DIE STIMME AUS PARIS
Kommentar: Keine Euro-Stützung!

Mit ihren Stützungskäufen möchte die EZB den Euro an ein für ihre Begriffe angemessenes Niveau heranführen. Die Strategie ist nicht ungefährlich.

PARIS.Seit Sommer 2000 greift die Europäische Zentralbank (EZB) immer wieder in den Devisenmarkt ein. Mit ihren Stützungskäufen möchte sie den Euro an ein für ihre Begriffe angemessenes Niveau heranführen. Kurzfristig hat sie durchaus Erfolg: Euro-Käufe und Dollar-Verkäufe treiben den Euro-Kurs in die Höhe. Die Strategie ist allerdings nicht ungefährlich.

Devisenmarktinterventionen haben dann ihren Sinn, wenn die Währungsschwäche auf kurzfristige Spekulationsgeschäfte zurückzuführen ist. Sobald die Marktteilnehmer eine Intervention der Zentralbank antizipieren, schließen sie ein weiteres Absacken der Währung aus. Sie verzichten auf ihr Spekulationsgeschäft und tragen gleichzeitig zu einem Ende der Talfahrt bei. Um Spekulationen zu verhindern, reicht es gewöhnlich sogar aus, mit Devisenmarktinterventionen zu drohen.

Ist die Euro-Schwäche dagegen auf einen langfristigen Abfluss von Kapital zurückzuführen, das heißt zum Beispiel auf Investitionen in Unternehmen außerhalb der Euro-Zone, die unabhängig von Währungskursantizipationen getätigt werden, genügt die bloße Ankündigung von Devisenmarktinterventionen nicht. Die Zentralbank muss in diesem Fall tatsächlich eingreifen und ihre Interventionen über einen längeren Zeitraum fortsetzen.

Interventionen am Devisenmarkt beeinflussen nur dann den Wechselkurs positiv, wenn die Zentralbank - in diesem Fall die EZB - nicht gleichzeitig versucht, Geldmenge und Zinsen vor Änderungen zu schützen, indem sie dem Markt die Liquidität wieder zufügt (zum Beispiel durch den Kauf von Euro-Anleihen und den Verkauf von Dollar-Anleihen), die sie ihm vorher entzogen hat.

Devisenmarktinterventionen, die nicht zu einer Änderung der Geldmenge und des Zinsniveaus führen, verändern den Wechselkurs nur wenig, da er in diesem Fall allein von der Bereitschaft des Privatsektors beeinflusst wird, seine Portfolios zu Gunsten von Dollar-Anlagen (Assets) und zu Ungunsten von Euro-Assets umzuschichten. Die EZB wäre also gut beraten, wenn sie Zinsanstiege als Folge von Devisenmarktinterventionen zuließe. Ihre Interventionen wären von einer Verschärfung der Geldpolitik dann allerdings kaum noch zu unterscheiden.

Ein weiteres Problem ist die Schwankung des Euro-Kurses. Sie wurde durch die rasche Aufeinanderfolge von Devisenmarktinterventionen deutlich in die Höhe getrieben. Diese Volatilität verunsichert nicht-europäische Anleger. Viele Marktteilnehmer könnten sich gezwungen sehen, ihre Euro-Assets zu verkaufen, was erneut zu einer Abschwächung des Euros beitrüge. Von Devisenmarktinterventionen kann man zur Zeit nur abraten.

Patrick Artus ist Chefvolkswirt von CDC Marchés und der Groupe Caisse des Dépôts et Consignations mit Sitz in Paris.

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