"Die Stimmung ist weiter schrecklich"
Verkaufswelle überrollt die Wall Street

Trübe Unternehmensprognosen und schwache Quartalszahlen haben die US-Aktienmärkte am Freitag unter Druck gesetzt. Im Geschäftsverlauf lösten nach Händlerangaben zudem Nachrichten von einem Urteil gegen Philip Morris eine weitere Verkaufswelle aus. Der Konzern soll danach eine Strafe von 28 Mrd. Dollar zahlen. Die Arbeitsmarktdaten hätten nur zu Handelsbeginn für positive Impulse gesorgt, sagten Händler.

Reuters NEW YORK. Der Standardwerte-Index Dow Jones notierte zum Handelsschluss mit 7 528,81 Punkten 2,44 % schwächer. Dies war der niedrigste Schlussstand seit November 1987. Der technologielastige Nasdaq Composite verlor 2,16 % auf 1 140,15 Zähler und lag damit auf dem niedrigsten Schlussniveau seit September 1986. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel um 2,24 % auf 800,62 Zähler.

"Die Stimmung ist ziemlich schlecht, und man weiß, dass noch viel Arbeit zu leisten ist", sagte David Memmott, Leiter Aktienhandel bei Morgan Stanley. Händler sagten, es gebe weiter Unsicherheit über die Entwicklung der Unternehmensgewinne und die Situation im Irak. "Es ist schwierig, in diesem Umfeld Aktien zu finden, die man kaufen will", fügte Dan McMahon, Leiter Aktienhandel bei CIBC World Markets hinzu.

Die Aktien von Philip Morris gaben rund 7,4 % auf 36,59 Dollar nach. Ein Geschworenengericht in Los Angeles hatte den Konzern zur bislang offenbar höchsten Strafe in einem Tabak-Prozess in den USA verurteilt. Danach soll das Unternehmen eine Strafe im Gesamtbetrag von 28 Mrd. Dollar an eine 64-jährige Frau zahlen, die an Lungenkrebs leidet.

Die Titel des Pharmakonzerns Schering-Plough fielen um rund 1,9 % auf 17,30 Dollar. Das Pharmaunternehmen hatte mit Verweis auf ein auslaufendes Patent seine Gewinnprognosen bis 2004 deutlich gesenkt und damit international die Werte der Branche unter Druck gesetzt. Die Aktien des Datenspeicherkonzerns EMC brachen rund 24 % auf 3,83 Dollar ein und belasteten damit auch andere Werte der Branche. Das Unternehmen wies für das dritte Quartal nach vorläufigen Berechnungen einen höheren Verlust als erwartet aus und kündigte einen Stellenabbau an.

Zudem berichtete der weltgrößte Aluminiumproduzent Alcoa wegen starken Preisdrucks von einem Einbruch des Netto-Gewinns im dritten Quartal auf 193 Mill. von 339 Mill. Dollar im Jahr zuvor. Die Aktien des Dow-Werts sackten um rund fünf Prozent auf 19,11 Dollar ab.

Händler und Analysten sagten, die Arbeitsmarktdaten hätten die Marktteilnehmer offenbar verwirrt. Die Arbeitslosenquote sank dem US-Arbeitsministerium zufolge im September im Vergleich zum Vormonat auf 5,6 von 5,7 %. Analysten hatten mit einem Anstieg auf 5,9 % gerechnet. Zugleich baute die US-Wirtschaft im September jedoch überraschend 43 000 Arbeitsplätze ab. "Oberflächlich betrachtet, waren die Zahlen besser als erwartet, aber viele Leute waren von der Arbeitslosenquote verwirrt und treffen sich jetzt wahrscheinlich mit ihren Volkswirten, um herauszufinden, was passiert ist", sagte Bill Strazzullo, Marktstratege bei State Street Global Markets.

An der New Yorker Börse wechselten rund 1,81 Mrd. Aktien den Besitzer. 822 Werte legten zu, 2414 gaben nach, 152 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund 1,56 Mrd. Aktien 981 im Plus, 2318 im Minus und elf unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die richtungweisenden zehnjährigen Staatsanleihen mit 105-25/32 Punkten um 4/32. Sie rentierten auf diesem Niveau mit 3,67 %. Die 30-jährigen Bonds legte 6/32 auf 110-06/32 Zähler ab, wobei sich eine Rendite von 4,72 % ergab.

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