„Die ständigen Attacken gehen mir auf den Keks“
Berti Vogts macht Schluss

Der schottische Nationatrainer löst seinen Vertrag auf und wartet in Deutschland auf neue Aufgaben.

STUTTGART. Berti Vogts klingt verschnupft. Er sitzt daheim in seinem Haus in Korschenbroich und kämpft gegen eine Grippe. "Die ständigen Attacken gehen mir auf den Keks", sagt der 57 Jahre alte Fußballtrainer und meint damit nicht nur die Erkältung. Die Begleiterscheinungen seines Jobs als Nationaltrainer in Schottland gehen ihm auf die Nerven. "Es fällt mir sehr schwer", sagt er. Am Montag nun zog er einen Schlussstrich unter die zweieinhalb Jahre als Cheftrainer des schottischen Verbandes. Vogts, der eigentlich einen Vertrag bis zur WM 2006 besaß, trat zurück. "Die Beschimpfungen, die ich vor allem in letzter Zeit ertragen musste" seien der Hauptgrund für seine Entscheidung gewesen, sagte Vogts.

Um die finanziellen Dinge bei der Vertragsauflösung kümmert sich Vogts? Anwalt Andre Gross. Vogts wird eine Abfindung erhalten. Ob das die kolportierten 750 000 Euro werden, darüber hat sich der ehemalige Bundestrainer keine Sekunde lang den Kopf zerbrochen. "Ich habe hier in Schottland wieder die Freude am Fußball gefunden", sagt er trotz der als entwürdigend empfundenen Momente, die er zuletzt hatte ertragen müssen.

Die Schotten liegen in der Qualifikationsgruppe 5 zur WM 2006 in Deutschland mit nur zwei Punkten auf dem vorletzten Platz. Er verstehe die Aufregung, weil gute Ergebnisse ausbleiben, sagt Vogts. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Einmal überbrachten schottische Reporter dem Verband sogar Petitionen ihrer Leser. Eine verpackt in einem Sarg mit der Aufschrift: "Schottlands WM-Träume. Ruhet in Frieden". "Berti macht uns krank", schrieben sie neben unvorteilhaften Fotos mit seinem Gesicht. Jetzt werden Walter Smith und Gordon Strachan als Nachfolger gehandelt.

Lange predigte Vogts Verband und Fußballanhängern, nur ein solider Neuaufbau der Nationalelf bringe Erfolge. "Das aber dauert. Viele leben hier in der Vergangenheit", sagt er. Er mahnte vergeblich. Die Botschaft kam in Schottland nicht gut an. Nicht einmal Kommentare prominenter Trainerkollegen fanden Beachtung. "Einige Leute sollten sich mit Aussagen über die Arbeit von Vogts zurückhalten und sich vor Augen führen, was für einen Job Berti schon geleistet hat", sagte Sir Alex Ferguson, der Schotte, der Manchester United zu einem der weltbesten Klubs formte.

Die Fehler in Schottland seien vor zehn bis 15 Jahren gemacht worden, als die Schotten mit ihrem Kampfgeist so manchen Gegner in Angst und Schrecken versetzten, meint Vogts. Heute aber spielten immer weniger Schotten in namhaften europäischen Ligen, sagt er. Zurück nach Mönchengladbach, wo er als Spieler unzählige Erfolge feierte, wird er wohl nicht gehen. "Das ist kein Thema", sagt Vogts. Auch, weil er sich mit Sportdirektor Christian Hochstätter nicht besonders gut versteht.

Vorerst pendelt er zwischen Glasgow und Deutschland. Sein Sohn Justin wird die Schule in Schottland abschließen. Auch er selbst will Schottland nicht loslassen. Berti Vogts bleibt dabei: Schottland hat ihm viel gegeben und auch geholfen, die dunklen Gedanken zu vertreiben, die ihm nach dem Rücktritt als Bundestrainer trotz der Bilanz von nur zwölf Niederlagen in über 100 Spielen und des EM-Titels 1996 zu schaffen machten. Dazu das seltsame Scheitern in Leverkusen, als er als Tabellenvierter gehen musste.

Zuletzt hat Vogts oft über die deutsche Nationalmannschaft gesprochen. Dort steht inzwischen sein ehemaliger Spieler Jürgen Klinsmann als Bundestrainer an der Spitze. Für Klinsmann ist Vogts zu einem väterlichen Freund geworden. "Ich sehe beim DFB im Augenblick keinen Bedarf an neuen Leuten", sagt Vogts. "Da sind doch inzwischen über zehn Trainer in allen Bereichen tätig." Im Übrigen habe der DFB ja seine Telefonnummer.

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