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Die Stunde der FDP

Wie nach jeder Landtagswahl hebt auch nach der Abstimmung in Sachsen-Anhalt wieder die alt bekannte Diskussion an: Testwahl ja oder nein? Wie üblich beeilen sich die Sieger, den Urnengang in der Provinz als Vorentscheidung für die Bundestagswahl darzustellen und die Verlierer, ihre Niederlage als bundespolitisch völlig bedeutungslos herunterzuspielen. Am Ende haben beide ein bisschen Recht: Der Sieger CDU spürt Rückenwind für den Unions-Kanzlerkandidaten Stoiber, der Verlierer SPD weist auf niedrige Wahlbeteiligung und regionale Probleme hin.

Doch im Windschatten der beiden Großen festigt sich ein Trend, der möglicherweise entscheidend dafür sein wird, ob die Bundestagswahl im September einen Machtwechsel bringt oder nicht: Das Wiedererstarken der FDP. Die Liberalen zählen einmal mehr zu den Gewinnern und schicken sich an, das anfangs belächelte "Projekt 18 Prozent" ihres Führungsmitglieds Möllemann Realität werden zu lassen.

Was genau macht eigentlich den Erfolg der FDP aus? Sie wird offenbar von den Wählern als Alternative gesehen, die von Schröder enttäuscht sind, sich aber mit Stoiber nicht anfreunden können. Außerdem verfängt die Strategie des FDP-Chefs Westerwelle, sich als jüngere und spaßigere Alternative zu den großen Volksparteien darzustellen. Die liberale Programmatik, die dem schwächelnden Wirtschaftsstandort Deutschland durchaus gut tun würde, macht vermutlich nur den geringeren Teil des Erfolgs aus. Wie auch immer, mit der FDP ist auf jeden Fall wieder zu rechnen.

Es spricht viel dafür, dass die FDP nach der Bundestagswahl wieder den komfortablen Job des Mehrheitsbeschaffers einnehmen können wird, den sie über Jahrzehnte innehatte. Und nach den momentanen Umfrageergebnissen wird es nicht Schröder sein, dem sie die Mehrheit sichert. Die sozialliberale Option ist nur so lange interessant, so lange Union und SPD in etwa auf einem Niveau abschneiden. Wird die SPD zu schwach, ist Schröders Traum ausgeträumt, FDP und Grüne gegeneinander ausspielen zu können.

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