Die Trauerphase kommt noch
Großeinsatz für Psychologen nach Hochwasser

Zehntausende Hilfskräfte kämpfen seit Tagen in den ostdeutschen Hochwassergebieten gegen die Wassermassen, für die Psychologen steht der Großeinsatz aber noch bevor.

Reuters DRESDEN. Vielerorts stehen Psychologen und Seelsorger schon als Ansprechpartner für die Hochwasseropfer bereit, Krisenstäbe haben zudem Sorgentelefone geschaltet. In vielen Fällen werde in den kommenden Wochen und Monaten eine intensive psychologische Begleitung notwendig sein, wenn das ganze Ausmaß der Schäden deutlich geworden sei, sagt der Psychologe Eberhard Schmidt, der in der sächsischen Landeshauptstadt für die Erst-Betreuung der Betroffenen zuständig gewesen ist. "Sie brauchen das Gefühl, nicht allein zu sein."

Zu Beginn der Hochwasserkatastrophe hätten sich die Menschen in den gefährdeten Gebieten mit konkreten Fragen beschäftigt: "Wie hoch steigt das Wasser noch? Was sollen wir tun?" In der akuten Bedrohungsphase seien dann viele im Dauereinsatz gewesen und hätten ihre Sorgen verdrängt, sagt Schmidt. So seien Sandsack-Barrieren immer wieder auch dort errichtet worden, wo dies offensichtlich keinen Zweck mehr gehabt habe. Die Aktivität halte Menschen davon ab, sich das gesamte Ausmaß der bevorstehenden Belastungen vorzustellen.

Viele Menschen seien trotz eindringlicher Warnungen der Behörden so lange wie möglich in ihren vom Wasser bedrohten Häusern geblieben, weil sie die akute Gefahr zunächst nicht wahrgenommen hätten. Hinzu komme die Angst vor dem Verlust, sagt der Psychologe am Dresdner Gesundheitsamt.

"Wenn der Zusammenbruch kommt, kommt er meist später." Wer sein Hab und Gut verliere, mache einen Trauerprozess durch, sagt Schmidt. Wenn die Existenz auf dem Spiel stehe, könnten die Menschen sogar in Panik verfallen. Es sei möglich, dass die Bilder der Hochwasserkatastrophe immer wieder hoch kämen. Problematisch werde es, wenn die Betroffenen noch nach Wochen von ihren Erinnerungen überwältigt würden. In solchen Fällen sei eine psychologische Betreuung dringend erforderlich.

Typisch bei derartigen Katastrophen sei die hohe Bereitschaft in der Bevölkerung zu spenden. Die Menschen seien froh, nicht selbst geschädigt zu sein, und wollten nun handeln. Durch Hilfe vor Ort aber auch durch Spenden könnten Personen, die nicht direkt betroffen seien, die Katastrophe verarbeiten.

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