DIE STIMME AUS DÜSSELDORF
Kommentar: Ein paar Lichtblicke

Der Juni hat bisher gehalten, was von ihm zu erwarten war. Kurz vor Ende des zweiten Quartals sehen viele Unternehmen klarer und kommunizieren so schnell wie möglich Gewinnwarnungen. Analysten und Anleger reagieren prompt. Man schaue nur auf Nokia. Die Abwärtsspirale aus Kursverlusten und Gewinnrevisionen ist nach wie vor intakt. Angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Abschwächung ist es daher kein Wunder, dass es noch immer trübe an den Aktienmärkten aussieht. Der vielfach erwartete Aufschwung aus dem Kurstal ist ausgeblieben. Stattdessen herrscht Ernüchterung. Lichtblicke gibt es nur wenige.

Ein solcher ist Philip Morris. Schaut man auf die 50 Börsenriesen im Titanenindex von Dow Jones, ragt die Aktie des Tabakkonzerns in den letzten 12 Monaten heraus. Die Aktie ist wegen möglicher Milliardenzahlungen an Raucher geprügelt worden, war Anfang 2000 unglaublich billig und wirkt noch immer vergleichsweise attraktiv - wenn man das prognostizierte Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) für 2002 heranzieht. Positiv fallen da auch einige Autoaktien (Ford, General Motors) sowie viele Finanztitel in USA und Europa auf.

Umgekehrt finden sich auf der Liste der teuren Schwergewichte alte Bekannte wieder: Lucent, AT&T, Cisco, Intel, Microsoft, Sony sowie die drei großen Telekoms aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Deren KGVs legen nicht gerade nahe, dass die gebeutelten High-Tech-Riesen zu den Börsenfavoriten des zweiten Halbjahrs zählen könnten.

Dieses Urteil gilt auch für die meisten Aktien im viel beachteten Nasdaq-100-Index. Die Schwergewichte unter den US-Technologieaktien werden immer noch vergleichsweise hoch gehandelt. Anleger sollten die Entwicklung der Gewinnprognosen im Auge behalten. Ob die Analysten die Gewinnerwartungen zu stark gesenkt haben? Die anstehende Ergebnissaison wird darüber Aufschlüsse liefern. Kurssprünge nach oben sollten dennoch begrenzt ausfallen.

Erstaunliches ist für den Neuen Markt festzuhalten. Die jüngste Korrekturbewegung nach unten beschert attraktive Bewertungen. Der größte Teil der über 300 Aktien wird mit KGVs unter 25 gehandelt. Der Ausleseprozess ist voll im Gange, auch die nötige Klarheit der Analysen ist gegeben, wie Kursziele von null (Brokat) belegen. Allerdings zeigen die zum Teil weiten Spannen für die KGVs eine große Unsicherheit. Viele der ehemaligen Wachstumshoffnungen müssen unter den geänderten wirtschaftlichen Bedingungen eine neue Bewertung erfahren. Da kann sich nicht nur mancher Analyst kräftig verkalkulieren, auch das Unternehmen selbst ist vor Irrtümern keinesfalls sicher. Vorsicht ist also weiterhin angebracht.

Thomas Schmitt ist stellvertretender Ressortleiter der Finanzzeitung des Handelsblatts mit Sitz in Düsseldorf.

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