Die Stimme aus New York
Kommentar: Optimismus ist gestattet

Es war ein hartes Jahr für die amerikanische Wirtschaft. Die USA erlitten ihre erste Rezession seit zehn Jahren. Doch es gibt gute Gründe, optimistisch ins Jahr 2002 zu gehen.

Zum einen haben sich die Dinge nach den Anschlägen vom 11. September günstiger entwickelt, als noch vor einigen Monaten erwartet. Der Einsatz in Afghanistan ist erfolgreich verlaufen. Zudem gab es trotz verbreiteter Furcht keine weiteren Anschläge in den USA, sieht man von den Infektionen mit Milzbrand ab.

Zweitens ist der Anpassungsprozess in der amerikanischen Wirtschaft inzwischen weit vorangeschritten. So erreichte etwa der Rückgang bei den Investitionen in Technologie schon im Sommer seinen Höhepunkt. Daneben werden derzeit massiv Lagerbestände abgebaut.

Drittens haben Notenbank und Politik entschieden gehandelt, um die amerikanische Wirtschaft zu stützen. Die Fed in Washington hat ihren Zielsatz für Tagesgeld seit Jahresbeginn um 4,75 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent gesenkt. In der Haushaltspolitik wurde ein expansiver Kurs eingeschlagen, der Kongress bereitet ein weiteres Konjunkturprogramm vor.

Viertens präsentieren sich die Finanzmärkte wieder in besserer Verfassung. Seit dem Tief im September sind die Aktienkurse etwa um 20 Prozent gestiegen. Die Renditedifferenzen zwischen Anleihen von unterschiedlicher Bonität haben sich verringert.

Fünftens sind die Energiepreise stark gesunken. Dies hat die realen Einkommen der Verbraucher steigen lassen und den Konsum angekurbelt.

Schließlich sind die Verbraucher wieder zuversichtlicher. Präsident Bush ist sehr populär, die Nation politisch geeint.

Was also bringt 2002? Sehr wahrscheinlich eine konjunkturelle Erholung. Es gibt inzwischen zu viele Kräfte, die der Wirtschaft Auftrieb verleihen, als dass sich die Talfahrt fortsetzen könnte.

Aber: Diese Erholung dürfte nicht sehr dynamisch ausfallen. Die Wirtschaftstätigkeit in der gesamten Welt ist schwach. Die zinsempfindlichen Sektoren, die gewöhnlich im Frühstadium eines Konjunkturaufschwungs besondere Schubkraft erzeugen, arbeiten schon jetzt auf hohem Niveau. Zudem ist die Bereinigung der finanziellen Ungleichgewichte, die der zurückliegende Investment-Boom produzierte, noch nicht vollendet.

Dabei wäre eine nur moderate Konjunkturerholung gar nicht einmal schlecht. Sie würde die Zeit verschaffen, die erforderlich ist, um die erwähnten Ungleichgewichte völlig zu beseitigen und eine solide Grundlage für einen dauerhaften Aufschwungs bilden. Vielleicht dürfen wir ja bald von einem neuen zehnjährigen Wachstumsperiode träumen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%