Die Telekombranche ein Jahr nach den UMTS-Auktionen
"Ganz schnell ein paar Milliarden"

Drei Wochen und über 173 Runden boten die Mobilfunkfirmen im vergangenen Sommer während der Versteigerung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen. "Wer nicht dabei ist, ist weg vom Fenster", lautete damals die Devise. Am Ende standen bei der Auktion unter dem Strich fast 100 Mrd. DM (51 Mrd. ?) für die Staatskasse - jeder der sechs Lizenznehmer musste rund 16 Mrd. DM auf den Tisch legen. Dann begann der schmerzliche Abschied von den euphorischen Hoffnungen auf die neue Technik, die Aktienkurse der UMTS-Betreiber gerieten quer durch Europa unter Druck. Um den Schaden zu begrenzen, wollen einige Firmen nun beim gleichfalls milliardenteuren Netzaufbau sparen. Die Zeichen für eine Erlaubnis stehen nicht schlecht, die Zusammenarbeit birgt aber rechtliche Risiken.

afp BERLIN. Nicht nur in Deutschland stöhnen die Telekom-Konzerne unter den Milliardenschulden, die durch UMTS entstanden sind. Diese bringen nicht nur gewaltige Zinslasten pro Jahr, sondern schmälern mittlerweile auch die Kreditwürdigkeit. Viele Firmen wurden von Rating-Agenturen in ihrer Bonität herabgestuft und bekommen neue Kredite nur noch zu deutlich schlechteren Konditionen.

Die Verzweiflung ist groß. In Großbritannien forderten einige Anbieter bereits Teile der Milliardensummen zurück, die sie für die Lizenzen zahlen mussten. Finanzminister Gordon Brown erteilte dem jedoch eine Absage. Auch in Berlin heißt es lapidar, die Investitionen würden sich schon "irgendwann" rechnen. Großkonzerne behalfen sich damit, Teile ihres Tafelsilbers zu verscherbeln. So trennte sich British Telecom in der vergangenen Woche von Anteilen in Japan und Spanien im Milliardenwert. Die Deutsche Telekom kündigte Anfang des Jahres an, einen Teil ihres Immobilienbesitzes zu verkaufen.

Kleine wollen kooperieren

Kleinere Anbieter dagegen haben kaum die Möglichkeit, sich mit Verkäufen über Wasser zu halten. In Deutschland sieht sich deshalb die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post seit Monaten unter Druck, Kooperationen beim Netzaufbau zuzulassen, der nochmals mit rund zehn Mrd. DM je Anbieter zu Buche schlagen dürfte. "Durch Kooperationen wären Einsparungen von 20 bis 40 % beim Netzaufbau denkbar", sagt Bodo Kohlenbach von der Bonner Beratergesellschaft Durlacher Research. "Das sind dann ganz schnell ein paar Milliarden, die man nicht aufbringen muss."

Alles deutet darauf hin, dass die Regulierungsbehörde zumindest in Teilbereichen eine Zusammenarbeit zulässt. Behördenchef Matthias Kurth signalisierte erstmals Unterstützung für "Bestrebungen einiger Netzbetreiber, gemeinsam Antennen und Basisstationen zu nutzen". Nicht rütteln will Kurth aber an der Lizenzvorgabe, dass die Betreiber bis 2003 ein Viertel und bis 2005 die Hälfte der Bevölkerung mit ihren Netzen erreichen müssen.

Die kooperationswilligen Firmen versuchen der Politik die Pläne zur Zusammenarbeit mit der Aussicht auf weniger Antennen in Städten und Landschaft schmackhaft zu machen. Mit UMTS wird sich deren Zahl vervielfachen. Schon jetzt laufen Umweltschutz- und Bürgerinitiativen, die eine Gesundheitsgefährdung durch die Mobilfunkwellen fürchten, gegen den Antennenwald Sturm.

Die Regulierungsbehörde muss aufpassen, dass sie sich rechtlich nicht auf dünnes Eis begibt. «Die Genehmigung einer Kooperation könnte die Gleichheit der Auktion in Frage stellen», sagt Kohlenbach. Getäuscht fühlen könnten sich Firmen wie die Deutsche Telekom und D2 Vodafone, die keine Kooperationen anstreben und komplett eigene Netze aufbauen wollen. Damit kein rechtliches Nachspiel droht, hält Kohlenbach es deshalb für wahrscheinlich, dass Unternehmen sich künftig «in bestimmten Regionen ihre Infrastuktur teilen dürfen». Dies werde vor allem für ländliche Gebiete gelten; ob es auch in den Ballungsgebieten der Fall sein werde, sei offen. "Es kann durchaus sein, dass die Regulierungsbehörde Nein sagt."

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