ARD und ZDF dürfen an jedem Tag der WM nur das so genannte Spiel des Tages übertragen.

Wegen der Zeitverschiebung beginnen die Partien in mitteleuropäischen Längengraden zwischen 8.30 und 13.30 Uhr; bekanntlich wird dann die zahlungskräftigste Klientel kaum in Massen vor dem Fernseher sitzen. Zudem werden selbst hartgesottene Fußball-Fans sich kaum alle Spiele antun: Beispielsweise wenn am Dienstag, den 4.Juni, ab 13.30 Uhr Südkorea gegen Polen antritt. Fünf Tage später, ein weiteres absolutes Schmankerl: Japan gegen Russland. Spiele, die das deutsche Fernsehen eigentlich nicht braucht. Das eigentlich Interessante und Lukrative, die tägliche Zusammenfassung der Höhepunkte, läuft natürlich bei Sat1.

Einen Vorteil haben die frühen Anstoßzeiten vor 20 Uhr für die öffentlich-rechtlichen Anstalten immerhin. Sie dürfen rund um die Spiele Werbung zeigen. Daher haben die Sender ihre Werbepreise kräftig erhöht: Die Tarife für einen 30-Sekunden-Spot liegen bei der ARD zwischen 15 000 und 144 000 Euro. Normalerweise kostet ein Spot kurz vor dem Flaggschiff Tagesschau nach Angaben des Senders nur maximal 37 000 Euro, beim ZDF sind es direkt nach "heute" nur ein paar Euro weniger.

Das größte Problem aber haben die beiden Vertragspartner noch immer nicht aus dem Weg räumen können. Der Vertrag vom Mai vergangenen Jahres sieht vor, dass ARD und ZDF im digitalen Fernsehen nur verschlüsselt übertragen dürfen. Fußball-Fans und Gebührenzahler haben noch immer die leider legendäre Auslosung der WM-Gruppen im Dezember im Hinterkopf, als das ZDF direkt vor der Ziehung in Südkorea ins heimatliche Studio zurückgab. Kirch hat digitalen Fernsehsendern in Polen und Spanien eine exklusive WM-Übertragung in ihren Ländern zugesichert. Diese Exklusivität ist dann nicht mehr gewährleistet, wenn ARD und ZDF ihre Spiele europaweit und digital unverschlüsselt per Satellit zeigen. Denn rund 200 000 Haushalte in Polen und Spanien könnten dann auch "in der ersten Reihe sitzen". Sollten die beiden deutschen Sender hingegen die digitale Übertragung verschlüsseln, so würden - laut ARD-Angaben - auch gut eine Million deutscher Haushalte mit ausschließlichem Digital-Empfang in die Röhre schauen.

Neueste Überlegung der ARD: die Spiele auf einem zusätzlichen Kanal unverschlüsselt zu zeigen, den aber die digitalen Haushalte in Polen und Spanien gar nicht oder zumindest nur mit viel Aufwand empfangen können. Die Kirch-Gruppe jedoch blieb in einer ersten Reaktion skeptisch und besteht weiterhin auf einer vollständigen Verschlüsselung im Kabel.

Das Aufeinandertreffen Kirch mit ARD/ZDF im Vorfeld der WM könnte spannender als so manches Match werden.

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