Die Sprint-Krone ist heiß umkämpft
„Krieg“ zwischen Greene und Montgomery

Tim Montgomery und Dwain Chambers wollen die Herrschaft von Sprint-König Maurice Greene übernehmen, Chandra Sturrup und Kelli White in Abwesenheit von Marion Jones Schanna Block vom Thron stoßen.

HB/dpa PARIS. Greene hofft auf seinen vierten Titel hintereinander und will damit "King Carl" Lewis übertrumpfen, schwächelte zuletzt aber ebenso wie sein US-Teamkollege und Weltrekordler Montgomery. Deshalb hofft der zuletzt so starke britische Europameister Chambers vor dem Finale am Montag, "dass wir das Ende einer Ära erleben".

Die dreifache Olympiasiegerin Marion Jones hat nach der Geburt von Tim jr. eine Babypause eingelegt und wird die Entscheidungen als Eurosport-Expertin verfolgen. Ihr Lebensgefährte Montgomery will in der Stadt, in der er am 14. September vergangenen Jahres seinen Weltrekord von 9,78 Sekunden aufstellte, endlich wieder Tritt fassen und erstmals Weltmeister werden. Nach seinem sechsten Platz im Vorlauf des Grand-Prix-Meetings von London war Montgomery Hals über Kopf aus Europa abgereist und nach Hause nach North Carolina geflogen. Inzwischen hat er eine Erdnussallergie, die sein Immunsystem angegriffen habe, als Ursache seiner Antriebsschwäche ausgemacht: "Ich hatte absolut keine Energie mehr." Doch inzwischen habe er im Training bereits eine 9,95 hingelegt.

Greene hat sich in diesem Jahr rar gemacht, präsentierte aber vor der WM seine neuen Spikes mit dem Namen "The Demolisher" (Der Zerstörer) und gibt sich gewohnt großspurig: "Alles was zählt, ist hier Gold zu gewinnen." Mit Montgomery pflegt das Kraftpaket seit Monaten eine offene Feindschaft. Greene bezeichnete es sogar als "Schande", dass sein Rivale jetzt den Weltrekord besitzt und kündigte an: "Eines Tages wird er wieder mir gehören."

Nach den US- Meisterschaften, bei denen Montgomery den Titel Bernard Williams überlassen musste, höhnte er: "Ich weiß nicht, was Tim in Paris will." Es ist, sagte Montgomery, "als ob wir uns den Krieg erklären". Auf dem Papier ist Patrick Johnson als Weltjahresbester der Favorit, doch der Australier kam in den letzten Wochen auch nicht mehr richtig aus den Startblöcken. Hingegen ist Chambers in der Form, als erster Brite nach Linford Christie 1993 Sprint-Weltmeister zu werden. "Maurice hat in den vergangenen Jahren das Tempo bestimmt, aber jetzt sind wir auf dem gleichen Level", warnte er Greene.

Im Schatten der zweifachen 100-m-Weltmeisterin Marion Jones müssen sich die Topsprinterinnen erst noch einen Namen machen. Kelli White, die US-Meisterin über 100 und 200 m und Freundin des deutschen Speerwerfers Boris Henry, kann zumindest Chryste Gaines aus dem Weg gehen. Ihre amerikanische Rivalin, zusammen mit Sturrup die Schnellste in diesem Jahr (10,89), hat sich bei den knallharten Trials nicht für einen WM-Einzelstart qualifizieren können und ist verärgert: "Ich bin in der Form meines Lebens und kann hier die 100 m nicht laufen."

Titelverteidigerin Schanna Block (Ukraine), die vor zwei Jahren in Edmonton überraschend Marion Jones geschlagen hatte, ist nach einer Verletzung noch nicht in Schwung gekommen. So hoffen die Franzosen auf die grazile Christine Arron. Aber auch Hürdenspezialistin Gail Devers (USA), die Sprint-Olympiasiegerin von 1992, will mit ihren 37 Jahren nochmal einen Coup landen.

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