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Die Suche nach der Killer-Applikation

Mit der "Killer-Applikation" ist das wie mit dem Gold - alle suchen sie, doch niemand weiß so recht, wo sie zu finden ist. Im Mobilfunk wäre eine Killer-Applikation ein Dienst, der so gut bei den Kunden ankommt, dass er den Unternehmen die Milliarden-Investitionen in die UMTS-Lizenzen wieder in die leeren Kassen spült.

ddp HANNOVER. SMS, der Kurznachrichten-Dienst im heutigen GSM-Netz, ist zum Beispiel so eine Anwendung. Anfangs wollten die Mobilfunk-Unternehmen den Dienst gar nicht haben, deshalb gab es die Kommunikation in 160 Zeichen bei einigen Anbietern zunächst auch umsonst. Inzwischen kostet eine Kurznachricht 39 Pfennig, innerhalb der Netze teilweise ein bisschen weniger, und weil die Deutschen milliardenfach umständlich Kurztexte in ihre Handys tippen und diese versenden, haben die Mobilfunk-Anbieter genau dort Gold gefunden, wo sie gar nicht gesucht hatten.

Die eine Killer-Applikation werde es nicht geben, sagen viele. Uwe Bergheim, Vorsitzender der Geschäftsführung bei E-Plus in Düsseldorf, meint, es werde eine Vielzahl von Anwendungen geben. Dabei komme es darauf an, dass jedem Kunden das geboten wird, was er möchte. Im Klartext heißt das, der eine erledigt seine Bankgeschäfte per Handy oder Handheld-Computer, fragt seine Börsenkurse ab und hält sein Online-Depot auf dem Laufenden, während der andere sich kleine Spiele aus dem Netz lädt, sein Handy ständig mit neuen Klingeltönen versorgt und sich die Trailer der neuesten Kinofilme ansieht.

E-Plus startet zur Cebit deshalb ein neues Online-Portal, auf das sowohl per Handy als auch mit dem PC zugegriffen werden kann. Angebote, die den Mobilfunk an das Internet ankoppeln wollen, gibt es auf der Cebit haufenweise. Bei Space2go kann der Nutzer seine E-Mails und Termine mit gängigen E-Mail-Programmen wie Microsoft Outlook und Lotus Notes synchronisieren und diese auch über das Handy abfragen. Ähnliche Dienste bieten Daybyday und Web.de . Bei Yamba gibt es einen ganzen Strauß mobiler Dienste von Klingeltönen über Logos für Handy-Displays bis zur WAP-E-Mail. Diese Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Doch die Killer-Applikationen scheinen noch nicht in Sicht. Auch wenn die meisten der aktuellen Handys WAP unterstützen und damit tauglich sind für das mobile Internet, nutzen nur sehr wenige den Dienst. Für die neue Übertragungstechnik GPRS (General Packet Radio Service) gibt es bisher weder ausreichend Geräte noch die richtigen Dienste. Und im kommenden Jahr soll dann auch schon UMTS kommen.

Das alles wäre nicht so schlimm, denn bisher sind wir auch ohne diese Dienste ausgekommen. Doch die Zeit, so hat es den Anschein, drängt bei den Mobilfunkgesellschaften. D2 Vodafone hat wenige Tage vor der Cebit angekündigt, die Subventionen auf Mobiltelefone zu senken, die Handys also nicht mehr umsonst unter die Neukunden zu werfen. E-Plus und T-D1 haben ähnliche Schritte angekündigt. Der Markt sei nahezu aufgeteilt und von denjenigen, die erst jetzt in den Mobilfunk einsteigen, erwarte man sich keine hohen Umsätze, sagt etwa T-Mobil Geschäftsführer René Obermann.

Klar ist bereits, dass es die mobile Multimedia-Welt nicht umsonst geben wird. E-Plus-Chef Bergheim will gar «eine ganze Generation von Nutzern dazu erziehen, dass sie für gute Dienste auch zahlen müssen». Dabei ist Bergheim sich bewusst, dass es schwer werden wird, die neuen Abrechnungsmodelle, bei denen nicht mehr die Online-Zeit sondern die tatsächlich übertragenen Daten bezahlt werden, den Kunden näher zu bringen. E-Plus will deshalb wie die anderen Mobilfunk-Gesellschaften auch verstärkt in die Aufklärung der eigenen Nutzer investieren. Ob die allerdings in Zukunft für Dienste zahlen, die es bisher abgesehen von den Online-Gebühren umsonst gab, bleibt fraglich.

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