Die Stimme aus Paris
Scheinbare Souveränität

Für die Ratingagenturen sind die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone als souveräne Staaten erstklassige Schuldner. Aber sind sie das wirklich?

In der Theorie geht man davon aus, dass staatliche Emittenten ihre Schulden immer bedienen können, da sie ihre Finanzen entweder durch Inflation, durch höhere Steuern oder durch Abwertung der heimischen Währung sanieren können.

Doch in der Praxis hat kein Staat der Euro-Zone mehr Kontrolle über die Inflation. Die Geldschöpfung ist Sache der Europäischen Zentralbank (EZB), und die monetäre Abwertung öffentlicher Schulden wäre mit deren Ziel der Preisstabilität unvereinbar. Die EZB würde auch nie eine Abwertung des Euros zur Senkung des Außenwerts der öffentlichen Schulden zulassen. Aufgrund des Steuerwettbewerbs mit den mitteleuropäischen Staaten sind auch Steuererhöhungen als Instrument zur Haushaltssanierung nur begrenzt möglich.

Die Märkte scheinen das noch nicht gemerkt zu haben, trotz der zum Teil unterschiedlichen Ratings. Die Differenzen zwischen den langfristigen Zinsen der Euro-Länder spiegeln die unterschiedliche Haushaltslage der Staaten nicht wider. Die langfristigen Zinsen mancher Euro-Länder sind sogar niedriger als die der wirklich souveränen staatlichen Emittenten USA, Großbritannien und Schweden. Wenn die Finanzmärkte erst einmal erkannt haben, welcher Art die hohe Verschuldung in der Euro-Zone wirklich ist, könnten die Zinsen für langfristige Anleihen sprunghaft ansteigen. Das gilt besonders für Staatsanleihen von Ländern wie Italien, Frankreich und Deutschland.

Der Autor: Patrick Artus, Chefvolkswirt Research IXIS CIB

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