Die Strategie im Detail
Fonds-Typen: Rentenfonds für Steuerfüchse

Rentenfonds als steuergünstige Alternative zu Aktienfonds: In diesem Artikel erfahren Sie wie es geht und was zu beachten ist.

HANDELSBLATT. Aktienfonds sind, langfristig gesehen, auch unter steuerlichen Gesichtspunkten eine prima Sache. Sie werfen satte Gewinne ab, wenn die Börse gut läuft, und sie sind zum größten Teil steuerfrei, häufig zu 80, 90 oder noch mehr Prozent. Der Grund: Der größte Teil der Fondserträge stammt aus steuerfreien Kursgewinnen.

Im vergangenen Jahr sah es freilich ganz anders aus. Viele Fonds machten Verluste - aber Steuern waren trotzdem zu bezahlen. Denn die Dividenden der Gesellschaften sind steuerpflichtig, egal, ob es nun Kursgewinne oder-verluste gab. Der BVI Bundesverband Deutscher Investment e.V. -Gesellschaften hat seine Steuerbroschüre veröffentlicht, aus der das ganze Ausmaß dieser Misere hervorgeht, die freilich auch direkte Aktienanleger trifft. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: Der Fonds Metzler Wachstum International weist seit Jahren steuerliche Verluste aus, weil er Aktien mit sehr geringen Dividenden kauft - das Minuszeichen entsteht durch die Kosten des Fonds.

Offen bleibt die Frage, wie viele Anleger die Gewinne tatsächlich versteuert haben, zumal manche Fondsgesellschaften sie sehr unübersichtlich ausweisen. Steuerpflichtig sind zudem nur Kapitalerträge, die den Freibetrag einschließlich Werbungskostenpauschale überschreiten: 3100 Mark für Singles, 6200 Mark für gemeinsam veranlagte Ehepaare.

Noch ist das Börsenjahr 2001 nicht abgelaufen. Ob ein ähnlich negativer Effekt auftritt, ist daher noch nicht abzuschätzen. Eines ist allerdings gewiss: Durch das Halbeinkünfteverfahren wird die Last der Dividendenbesteuerung gemildert.

Viele Anleger suchen nach Alternativen, die ebenfalls steuergünstig sind und mehr Sicherheit als Aktienfonds bieten. Eine Möglichkeit bieten so genannte steueroptimierte Rentenfonds. Bei ihnen ist meist auch ein sehr großer Teil der Erträge steuerfrei. Die Renditen sind nicht immer umwerfend, aber nach dem Kursdebakel an den Börsen ist man ja bescheidener geworden. Manche dieser Fonds sind für eine bestimmte Laufzeit aufgelegt worden (erkennbar an Namenszusätzen wie "10/3"), daher ist der Einstieg nicht jederzeit möglich oder sinnvoll.

"Die Zahl der Anfragen nach diesem speziellen Produkt hat sich seit einem halben Jahr etwa verdoppelt", sagt Werner Hermann aus dem Vertrieb des Maintrust. Rund 50 Anfragen bekommt die Gesellschaft im Monat. Ihr Fonds MAT Medio Rent hat knapp 46 Millionen Euro Volumen. Der Activest Lux Bond 10/3 weist als Volumen 136 Millionen Euro aus. Diese Zahlen zeigen: Obwohl die Börsenflaute den Blick auf Alternativen zur Aktie lenkt, bilden die steueroptimierten Rentenfonds nach wie vor eine Nische.

Diese speziellen Fonds gibt es seit vielen Jahren. Sie werden von manchen Gesellschaften nicht allzu offensiv angeboten, vielleicht auch, damit kein Finanzamt auf die Idee kommt, diese Produkte kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die Tricks, mit denen gearbeitet wird, sind seit Jahren unverändert. So werden zum Beispiel Anleihen mit niedrigem Zinskupon und entsprechend niedrigem Kurs gekauft. Diese Strategie können Privatanleger auch ohne Fonds nachmachen, wenn sie selbst geeignete Papiere herausfinden.

Und so funktioniert die Strategie der Fonds im Detail: Um eine Rentenanlage steuergünstig zu gestalten, müssen Zinsen künstlich in Kursgewinne verwandelt werden. Der einfachste Trick: Es werden vorzugsweise Anleihen mit niedrigem Zinskupon gekauft. Diese Anleihen notieren regelmäßig mit Kursen unter 100 Prozent, weil der niedrige Kupon (die Nominalverzinsung) und der niedrige Kurs zusammen wieder die aktuell gerade übliche Rendite ergeben. Bei solchen Anleihen ist ein steuerfreier Kursgewinn sicher: Gegen Ende der Laufzeit steigen sie auf den Einlösungskurs von 100 Prozent.

Ein zweiter Trick funktioniert mit Devisen-Swap. Wegen der niedrigen Zinsen bietet sich der Yen an. Beim Swap wird eine Summe Euro gegen Yen getauscht und zu einem vorher festgelegten Zeitraum, zum Beispiel nach sechs Monaten, wieder zurückgetauscht. Auch die Kurse für das Hin- und Zurücktauschen werden vorher fixiert, so dass kein Wechselkursrisiko entsteht. Weil die Yen-Zinsen niedriger sind als Euro-Zinsen, wird die entsprechende Renditedifferenz am Markt durch die Kurse ausgeglichen. Kurz gesagt: Der Yen wird teurer zurück- als hingetauscht. Der dadurch entstehende Gewinn ist steuerfrei.

Rentenfonds ohne diese Tricks sind steuerlich nicht so günstig, weil Zinsen voll der Steuer unterliegen. Eine weitere Möglichkeit, Steuern zu sparen, bieten aber offene Immobilienfonds. Bei ihnen ist häufig rund die Hälfte der Erträge steuerfrei, manchmal auch noch mehr. Hierbei spielen meist solche Erträge eine Rolle, die im Ausland - oft recht günstig - versteuert und im Inland dann nach einem Doppelbesteuerungsabkommen mit dem entsprechenden Land frei sind.

Wer langfristig denkt, sollte auf Aktienfonds freilich nicht verzichten - trotz der zurzeit unerfreulichen Situation am Aktienmarkt. Denn es kommen auch wieder bessere Jahre.

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