Archiv
Die Talfahrt an den US-Märkten ist nicht zu stoppen

Der Dow Jones Index rutscht am Vormittag unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten und gibt 1,4 Prozent ab. Das Börsenbarometer der Nasdaq büßt bis zur Mittagsstunde 2,8 Prozent an Wert ein.

Beide Indizes notieren bereits den vierten Handelstag in Folge in der Verlustzone. Die Angst der Anleger vor schlechten Geschäftszahlen im dritten Quartal nimmt zu. Kurz vor der bevorstehenden Ertragswarnungssaison reagieren Analysten und Marktteilnehmer besonders sensibel auf schlechte Meldungen.

Vor allem die Aktien des Software-, Computer- und Chipsektors geraten unter Druck. Finanz- und Medienwerte geben ebenfalls Punkte ab. Die Warnungen von Sun Microsystems, Altera und Advanced Micro Devices zehren an den Nerven der Börsianer. Sun Microsystems wird im laufenden Quartal voraussichtlich einen Verlust ausweisen. Der schleppende Auftragseingang rückt das ursprünglich prognostizierte Quartalsergebnis von zwei Cents pro Aktie in weite Ferne. Dan Niles, Analyst des Brokerhauses Lehman Brothers, senkt die Gewinnerwartungen für das Fiskaljahr 2001 drastisch von 32 auf 17 Cents und für 2002 von 55 auf 34 Cents pro Aktie. Die Einstufung von Sun Micro bleibt bei "halten". Das Papier ist zur Stunde der größte Verlierer der Nasdaq und bricht um 18 Prozent ein.

Chiphersteller Advanced Micro Devices warnte die Anleger am Morgen vor einem Umsatzeinbruch. Der Konzern werde im dritten Quartal 15 Prozent weniger einnehmen als im Vorquartal. Mit einem Umsatzrückgang um 100 Millionen Dollar oder 30 Prozent hat insbesondere der Bereich der Flach-Memory-Chips zu rechnen. Die Umsatzzahlen bei Mikroprozessoren sollen auf dem Niveau des vorhergehenden Quartals liegen. Das Unternehmen rechnet nun mit einem operativen Verlust im dritten Quartal. Die Aktie verliert 6,7 Prozent.

Gleichzeitig bereitete Altera die Anleger auf einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorquartal vor. Der Hersteller von programmierbaren Microchips leidet wie Sun Microsoft unter der schwachen internationalen Nachfrage. Das Papier verbilligt sich um 1,2 Prozent.

Corning und Charles Schwab kündigen weitere Entlassungen an. Corning wird sich noch in diesem Jahr von weiteren 1000 Mitarbeitern trennen. Damit wird der weltgrößte Hersteller von Glasfaserkabeln in diesem Jahr insgesamt 8000 Angestellte auf die Straße setzen. Das entspricht 20 Prozent der Belegschaft. Corning reagiert mit dieser Maßnahme auf die schwache Nachfrage im Glasfasergeschäft. Der Titel verbilligt sich um 18,25 Prozent.

Charles Schwab, größter US-Onlinebroker, bringt den Finanzsektor ins Wackeln und kündigt weitere Entlassungen an. Elf Prozent der Belegschaft und damit fast 2400 Arbeitskräfte sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Bereits im zweiten Quartal hatte das Unternehmen 3400 Angestellte gekündigt. Bis Jahresende wird Schwab damit rund ein Viertel seiner Arbeitskräfte entlassen haben. Die jüngsten Kündigungen werden das Gesamtjahresergebnis um weitere 225 Millionen Dollar belasten. Doch Schwabs Entlassungen sind nur die Spitze des Eisbergs im Brokersektor. Credit Suisse First Bosten will in der kommenden Woche ein Programm zur Reduktion der Kosten vorstellen - Stellenstreichungen inbegriffen. Sollte sich die wirtschaftliche Situation weiterhin verschlechtern, ist auch Merrill Lynch bereit, weitere Entlassungen vorzunehmen. Die Aktie von Charles Schwab rutscht 1,9 Prozent ins Minus.

Dell liefert ebenfalls schlechte Nachrichten. Es sei davon auszugehen, dass die IT-Investitionen in Asien weiter sinken werden. Während Dell lediglich zehn Prozent seines Umsatzes in Asien erwirtschaftet, generiert Chiphersteller Intel über 40 Prozent seiner Einnahmen in Fernost. Analysten dürften auf Intels Konferenz am kommenden Donnerstag gespannt sein. Die Aktie von Dell verliert 6,8 Prozent, das Papier von Intel büßt 2,9 Prozent ein.

Microsoft bläst ein rauer Wind aus Europa ins Gesicht. Die Europäische Wettbewerbskommission nimmt den Softwaregiganten unter die Lupe. Versucht der Konzern mit illegalen Methoden einen Teil des Servermarktes zu dominieren? Sollten sich die Vorwürfe gegen Microsoft erhärten, könnte auf den Konzern eine Geldstrafe von bis zu 2,5 Milliarden Dollar zukommen. Die Aktie verliert 4,7 Prozent.

Wenig Trost spenden am Morgen die jüngsten Wirtschaftsdaten. Das Einkommen der Haushalte stieg zwar im Juli mit 0,5 Prozent stärker als erwartet. Doch legten die Ausgaben nicht im gleichen Maße zu. Die Ausgaben kletterten nur um 0,1 Prozent. Die Mehrheit der Marktbeobachter hatte mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Kleines Trostpflaster: Immerhin stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung mit 399 000 Anträgen nicht so stark an wie erwartet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%