Die Technik ist reif für die Praxis
Biometrie macht Ausweise sicher

Der Ausweis der Zukunft wird Informationen über Fingerabdrücke, Gesicht oder Augen enthalten. Damit sind Pässe und Personalausweise wesentlich schwerer zu fälschen als bisher. Ein weiterer Vorzug: Die Papiere machen viele amtliche Online-Transaktionen, so genanntes E-Government, möglich.

HB MÜNCHEN. Seit den Terroranschlägen vom 11. September wird intensiv über biometrische Identifikations-Verfahren diskutiert. Sie sollen Ausweise vor Fälschungen schützen. Technisch ist das kein Problem, sagt Willi Berchtold. Der Chef des Karten-Spezialisten und Banknoten-Druckers Giesecke & Devrient (G&D) hat solche Ausweispapiere im Ausland bereits verkauft.

Millionen Deutsche werden sich künftig möglicherweise viele nervenaufreibende Behördengänge ersparen. Wenn sich hier zu Lande Ausweise mit biometrischen Daten durchsetzen, können Steuererklärungen, Ummeldeformulare oder Kfz-Anmeldungen bequem am heimischen Computer ausgefüllt und abgeschickt werden. Weil die Personalpapiere der Zukunft die Körper-Daten auf einem Chip enthalten, kann sich jedermann am PC zuverlässig identifizieren und damit den Ausflug aufs Amt überflüssig machen. Damit noch nicht genug: Die Ausweise gelten wegen der neuen Merkmale auch als wesentlich sicherer als die Papiere, die gegenwärtig im Umlauf sind.

Das Prinzip ist einfach: Verschiedene Körpermerkmale wie Fingerabdruck, Gesichtszüge oder Augenstrukturen werden aufgezeichnet und auf der Karte gespeichert. Nutzt der Ausweisinhaber seine Karte, werden diese Merkmale ausgelesen und mit den gespeicherten Daten verglichen. Da sich Finger und Augen nur sehr schwer manipulieren lassen, gelten Ausweise mit diesen Daten als vergleichsweise fälschungssicher.

Daten werden auf dem Ausweis gespeichert

Die Systeme erkennen selbst Finger aus Silicon und Gummi-Gesichtsmasken, versichert der Biometrie-Experte Henning Daum vom Fraunhofer für Graphische Datenverarbeitung-Institut in Darmstadt. "Das Merkmal trägt jeder mit sich herum, kann nicht verloren gehen, vergessen oder weitergegeben werden", unterstreicht Daum die Vorzüge gegenüber PIN-Nummern oder Passwörtern, wie sie gegenwärtig üblich sind. Zudem ist die Benutzung denkbar einfach: Der Finger wird auf einen Sensor oder die Augen auf eine Kamera gerichtet. Dies reicht, um eine Person zu erkennen.

Die Daten müssen dabei nicht unbedingt mit einem Zentralrechner verglichen werden. Im von G&D entwickelten so genannten On- Card-matching verlassen die Angaben die Karte nicht. Ob der Nutzer auch der Karteninhaber ist, kann auf der Karte selbst abgeglichen werden, unterstreicht Elmar Stephan, Entwicklungsingenieur bei G&D. "Es ist nicht notwendig, persönliche Daten außerhalb der Ausweiskarte oder gar in zentralen Rechnersystemen zu speichern", betont denn auch Berchtold, um Datenschutz-Bedenken zu zerstreuen.

Ausweise werden nur wenig teurer



G&D verspricht, dass die neuen Ausweise lediglich fünf bis zehn Mark teurer würden als die bisher üblichen Papiere. Für die Infrastruktur in den Meldestellen im ganzen Land rechnet die Firma mit Kosten von jeweils mindestens 10 000 DM, hauptsächlich für neue Rechner.

Die Bayern sind nur eines einer ganzen Reihe von Unternehmen, das auf ein wachsendes Geschäft mit solchen Ausweisen hofft. Auch Konkurrenten wie die Bundesdruckerei oder der Schlumberger-Konzern bieten biometrische Lösungen an.

Mit einem schnellen Auftragsboom rechnet G&D-Chef Berchtold dennoch nicht. "Die politische Diskussion in Deutschland braucht noch eine gewisse Zeit", drückt sich der Unternehmer zurückhaltend aus. Wissenschaftler Daum wird hingegen deutlicher: "In den nächsten Jahren wird sich nicht allzu viel tun, da werden erst einmal viele Studien gemacht." Noch völlig offen ist, welche Körpermerkmale überhaupt erfasst werden sollen.

Bundesinnenminister Otto Schily jedenfalls hat sich seinen Ausweis mit Fingerabdruck schon bei einem Besuch in München abgeholt. Bis der Rest des Landes ausgestattet ist, dürften noch Jahre mit den ärgerlichen Warteschlangen vor überlasteten Amtsstuben vergehen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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