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Die Taliban, El Kaida und ihr Hass auf die "Ungläubigen"

Seit Beginn der US-Angriffe in Afghanistan versuchen die Terrororganisation El Kaida und die Taliban, die Moslems in aller Welt zur Teilnahme am "Dschihad" (Heiligen Krieg) zu bewegen. Dabei appellieren sie an durchaus vorhandene anti-amerikanische und anti- westlichen Gefühle in der islamischen Welt.

dpa KAIRO. Diese haben ihren Ursprung einerseits in Bildern von getöteten Palästinensern und zerstörten Häusern in den besetzten Gebieten, andererseits in der noch nicht vergessenen Geschichte des Kolonialismus.

Die hasserfüllte Botschaft der Extremisten, die vom kuwaitischen Kaida-Sprecher Suleiman Abu Gheith und den Taliban in der Nacht zum Mittwoch wieder über den arabischen TV-Sender "Al-Dschasira" in alle Welt gesendet wurde, fällt daher bei einer Minderheit der Moslems auf durchaus fruchtbaren Boden. Allerdings dürfte nach Einschätzung von Islam-Experten in Ägypten nur ein winziger Bruchteil dieser Minderheit bereit sein, sich einem Kampf gegen die Supermacht USA anzuschließen oder gar Selbstmordanschläge zu verüben.

Abu Gheith kündigte in seiner Erklärung an, "der Sturm der Flugzeuge" sei noch nicht vorüber. Einige Analytiker in Kairo halten es für möglich, dass damit ein Hinweis auf weitere "Schläfer" im Westen gegeben wurde, die weitere Anschläge verüben sollen. Nach Ansicht mancher Experten könnte diese Äußerung auch einfach nur Propaganda sein, um Amerikaner und Europäer in Angst und Schrecken zu versetzen. Gleichzeitig solle den Moslems signalisiert werden, falls sie dem Aufruf der El Kaida folgen würden, wären sie auf der Seite des Stärkeren.

In der Botschaft von El Kaida heißt es auch, die Amerikaner sollten fühlen, was die Moslems im Irak und in palästinensischen Gebieten seit Jahrzehnten fühlten. Dies kommt bei einem Teil der Araber an. Dabei tritt ein ähnlicher Effekt ein wie 1991 bei Beginn des Golfkriegs. Damals erklärte der irakische Präsident Saddam Hussein, er werde den USA die Stirn bieten und auch für die Befreiung Palästinas kämpfen. Für viele Menschen in der arabischen Welt, die sich vorher nicht im Geringsten für Saddam Hussein interessiert hatten, wurde er allein dadurch zum Helden, dass er es wagte, sich gegen die Supermacht aufzulehnen, die als Schutzmacht Israels und Verbündeter der Herrscherhäuser am Golf nicht gerade beliebt ist. Dadurch stellte Saddam Hussein aus ihrer Sicht "die Ehre" der machtlosen Araber wieder her.

Osama bin Laden und seinen Gefolgsleuten, die stets im Prediger- Ton sprechen und ihre Reden mit frommen Sprüchen und Koransuren anreichern, spielen stark auch die religiös-historische Karte aus. Immer wieder ziehen sie Parallelen zu den ersten Jahrhunderten des Islam. Damals mussten sich der Prophet Mohammed und seine Getreuen zunächst gegen die Feinde der neuen Religion im heutigen Saudi- Arabien behaupten. Später eroberten die moslemischen Glaubenskämpfer große Gebiete und drangen schließlich auch nach Europa vor.

"Wir haben den Heiligen Krieg ausgerufen gegen Juden und Christen", rief der Kaida-Sprecher Suleiman Abu Gheith den "Milliarden von Moslems in aller Welt" zu. Bin Laden sprach von einer "Schlacht zwischen Glauben und Unglauben". Doch seine Unterteilung in Gläubige (Moslems, die seiner radikalen Islam-Interpretation folgen) und Ungläubigen (Juden, Christen und tolerante Moslems) wird von der überwiegenden Mehrheit der Moslems nicht unterstützt. Denn der Islam räumt gerade den Juden und Christen eine Sonderstellung ein, da sie wie die Moslems an die Existenz eines einzigen Gottes glauben.

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