Archiv
Die Transparenz fehlt

Mit den Riester-Produkten wird der Markt der privaten Vorsorge noch unübersichtlicher.

Der einfachste Weg führt über den Betrieb: Wer die Riesterförderung auf diese Weise bekommt, braucht sich um die Details nicht zu kümmern (Betriebliche Vorsorge). Dafür hat er auch keinen Einfluss auf die Wahl des Anbieters oder die genaue Ausgestaltung des Produkts. Wer sich für ein privates Produkt entscheidet, dürfte in erst Linie die Auswahl zwischen speziellen Riester-Varianten der klassischen Rentenversicherung, der fondsgebundenen Rentenversicherung und einigen speziellen Investmentfonds haben.

Die klassische Versicherung bietet viel Sicherheit und weniger Renditechancen. Die fondsgebundene Rentenversicherung ist in der Riester-Version ein Zwitter. Der größte Teil des Geldes geht in einen Investmentfonds (z.B. einen Aktienfonds), ein Teil wird aber abgezweigt und separat angelegt, um die von Riester geforderte Garantie zu unterlegen: Mindestens die eingezahlten Beiträge müssen auch ausbezahlt werden. Diese Garantie wird bei den Riester-Produkten der Fondsgesellschaften durch Unterlegung mit Eigenkapital der Fondsgesellschaft abgesichert - aber wie das genau aussieht und was es kosten wird, steht noch nicht fest.

Klar ist, dass die Riester-Produkte etwas teurer für den Kunden sind als vergleichbare andere. Dabei gehen Experten aber davon aus, dass die Anbieter selbst zunächst einmal auch nicht viel an diesen Produkten verdienen: Es ist eben sehr aufwendig, viele Verträge mit kleinen Summen zu verkaufen und zu verwalten und dabei noch zahlreiche Sondervorschriften für die Riester-Produkte einzuhalten.

Anbieter wechseln

Wichtig aus Anlegersicht ist, dass man den Anbieter wechseln kann, was zum Beispiel bei einer traditionellen Rentenversicherung nicht so einfach ist. Außerdem müssen bei den Riester-Produkten die Kosten aufgeschlüsselt werden. Dabei wird allerdings Transparenz nicht sehr groß geschrieben, wie Michael Franke von dem Beratungsunternehmen Franke & Bornberg in Hannover festgestellt hat. Das Prinzip ist dasselbe, wie es die Banken bei Girokonten anwenden: Man erfindet möglichst komplizierte Berechnungsmodelle, damit die Angebote nicht vergleichbar sind. Zum Beispiel werden beim Wechsel zu einem anderen Anbieter "Übertragungskosten" zwischen 25 und 500 Euro berechnet. Franke hat beim Vergleich der schon als "riesterfähig" angebotenen Policen aber eine interessante Feststellung gemacht: "Die als günstig geltenden Direktversicherer ohne Außendienst weisen im Schnitt keine geringeren Kosten aus als die großen Anbieter."

Wichtig auch: Nicht immer schlagen die tatsächlichen Kosten bei den ausgewiesenen Kosten durch. Die Victoria zum Beispiel schreibt Riester-Kunden nach eigener Aussage jährlich rund ein Viertelpunkt weniger gut als Inhabern anderer Rentenpolicen - hier werden die Kosten also über die Gutschrift verrechnet. Wer die Produkte wirklich vergleichen will, muss also komplizierte Szenarien durchrechnen - eine schnelle Addition der Kostenprozentsätze greift zu kurz. Ein Grund für Anleger, abzuwarten, bis mehr Vergleiche veröffentlicht worden sind - der Investor wird dieses Thema verfolgen.

Weitere Vorschriften

Es gibt noch weitere Vorschriften speziell für Riester-Produkte. Zum Beispiel darf das Geld nur für die Altersvorsorge verwendet werden und muss daher in jedem Fall als lebenslange Rente ausbezahlt werden.

Die privaten Riester-Produkte werden vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen zertifiziert, bei den betrieblichen ist das nicht erforderlich. Dabei prüft das Amt aber nur, ob die Verträge nach den gesetzlichen Vorschriften gestaltet sind. Die Frage, wie gut der Anbieter oder das Produkt sind, bleibt außen vor. Das Zertifikat ist kein Qualitätssiegel, auch wenn das manche Verkäufer so darstellen werden.

Zum Schluss noch der Hinweis: Theoretisch kann man die Förderung auch auf zwei Verträge aufsplitten, zum Beispiel auf eine (betriebliche) Direktversicherung und eine private Riester-Rente. Weil es sich ohnehin um kleine Beträge handelt, dürfte es aber wenig Sinn machen, sich dadurch noch mehr Papierkrieg aufzuhalsen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%