Die Stimme aus Frankfurt
Kommentar: Keine Euro-Euphorie

Mit Beginn des nächsten Jahres geht der Euro endlich "live". Mit der Ausgabe der Banknoten und Münzen werden in vielerlei Hinsicht neue Hoffnungen geknüpft. Es werden aber auch Befürchtungen laut, insbesondere was die Preisanpassungen nach dem Übergang der nationalen Währungen auf die Euro- Währung betrifft. Diese Befürchtungen dürften sich als grundlos erweisen.

Wenn die Umstellung auf den Euro für Preiserhöhungen genutzt worden ist, dann geschah dies in diesem Jahr. Die Kosten der Währungsumstellung sind bereits vorab teilweise an die Verbraucher weitergegeben worden. Diese Preiserhöhungen erklären den Anstieg der Kerninflationsrate in der zweiten Jahreshälfte. 2002 dürfte der Preisauftrieb wieder nachlassen. Einerseits steht der Handel unter verstärkter Beobachtung der Verbraucherschützer und hat daher keinen Spielraum für Preiserhöhungen. Es dürfte sogar eher zu Preissenkungen kommen, da der Handel keine schlechte Presse riskieren wird. Des Weiteren erhöht sich die Preistransparenz in der Euro-Zone, so dass längerfristig mit einer Angleichung der Preise, und zwar auf das tiefere Niveau, zu rechnen ist. Andererseits wird die Konjunktur zu Jahresbeginn schwach bleiben, so dass kein Spielraum für die Unternehmen besteht, die Kosten der Umstellung weiterzugeben.

So wenig berechtigt die Inflationsbefürchtungen sind, so dürften auch die Hoffnungen auf eine neue Aufbruchstimmung in Europa mit der Ausgabe des Bargeldes enttäuscht werden. Natürlich wird der Euro längerfristig das Zusammengehörigkeitsgefühl in Europa stärken. Die Hauptimpulse für eine verstärkte Integration müssen jedoch von der Politik ausgehen. Das Euro-Bargeld hat aber auf der letzten europäischen Gipfelkonferenz noch keinen Sinneswandel bei den Politikern ausgelöst. Nach wie vor verharren sie in nationaler Eigenbrötelei.

Seit dem Start der Währungsunion hat der Euro 23 % an Wert verloren. Darüber hinaus muss auch die Europäische Zentralbank als Hüterin dieser Währung eine bessere Geldpolitik betreiben. In dem Außenwert einer Währung reflektiert sich auch die Glaubwürdigkeit der Zentralbank. Hierzu gehören eine klare Kommunikationspolitik und konsistente geldpolitische Indikatoren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%