Die Spuren des 11. September, des Attentats von Djerba und des Angriffs auf US-Botschaften gehen in die gleiche Richtung
El Kaida: Immer wieder Deutschland

Die Terrororganisation El Kaida verfügt in Deutschland über ein dichteres Netzwerk, als bisher angenommen. Dies belegen Unterlagen gegen ein El- Kaida-Mitglied, dem inzwischen der Prozess gemacht worden ist.

DÜSSELDORF. In den weltweiten Ermittlungen gegen die Terroristen der El Kaida gibt es eine Person, die bereits hinter Gittern sitzt: Wadih El Hage, ein Libanese mit US-Pass, wurde im vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten wegen seiner Beteiligung an Bombenanschläge auf US-Botschaften in Kenia und Tansania verurteilt. Laut Ermittlungsakten war er der Chefeinkäufer der Terrorgruppe El Kaida, möglicherweise sogar ein enger Vertrauter Osama bin Ladens. Aus El Hages persönlichen Aufzeichnungen, die dem Handelsblatt vorliegen, geht hervor, dass er in Deutschland weit mehr Verbindungen pflegte, als bisher angenommen. Die Spuren reichen von Hamburg bis nach Heidelberg, Heilbronn und Köln, wo die vom Verfassungschutz beobachtete Islamisten-Organisation Milli Görüs ihren Sitz hat.

Im Fach eines schwarzledernen Terminplaners hatte El Hage bis zu seiner Festnahme zwei Visitenkarten mit sich getragen. Eine davon präsentiert ihn als Direktor der Handelsfirma "Anhar Trading". Als Firmenadressen werden Arlington in den USA und Hamburg, Uhlenhorster Weg 34, genannt. Diese Adresse ist den deutschen Ermittlern nicht unbekannt. Hier wohnt der syrische Geschäftsmann Mamoun Darkazanli, dessen Name und sogar dessen Bankverbindung bei der Deutschen Bank El Hage an anderer Stelle in seinem Terminplaner erwähnt. Gegen den Syrer mit deutschem Pass wird derzeit wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, berichtet sein Anwalt. Er hatte Kontakt zu den Terrorpiloten vom 11. September.

Auf El Hage angesprochen, reagiert Mamoun Darkazanli gegenüber dem Handelsblatt abweisend: "Wenn Sie auf eine Messe gehen, können sie Tausende Visitenkarten sammeln. Wären das Adressen von Christen oder Juden, dann würde man nicht danach fragen. Das macht man nur, weil ich Moslem bin." Warum El Hages Unternehmen unter seiner Adresse firmiere? Dazu wolle er nicht Stellung nehmen, weicht Darkanzali aus. Womit er gehandelt habe? "Mit allem, was nicht verboten ist." Neben Darkanzalis Namen taucht in dem Terminplaner eine weitere Adresse in Hamburg auf: die des Import-Export-Kaufmanns Abdulrahman K. Auch K. will von Kontakten zur El Hage nichts wissen. Wie sein Name in den Terminplaner komme, kann er sich nicht schlüssig erklären.

Bundesweit gab es mehr als ein halbes Dutzend weiterer Kontaktpersonen El Hages in Heidelberg, Heilbronn, Köln und Forbach im Schwarzwald. Die Telefonanschlüsse sind jedoch inzwischen abgemeldet, die Handy-Nummern neu vergeben. Darüber, wie weit die El Kaida in Deutschland dennoch aktiv ist, gibt es nur Mutmaßungen.

Er könne nicht sagen, welche El-Kaida-Strukturen hier existierten, musste Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gestern nach seiner Rückkehr von einer Reise ins tunesische Djerba einräumen. Dass sie existieren, schließe er aber nicht aus.

In Djerba waren in der vergangenen Woche deutsche Touristen Opfer eines Anschlags auf die Synagoge geworden. Im Zusammenhang damit habe es eine weitere Festnahme gegeben, berichtete Schily. Angeblich handelt es sich um den Onkel des mutmaßlichen Attentäters Nizar Ben Mohammed Nawar. Auch Nawar war durch seine Verbindungen nach Deutschland aufgefallen: Mit dem Handy seines Onkels hatte er kurz vor dem Anschlag mit einem deutschen Freund in Mülheim telefoniert.

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