Die Spuren der verschwundenen Millionen führen ins Ausland
Staatsanwaltschaft steht bei Klöco noch am Anfang

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf steht nach Angaben ihres Sprechers Johannes Mocken noch am Anfang ihrer Ermittlungen wegen der bei der Klöckner & Co AG (Klöco), Duisburg, verschwundenen 120 Mill. Euro.

agr/aug/HB DÜSSELDORF. Man sei noch in einem frühen Stadium, sagte Mocken. Das Geld sei "auf recht verschlungenen Wegen durchs Ausland bewegt worden". Somit sei auch noch nicht absehbar, wann ein Abschluss der Ermittlungen zu erwarten sei. Informationen der "Financial Times Deutschland", nach denen sich ein erheblicher Teil der Summe in der Schweiz befindet, wollte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Antrag auf Rechtshilfe bei den Schweizer Kollegen sei bisher nicht gestellt worden, sagte Mocken weiter. Über einen möglichen Antrag werde erst im weiteren Verlauf der Ermittlungen entschieden. Auf jeden Fall werde man zunächst den Bericht der Wirtschaftsprüfer der KPMG abwarten. Dieser soll dem Aufsichtsrat des Duisburger Stahlhändlers bis Ende dieser Woche vorgelegt werden. Mocken bestätigte Ermittlungen gegen Klöco-Vorstandschef Raimund Müsers wegen des Verdachts auf Untreue und möglichen Betrugs. Müsers sei bereits vernommen worden. Strafanzeige sei nicht erstattet worden, stellte ein Klöco-Sprecher klar.

Außer Klöco kommt als Geschädigte laut Staatsanwaltschaft auch die Westdeutsche Landesbank (WestLB), Düsseldorf, in Frage, da sie den Verkauf finanziert hatte. Sie hält noch einen Anteil von 5,5 % an Klöco. Ein Sprecher wollte sich zu den Ermittlungen nicht äußern. Zunächst müsse das KPMG-Gutachten abgewartet werden. Spekulationen, dass Klöco schlimmstenfalls an die WestLB zurückfalle, wollte der Sprecher nicht kommentieren.

Das Fehlen der 120 Mill. Euro aus den Klöco-Kassen war Ende Februar bekannt geworden. Der Verdacht fiel auf den neuen Eigentümer des Duisburger Traditionshauses, die britisch-iranische Balli Group plc, die Klöco mehrheitlich im vergangenen Herbst von dem Energiekonzern Eon übernommen hatte. Balli hält 94,5 % der Anteile an Klöco.

Auch die Zentrale der Balli Group in London will keine Stellungnahme über den Verbleib der Klöco-Millionen abgeben. Sie geht davon aus, dass das Ergebnis der KPMG-Prüfung alle Verdachtsmomente ausräumen wird. Die KPMG soll prüfen, ob zum Nachteil von Klöco unzulässig Geld an das Mutterhaus Balli geflossen ist. Indizien dafür gibt es indessen: Die beiden in London im Oktober entsandten Vorstände Hassan Alaghband, Miteigentümer von Balli, und David Spriddell, haben ihre Mandate Ende Februar niedergelegt.

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