Die starke regionale Ausrichtung der Institute in Skandinavien mindert die Risiken
Nordeuropas Bankensektor ist konsolidiert

Die skandinavischen Banken stehen im internationalen Vergleich relativ gut da. Bereits frühzeitig begann im hohen Norden die Konsolidierung auf dem Finanzsektor. Weitere große, grenzüberschreitende Fusionen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus kartellrechtlichen Gründen kaum noch möglich.

HB DÜSSELDORF. Alle Quartale wieder schauen Analysten gespannt auf die Kreditverluste, die Nordeuropas Banken in ihren Berichten ausweisen. Und bislang gab es jedes Mal ein Aufatmen. Die großen Bankkonzerne in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland haben anders als viele ihrer mitteleuropäischen Konkurrenten faule Kredite und Kreditverluste im Zaum halten können.

Die in der Vergangenheit stets rentabelste schwedische Bank, Handelsbanken, war auch in diesem Jahr bislang am erfolgreichsten: Hatten Experten bei Handelsbanken mit einem Anstieg der Kreditverluste auf rund 170 Mill. Kronen (18,7 Mill. Euro) gerechnet, konnte das Unternehmen sie auch in diesem Punkt eines Besseren belehren: Die Kreditverluste sanken um mehr als die Hälfte auf 31 Mill. Kronen und machen jetzt nur noch 0,01 % der Gesamtkreditvergabe aus. Auch die faulen Kredite haben mit 0,25 % einen verschwindend geringen Anteil am Kreditvolumen.

Dass die Kreditverluste der meisten nordeuropäischen Banken im Vergleich zu vielen europäischen Konkurrenten sehr gering sind, liegt nach Meinung von Analysten an der starken regionalen Ausrichtung der Institute. Außerdem ist das Wachstum in Schweden höher als beispielsweise in Deutschland, so dass die Zahl der Insolvenzen vergleichsweise gering ausfällt. Die Kreditvergabe an die seit drei Jahren arg gebeutelte Telekom-Industrie ist zudem gering, da die großen Telekom - und Telekommunikationsunternehmen aus dem hohen Norden einen Großteil ihrer Kredite außerhalb Nordeuropas aufnehmen. Eine Ausnahme bildet Nordea, deren Kreditverluste im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich auf 890 (691) Mill. Kronen anzogen. In der Branche wird gemunkelt, dass der Grund für diese Entwicklung ein großen, in Schwierigkeiten geratener norwegischer Fischzuchtbetrieb sei. Doch trotz der negativen Entwicklung liegt der Anteil der Kreditverluste bei Nordea am Gesamtkreditvolumen weitern bei niedrigen 0,27 %.

Kostenjagd erfolgreich

Die meisten der nordeuropäischen Finanzkonzerne sind bei ihrer Kostenjagd in den vergangenen Jahren recht erfolgreich gewesen, so dass sie in diesem Jahr den europäischen Bankenindex deutlich übertreffen konnten. Handelsbanken hatte einen besonders gut gespitzten Rotstift: Die Kosten sanken im ersten Quartal dieses Jahres um 6 %, obwohl Analysten von einem Anstieg ausgegangen waren. Ein Grund für das relativ gute Abschneiden der im europäischen Vergleich kleinen Banken war die frühzeitige Partnersuche. Durch die Konsolidierungswelle, die bereits Ende der Neunziger Jahre begann, konnten Synergien erzielt und Kosten gesenkt werden - lange bevor die Konkurrenz die schmerzhaften Einschnitte vornahm. Heute ist der Bankensektor in Nordeuropa stark konzentriert, mit der finnisch-schwedischen Nordea gibt es sogar ein Institut, dass in allen vier Ländern etabliert ist.

Die Konsolidierung auf den heimischen Märkten ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass von wenigen Ausnahmen abgesehen kaum noch mit größeren Übernahmen oder Fusionen zu rechnen ist. Eine dieser Ausnahmen ist der Versuch der größten norwegischen Bank DnB das zweitgrößte Institut Gjensidige NOR für 17,5 Mrd. Kronen (2,2 Mrd. Euro) zu übernehmen. Noch haben die Wettbewerbshüter in Norwegen nicht ihr Plazet gegeben, noch steht auch die formale Zustimmung von Zweidrittel der Gjensidige-Aktionäre für den Deal aus. Doch nachdem sich die größten Kritiker dieser Bankenehe als Investoren bei Gjensidige zurückgezogen haben, gehen Experten von grünem Licht Anfang Juni dieses Jahres aus. Dann hätte auch Norwegen, das seit der schweren Bankenkrise Anfang der Neunziger Jahre einen stark regulierten Finanzsektor hat, einen konkurrenzfähigen Bankenkonzern.

Konsolidierung begann 1999

Die Konsolidierung auf dem nordeuropäischen Bankensektor begann 1999, als sich die damalige schwedische Nordbanken mit der finnischen Merita Bank zusammentat. Noch bevor die Tinte unter dem Vertrag getrocknet war, schaute sich die neugebildete Merita Nordbanken bereits nach weiteren Partner um und wurde in Dänemark bei der Unidanmark fündig. Später kam dann noch die norwegische Kreditkassen hinzu, und der mit Abstand größte Finanzkonzern Nordeuropas, nun mit dem eingängigeren Namen Nordea war geboren.

Die Idee einer paneuropäischen Bank reichte den Nordea-Managern aber nicht: Das Unternehmen ist auch in Polen bei LG Petro Bank eingestiegen. Außerdem will Nordea sein Engagement in den baltischen Ländern verstärken. Ein Problem stellen für Nordea die gesunkenen Zinsen dar: Der Finanzkonzern hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als seine nordeuropäischen Konkurrenten unter einem gesunkenen Zinsertrag gelitten. Der Grund: Durch die größere Präsenz in Finnland, dem einzigen Euroland im hohen Norden, ist Nordea stärker von den niedrigen EZB-Zinsen betroffen.

Über die Grenzen Nordeuropas hinaus

Die schwedische SEB streckte ihre Fühler nach einem gescheiterten Fusionsversuch mit dem einheimischen Konkurrenten Föreningssparbanken gleich über die Grenzen Nordeuropas hinaus. Vor drei Jahren übernahm das von der Industriellendynastie Wallenberg kontrollierte Institut die deutsche BfG. Allerdings blieb die deutsche SEB-Tochter bislang hinter den Erwartungen zurück. Das SEB-Engagement in den baltischen Staaten verlief dagegen erfolgreich: Neben Föreningssparbanken dominiert die SEB den kleinen baltischen Bankenmarkt. Auch andere Banken, wie Handelsbanken oder die Danske Bank suchten erfolgreich ihr Glück im benachbarten Ausland.

Trotz der relativen Erfolge nordeuropäischer Banken warnen Analysten, dass die Zeiten, in denen mit den Bankaktien gute Geschäfte gemacht werden konnten, vorüber sind. Das Wachstum auf den heimischen Märkten ist begrenzt, gleichzeitig sind die Institute zu klein, um außerhalb der Region durch Übernahmen richtig Fuß zu fassen. Viele Experten gehen deshalb davon aus, dass einige der größeren Player in Mitteleuropa ein Auge auf Banken im hohen Norden werfen könnten. Zumindest dann, wenn die innernordische Integration der übernommenen Banken erfolgreich abgeschlossen ist.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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