Die Sparquote der privaten Haushalte ist erstmals wieder gestiegen
Bundesbank: Aktien-Verluste lassen Geldvermögen schrumpfen

Die schwache Entwicklung der Aktienkurse hat beim Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland tiefe Spuren hinterlassen. Das zeigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank in dem jetzt vorgelegten Monatsbericht für Juni.

mak FRANKFURT/M. Von 240 Mrd., die die privaten Haushalte in den Jahren 2000 und 2001 insgesamt in verschiedene Anlageformen investierten, blieb per Ende 2001 nur noch ein Bestand von rund 80 Mrd. übrig. Das bedeutet eine bewertungsbedingte Vermögensreduktion von 160 Mrd. oder 70 % der Geldvermögensbildung in nur zwei Jahren. Die Bundesbank erklärt den Vermögensverlust in erster Linie mit den Kurseinbußen an den Börsen. Der Wert der Aktien im Portefeuille der privaten Haushalte verringerte sich zwischen Ende 1999 und Ende 2001 von 461 Mrd. auf 337 Mrd. .

Entsprechend ging im vergangenen Jahr die Bereitschaft, direkt oder indirekt Firmenbeteiligungen zu kaufen oder zu halten, spürbar zurück, schreibt die Bundesbank. Während der direkte Aktienerwerb 1999 und 2000 insgesamt gut 30 Mrd. betragen hatte, wurden 2001 netto Firmenanteile in fast gleichem Umfang verkauft. Eine so ausgeprägte Neigung, Aktien per saldo wieder abzustoßen, habe es bisher nicht gegeben. Auch der indirekte Aktienerwerb habe 2001 starke Einbußen erlitten. So betrug der Absatz über Aktienfonds nur noch ein Achtel des Vorjahres.

Gewinner der Aktienschwäche waren die Einlagen bei Banken. Zwar seien hier heftige Schwankungen im kurzfristigen Bereich durchaus normal, meint die Bundesbank. Allerdings sei eine Aufstockung von knapp 30 Mrd. im Jahr 2001 schon außergewöhnlich, nachdem im Vorjahr noch eine Reduzierung in ähnlicher Größenordnung stattgefunden habe. Die Bundesbank führt den starken Umschwung vor allem auf die Spareinlagen zurück. Auch die Termingelder seien mit 20 Mrd. kräftig dotiert worden - vermutlich um die Mittel bei einem Anziehen der Aktienkurse schnell umschichten zu können. Ihre Anlagen bei Versicherungen haben die Haushalte 2001 um knapp 60 Mrd. erhöht.

Sparquote wieder gestiegen

Erstmals seit Anfang der 90-er Jahre ist die Sparquote der privaten Haushalte wieder gestiegen. Mit 10,2 (2000: 9,8) % des verfügbaren Einkommens erreichte sie aber bei weitem noch nicht das Niveau jener Zeit (1991: 13 %). Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis sei im Gegensatz dazu 2001 zurückgegangen, führt die Bundesbank aus. Die Ersparnis insgesamt lag mit rund 110 Mrd. oder 6,5 % des verfügbaren Einkommens auf dem niedrigsten Stand seit Anfang der 90-er Jahre. Verantwortlich dafür seien in erster Linie der Staat, in geringerem Umfang aber auch die Unternehmen gewesen.

Nur langsam zugenommen haben nach den Angaben der Bundesbank die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte. Mit gut 20 Mrd. war die Ausweitung der Finanzschulden 2001 so niedrig wie seit langem nicht. Entsprechend verringerten sich die Außenstände auf gut 110 % des verfügbaren Einkommens von 1 356,3 Mrd. .

Trotz der jüngsten Verlangsamung sei aber das Tempo des Schuldenanstiegs zwischen 1991 und 2001 recht hoch gewesen, findet die Bundesbank. Die finanziellen Verbindlichkeiten hätten sich in diesem Zeitraum nahezu verdoppelt. Im Durchschnitt seien sie um 6,5 % pro Jahr und damit wesentlich schneller als das verfügbare Einkommen gewachsen. Daraus lasse sich aber nicht unmittelbar auf eine Belastung für den privaten Konsum und damit für das reale Wachstum schließen. Die Schulden der Haushalte seien überwiegend längerfristiger Natur mit Schwerpunkt bei den Wohnungsbaukrediten. Auf Konsumentenkredite entfiel 2001 nur ein Zehntel aller ausgereichten Kredite.

Im internationalen Vergleich hält sich die Verschuldung der deutschen privaten Haushalte mit 74 % des nominalen Bruttoinlandsproduktes in Grenzen. Dänemark weist mit 101 %, Holland mit 84 %, Portugal mit 81 % und Großbritannien mit 80 % einen höheren Wert aus. Der Vergleichswert für die Vereinigten Staaten liegt der Bundesbank zufolge sogar bei 108 %.

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