"Die Tage hoher Gewinnmargen in Deutschland sind vorbei"
Telekomfirmen drohen weitere Abstufungen

Europas Telekombranche steht vor großen Unsicherheiten. Die US-Ratingagentur S & P rechnet in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Verschlechterung der Ratings. Bereits in den nächsten Wochen könnte dies Firmen mit hohem Risikoprofil betreffen. Dem deutschen Markt werden große Umwälzungen vorausgesagt.

stk LONDON. Die europäische Telekommunikationsbranche steht womöglich vor weiteren Herabstufungen durch US-Ratingagenturen. "Wir achten besonders auf Unternehmen mit hohem Risikoprofil. Hier sind in den kommenden drei Wochen neue Rückstufungen möglich," kündigte Standard & Poor?s-Direktor Duncan Warwick-Champion in London an. Er sagte für die kommenden Jahren eine generelle deutliche Verschlechterung der Ratings, also der Bewertung der Kreditwürdigkeit, der Telekom-Unternehmen voraus. Besondere Umwälzungen kündigte sein Kollege Peter Kernan für den deutschen Mobilfunk-Markt an. Hier sieht er die britische Vodafone und die Telekom-Tochter T-Mobil der Konkurrenz weit voraus. Die Gesamtkosten für die UMTS-Investitionen schätzt er in Europa auf 300 Mrd. Euro.

Bereits in der ersten Oktoberwoche hatten neben S & P, Moody?s und Fitch Ibca ihre Bewertungen nach unten geschraubt. S & P stufte zum Beispiel die Deutsche Telekom von "AA-" auf "A-" zurück. Zuvor war von Experten sogar befürchtet worden, einige mit A geratete Unternehmen könnten in die B-Klassifizierung abrutschen. Das geschah aber nicht. An den Anleihemärkten war die schlechtere Beurteilung der Telekomfirmen bereits vorweggenommen worden, weshalb die Kurse fast unberührt blieben. Bei einer schlechteren Beurteilung ihrer Kreditwürdigkeit, müssen die Unternehmen in der Regel mehr Zinsen für die von ihnen ausgegebenen Anleihen bezahlen.

Als Grund für weitere mögliche Herabstufungen nannte Warwick-Champion neben den "enormen Kosten für die UMTS-Lizenzen" den stärkeren Wettbewerb, die Deregulierung in Europa und die Expansionsbestrebungen der Unternehmen. Das berge ebenso Risiken für die künftigen Gewinne wie das Engagement in neuen Geschäftsfeldern wie das Internet. Im Kern komme es darauf an, ob die Unternehmen ihre Strategien angesichts der vielen Unsicherheiten auch durchsetzten könnten. "Werden die Strategien für die Unternehmen unerschwinglich, dann reagieren wir," warnte Warwick-Champion. Trotz der Schwierigkeiten dürfte es akut aber zu keinem Zahlungsausfall bei den aufgelegten Anleihen kommen. Für die Zukunft wollte Kernan dies aber nicht ausschließen.

"Die Tage hoher Gewinnmargen in Deutschland sind vorbei", sagte Kernan. Besonders in Europas größtem Mobilfunk-Markt bestehe ein immenser Preiswettbewerb. Gleichzeitig stiegen die Kosten, um neue Abonennten zu gewinnen. Die britische Vodafone, die im Frühjahr Mannesmann übernommen hatte, und T-Mobil dominierten mit einem Marktanteil von 81 % das Geschäft. Obwohl dieser Anteil in den kommenden Jahren nach Ansicht von Kernan sinken wird, dürften diese beiden Unternehmen als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgehen. Er begründete dies mit der herausragenden Marktstellung und den Partnerschaften mit anderen Firmen im Servicebereich. Beiden Unternehmen bescheinigte er ein geringeres Markt- und Umsetzungsrisiko, als E-Plus und Viag. Mobilcom und Group 3G, dem Konsortium aus der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera, sagte er enorme Schwierigkeiten voraus. Dennoch dürften auch bei Vodafone und T-Mobil Margen und Profite sinken.

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