Die Stimme aus Frankfurt
Heilsame Wirkung

Die lange erwartete Aufwertung der chinesischen Währung fiel mit 2,1 Prozent zwar enttäuschend gering aus. Denn es ist allgemeiner Konsensus, dass die Unterbewertung des Renminbi eine weitaus größere Dimension hat.

Hier wird eine Spanne von 15 bis 40 Prozent genannt. Das daraus abzuleitende Aufwertungspotenzial wird in den nächsten Jahren einen wesentlichen Beitrag zum Abbau der Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft leisten.

Europa und insbesondere Deutschland dürften längerfristig aus mehreren Gründen auf der Gewinnerseite dieser Anpassungen stehen. Erstens wird mit fortschreitender Aufwertung des Renminbi und der anderen asiatischen Währungen im Gefolge der gesamte asiatische Export erschwert, was den Margendruck auf den Exportmärkten allmählich verringert.

Das Risiko eines Wachstumseinbruchs in China als Folge stark nachlassender Exporte ist als gering anzusehen, da die chinesische Regierung eine Politik gradueller Aufwertungen verfolgen wird. Durch die Aufwertung steigt außerdem die Kaufkraft in China, was das Importwachstum stimuliert.

Zweitens hat China mit der flexibleren Wechselkurspolitik US-Sanktionen vermieden, die im Herbst vom US-Senat gegen die Exportflut verhängt werden sollten. Protektionistische Maßnahmen können sehr schnell das weltwirtschaftliche Klima vergiften und den Welthandel stören, worunter Deutschland als Exportnation besonders gelitten hätte.

Der für die Euro-Zone positive Wechselkurseffekt könnte jedoch durch die Kapitalströme kompensiert werden. Die Bindung an einen Währungskorb, dessen Zusammensetzung geheim bleibt, in dem jedoch der Euro mit einem nennenswerten Anteil vertreten sein dürfte, wird zu mehr Nachfrage nach Euro und Euro-Anleihen führen, wenn China seine Währungsreserven entsprechend den Korbgewichten strukturiert. Dementsprechend würde China weniger US-Papiere kaufen. Das Renditeniveau in der Euro-Zone wäre dann durch die chinesischen Anleihenkäufe niedriger als unter normalen Umständen, was die Inlandsnachfrage in der Euro-Zone stützt. Die Risiken in diesem Szenario sind höhere US-Renditen und eine starke Abwertung des US-Dollars.

Gerhard Grebe ist Chefstratege der Bank Julius Bär (Deutschland) AG.

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