DIE STIMME AUS DÜSSELDORF
Kommentar: Nüchterne Börse

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ie Aktienkurse finden auch nach der deutlichen Zinssenkung nicht den Weg nach oben. Kräftige Wochengewinne schmelzen ebenso schnell wieder dahin. Die Chance, dass sich an der Berg-und- Talfahrt in nächster Zeit etwas ändert, ist nach dem jüngsten Treffen der US-Notenbank (Fed) gering. Denn wie schon vor der Sitzung schwankt die Stimmung zwischen der Angst vor einer Rezession und der Hoffnung auf weitere Zinsschritte zur Belebung der Konjunktur.

An den Technologiebörsen spielen die Akteure seit Wochen die Karte einer "harten Landung" der US-Wirtschaft. Die meisten Anleger verlassen sich nicht auf die Prognosen der Volkswirte, wonach einer kleinen Delle im ersten Halbjahr rasch der Aufschwung folgt. Immerhin gelang es der Fed weder 1981 noch 1989/90, mit raschen Zinssenkungen eine Rezession zu verhindern.

An der häufig als unberechenbar geltenden Börse geht es viel nüchterner und vorsichtiger zu. Die Aktionäre warten ab, ob sich Zeichen für das Erreichen der Talsohle erkennen lassen. Bislang ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: Das zurückgehende Wirtschaftswachstum und die ins Minus drehenden Stimmungsindikatoren legen den Schluss nahe, dass den Amerikanern eine längere Durststrecke droht.

Das heißt aber nicht, dass an den Börsen die schwersten Einbrüche noch bevorstehen. Denn die Märkte handeln zukunftsgerichtet. Sie haben bereits vor Monaten begonnen, eine mögliche Rezession einzupreisen. Seit Beginn der Zinssenkungsrunde am 3. Januar ist die Talfahrt bei den Wachstumswerten gestoppt. Bisherige Tiefstände an der Nasdaq und am Neuen Markt wurden auch nach noch schlechteren Wirtschafts- und Unternehmensdaten nicht mehr unterschritten.

Eine neue Euphorie macht sich aber auch nicht breit. Denn die Börse honoriert zwar das entschlossene Eingreifen der Notenbanker, rechnet aber nicht mit einer raschen Wirkung. Dementsprechend ist bei High-Tech-Werten die nachhaltige Trendumkehr noch nicht geschafft.

Erfahrungsgemäß dauert es Monate, bis sich nach dramatischen Einbrüchen wie wir sie bei Wachstumswerten seit März vergangenen Jahres erleben, ein tragfähiger Boden ausbildet. In den nächsten Wochen werden die Tiefstände noch mehrmals auf ihren tragfähigen Bestand getestet werden - immer dann, wenn die Rezessionsängste gegenüber den Zins- und Aufschwungshoffnungen die Oberhand gewinnen. Wenn es nach kräftigen Kursgewinnen wie im Januar genauso heftig wieder bergab geht, wird der Anleger auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Womöglich kippt aber die Stimmung so sehr ins Negative, dass die Voraussetzungen für einen breit angelegten Börsenaufschwung da sind. Denn die Aktienkurse zukunftsträchtiger Unternehmen steigen, bevor die Wirtschaftsdaten nach oben drehen.

Dr. Ulf Sommer ist Redakteur im Finanzressort der Düsseldorfer Zentralredaktion mit Schwerpunkt Aktien.

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