Die Springer sind begeistert von der neuen Bergisel-Schanze in Innsbruck
Gelungene Generalprobe

Die Verantwortlichen für die Vierschanzentournee in Innsbruck atmen auf - die neue Sprunganlage erfüllt die Erwartungen. Und ein Österreicher entschied die Qualifikation für sich.
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Sven Hannawald hatte nach seinen ersten Sprüngen von der neuen Bergisel-Schanze in Innsbruck wenig zu meckern. Nur der Aufsprunghang sei extrem hart, sagte der 27-Jährige, der gestern die Trainingsbestweite von 132,5 Metern hinlegte und danach auf die Qualifikation für das dritte Springen der 50. Vierschanzentournee verzichtete. "Ansonsten ist das eine geile Schanze, die sich sehr gut springen lässt und auf der man ins Fliegen kommt. Die Anlage ist perfekt", schwärmte der Schwarzwälder.

Ingenieure und Skisprung-Verantwortliche dürften Hannawalds Worte mit großer Erleichterung vernommen haben. Monatelang stand in den Sternen, ob der zwölf Millionen Euro teure Umbau der Schanze überhaupt rechtzeitig zum Wettbewerb fertig werden würde. Die Zitterpartie endete erst am 15. Dezember, als der Österreicher Paul Ganzenhuber - beim Internationalen Skiverband FIS Vorsitzender des Weltcup-Komitees - grünes Licht für die neue Bergisel-Anlage gab. Der Neubau war notwendig geworden, nachdem die alte Anlage 1998 nach einer Massenpanik bei einer Snowboard-Veranstaltung geschlossen werden musste.

Zwei Tage vor Heiligabend begann die Präparierung, so dass wenigstens für die Springer gesorgt ist. Das Publikum - 22 000 Menschen haben Platz - erwartet dagegen noch eine Baustelle. Lange war unklar, wie viele Zuschauer überhaupt zugelassen werden, deshalb gab es keinen Kartenvorverkauf. Auch die Fans an den Fernsehschirmen können hinter den Baugerüsten allenfalls erahnen, was für ein spektakuläres Bauwerk die in London ansässige iranische Architektin Zaha Hadid entworfen hat. Fest steht, dass auch die neue Schanze ein Wahrzeichen der Tiroler Landeshauptstadt sein wird - allerdings wohl erst ab Mai, wenn sie endgültig fertig gestellt sein soll. Die Einheimischen nennen die an eine Pfeife erinnernde Sprunganlage schon jetzt liebevoll die "persische Schanze".

Martin Höllwarth gewann die Qualifikation

Die Qualifikation gewann gestern in Innsbruck der Österreicher Martin Höllwarth mit einem Satz auf 130 Meter. Der tragische Unfall vor elf Monaten, bei dem der österreichische Skisprung-Nationaltrainer Alois Lipburger ums Leben kam, scheint vergessen. Höllwarth war damals auf der Rückfahrt vom Weltcupspringen in Willingen, auf dem Beifahrersitz saß Lipburger, auf der Rückbank Teamkamerad Andreas Widhölzl. Der Wagen kam bei eisglatter Fahrbahn von der Straße ab und überschlug sich mehrfach. Der Trainer, den alle nur Liss nannten, wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Bei der aktuellen Vierschanzentournee rückt Lipburgers Tod in den Hintergrund. "Das ist ein Tabuthema", sagt ein österreichischer Journalist. Man dürfe keine alten Wunden aufreißen, weil doch im Skispringen der Kopf eine entscheidende Rolle spiele. Zumal die beiden überlebenden Autoinsassen, Widhölzl als Viertplatzierter und Höllwarth als Sechstplatzierter, vor dem dritten Springen am Freitag in Innsbruck (13.45 Uhr, live auf RTL) noch Chancen auf den Gesamtsieg haben.

Rund 22 Punkte beziehungsweise 24 Punkte fehlen ihnen auf den Führenden Sven Hannawald. "Wir müssen darauf hoffen, dass Hannawald auch mal einen Fehler macht", sagt Widhölzl. Bei dem Unfall im Februar 2001 hatte er sich ein Schleudertrauma zugezogen, doch er konnte wie Höllwarth - der wegen einer Teilschuld zu einem Bußgeld verurteilt worden war - nach einem kurzen Aufenthalt wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Lipburgers Tod ließ das Team noch enger zusammenrücken

Widhölzl ist ein sensibler Mensch, er reagiert emotionaler als Höllwarth auf die Frage nach dem Tod des Nationaltrainers, an dessen Stelle inzwischen der frühere Sportliche Direktor Toni Innauer getreten ist. Er sei traurig, dass Lipburger - dessen Frau Carolyn aus den USA stammt - die Olympischen Spiele ab dem 8. Februar in Salt Lake City nicht erleben kann. "Der Liss war doch ein halber Ami", sagt der 25-Jährige, "er hatte immer gewollt, dass die Österreicher in Salt Lake City gut auftreten." Der Tod habe aber das Team enger zusammengeschweißt.

Elf Monate können eine lang Zeit sein. Längst beschäftigten sie sich die österreichischen Springer mit anderen Dingen. Gegenwärtig geht es um die Anlaufgeschwindigkeit, den Absprung und vor allem um die neue Bergiselschanze. Der Sport hat den Tod verdrängt. Eines aber sei sicher, sagt Höllwarth: "Wir werden den Liss nie vergessen."

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