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Die Suppe versalzen

War was? Nö, nix war. Obwohl doch, halt, Moment. Natürlich, das Tauziehen um Honeywell geht weiter. General Electric - GE - ist scharf auf den Mischkonzern wie Popeye auf Spinat. Dabei ist GE doch auch so schon das größte Unternehmen der USA. Wenn das mal keine Magenbeschwerden gibt. So einfach ist Honeywell nicht zu schlucken. Und die EU ist nicht bereit den Tisch zu decken, sondern stellt Forderung, die GE nicht erfüllen möchte. "Die spinnen doch wohl, die Europäer", mag sich Konzernchef Jack Welch gedacht haben, als die Wettbewerbshüter anfingen, Vorschriften zu machen.

Nun soll Honeywell ausgerechnet die Unternehmensteile verkaufen, die besonders attraktiv sind: Raum- und Luftfahrt. Das ist es, was man haben möchte. Europa habe Angst vor der Größe. Amerika wolle dagegen den Wettbewerb fördern, ist in den US-Medien zu hören. Und wenn der Deal nun platzt? Dann geht für GE das Leben weiter, sagt Michael Sauerborn, Aktienexperte beim New Yorker Investmenthaus Merrill Lynch. Klar geht das Leben weiter, aber ohne Jack Welch bei GE. Der wird nämlich den Posten des Küchenchefs abgeben und einen neuen Chef de la Cuisine die Geschmacksrichtung bestimmen lassen. Dabei sollte doch die Übernahme der krönende Abschluss einer glanzvollen Karriere sein. Die Honeywell-Aktie fällt wieder kräftig.

Ach ja, und dann gab es ja noch Gewinnwarnungen. Wenn man es ganz genau nimmt, sogar jede Menge. Kann das noch einen Anleger erschrecken? Da gibt es keine klare Antwort. An einem Tag hadern die Investoren, am folgenden Tag macht es ihnen nichts aus. Die Investoren sind launisch in dieser Zeit. "Wie wir auch in dieser Woche wieder gesehen haben, was natürlich im Vordergrund steht, sind Gewinne, Gewinne, Gewinne", sagt Michael Sauerborn. Doch soviel scheint bei manchem Unternehmen gar nicht mehr übrig zu bleiben von den Gewinnen. Dabei freut sich jeder Aktionär über: Gewinne, Gewinne, Gewinne.

In die Verlustzone rutschen viele Unternehmen, speziell Technologie- und Telekommunikationswerte sind weiterhin absturzgefährdet - und es ist keine Besserung in Sicht: "Ganz im Gegenteil, es findet weiterhin eine Gewinnverschlechterung statt, und ausschließen kann man sicherlich nicht, dass die alten Tiefstände noch mal getestet werden. Erst recht, weil inzwischen die Fundamentaldaten schlechter geworden sind", erklärt Sauerborn.

Dann gab es in dieser Woche noch die langersehnten Quartalszahlen von Oracle. Und das Softwarehaus erwirtschaftet noch "Gewinne, Gewinne, Gewinne."

Und nicht zu vergessen: kommende Woche tagt die US-Notenbank. Auch die macht Gewinne - das spielt jedoch keine Rolle auf dem Parkett. Wichtig ist für die Börsianer nur, dass die Zinsen abermals gesenkt werden. Am Arbeitsmarkt wird es kritischer, die Industrieproduktion ist so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr, eine mögliche Inflation nicht in Sicht. Gute Gründe daher, dass Fed-Chef Alan Greenspan abermals zur Tat schreitet. Dann sprudeln vielleicht auch bald wieder kräftiger die: "Gewinne, Gewinne, Gewinne."

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