Die Steuerbefreiung für Unternehmensverkäufe wird keinen Boom auslösen
Fusionswelle nicht in Sicht

Bei Fusionen und Übernahmen mit deutsche Beteiligung rechnen die Banker für 2002 mit einer moderaten Erholung. Zu hohe Steuersätze verhindern Milliarden- Investitionen aus den USA.

mm/ke/rob FRANKFURT/M. Die im neuen Jahr anstehende Steuerbefreiung für den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen verbreitet keine Euphorie mehr. Die internationalen Investmentbanken rechnen zwar mit einer Belebung ihres Deutschlandgeschäfts. Doch eine durch die Steuerreform ausgelöste Welle von Fusionen und Übernahmen (M&A) erwartet kaum ein Institut.

Nach Einschätzung von Norbert Reis von Credit Suisse First Boston in Frankfurt wird die Steuerreform erst dann einen Schub für die Entflechtung der Deutschland AG bringen, wenn sich abzeichnet, dass die Bundesregierung die Regelung wieder zurücknehmen will. "Zu einer signifikanten Beschleunigung wird es erst kommen, wenn sich das Zeitfenster für steuerbefreite Beteiligungsverkäufe wieder schließt", meint Reis.

Auch Rolf Michael Gerner von Lehman Brothers rechnet nicht mit einem Boom durch die Reform. Käufe und Verkäufe müssten zunächst einmal strategisch sinnvoll sein, außerdem müsse der Preis stimmen. Aber gerade hier tun sich nach Einschätzung von Thomas Ehren von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG Probleme auf. Häufig lägen die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufer noch weit auseinander. Ehren ist sich nicht sicher, ob der Tiefpunkt im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen bereits erreicht ist. Allerdings sieht er, wie viele seiner Kollegen, gute Chancen für eine Erholung im zweiten Halbjahr 2002.

Im zurückliegenden Jahr ging das Volumen der M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung um rund ein Drittel zurück (siehe Grafik). Damit hielt sich der deutsche Markt aber immer noch besser als der europäische, der um gut die Hälfte einbrach. Für 2002 rechnet die Mehrheit der Banker mit einer moderaten Erholung. Das Niveau der Rekordjahre 1999 und 2000 dürfte in Deutschland allerdings kaum wieder erreicht werden. Die Steuerbefreiung von Beteiligungsverkäufen ist Teil der Mitte 2000 verabschiedeten Unternehmenssteuerreform der Bundesregierung. Einige wichtige Teile wie der reduzierte Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent gelten bereits seit 2001. Andere Regelungen wie die hälftige Besteuerung von Dividendenzahlungen inländischer Kapitalgesellschaften greifen erst ab 2002.

Trotz der Reform geht Deutschland nach Einschätzung der Amerikanischen Handelskammer wegen der noch immer zu hohen Steuersätze jährlich ein Milliardenbetrag an US-Investitionen verloren. "Die hohe Steuerbelastung von über 40 % stellt für ausländische Investoren immer noch einen klaren Standortnachteil im Vergleich zu anderen EU-Staaten dar", betonen Rainer Mück und Bernd Linke von der American Chamber of Commerce.

Gestützt wird ihre Meinung von einer Ende Oktober veröffentlichten Analyse der EU-Kommission. Danach belegt Deutschland in der EU auch nach der Reform hinter Frankreich Platz zwei der Hochsteuerländer. Um im Standortwettbewerb aufzuholen, plädieren Linke und Mück für eine Absenkung des Gesamt-Unternehmenssteuersatzes aus Körperschaft-, Gewerbe- Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag auf 35 %.

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