Die Übernahmeaspiranten stehen bereits in den Startlöchern
Das Brau und Brunnen-Sorgenkind heißt Bier

Nach der geplatzten Bier-Hochzeit mit der Bayerischen Brau-Holding wird die außerordentliche Aufsichtsratssitzung des Dortmunder Brau und Brunnen-Konzerns an diesem Freitag mit Spannung erwartet.

dpa/afx DORTMUND. Rund drei Wochen nach dem abrupten Ende der geplanten Fusion zwischen der Tochter der Münchener Schörghuber-Gruppe und dem angeschlagenen Bierbrauer in Revier muss Vorstandsvorsitzender Rainer Verstynen neue Konzepte vorlegen. Und die Spekulationen in der Branche schießen ins Kraut. Trotz der steten Beteuerung der Dortmunder, eine Zerschlagung des Konzerns sei vom der Brau und Brunnen Führung und auch dem Mehrheitsaktionär HypoVereinsbank nicht gewünscht, sind in der Branche mögliche Übernahmeaspiranten einzelner Marken im Gespräch. So soll die zur Binding-Gruppe gehörende Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) bereits in den Startlöchern stehen. Objekt der Begierde seien Dortmunder Marken des Brau und Brunnen Konzerns.

Offiziell jedoch wird das mögliche Szenario bei DAB nicht bestätigt. "Jetzt müssen wir erstmal abwarten, was bei der Aufsichtsratssitzung von Brau und Brunnen herauskommt", sagte DAB- Vorstandsvorsitzender Wolfgang Burgard auf Anfrage. Eines sei jedoch klar: Die Konzentration in der Bierbranche werde wegen des stagnierenden Absatzes weitergehen, sagte Burgard.

Einzelne Bier-Marken aus dem Verbund lösen?

Gleichzeitig wird dem in Düsseldorf sitzenden dänischen Carlsberg-Konzern mit seiner Hannen-Brauerei in Mönchengladbach ein Interesse an der Brau und Brunnen Marke Schlösser Alt attestiert. Eine Sprecherin der Hannen-Brauerei wollte zu den Spekulationen keine Stellung nehmen. Auch die Hamburger Holsten-Gruppe soll ein Auge auf Brau und Brunnen geworfen haben. Dabei geht es um die Edelmarke Jever-Pils der Dortmunder. An der "Perle" war auch die Bayerische BrauHolding (Paulaner-Brauerei-Gruppe, Kulmbacher) interessiert und sucht nach der geplatzten Fusion weiter eine nationale Pilsmarke. Sollten im Zuge des Umbaus von Brau und Brunnen einzelne Marken herausgelöst werden, könnte eine neue Situation entstehen, sagte Paulaner Brauerei-Chef Hermann Brandstetter.

"Hoher Leidensdruck" an verschiedenen Standorten

Nahrung hatten diese Spekulationen durch Äußerungen des Brau und Brunnen-Chefs Verstynen erhalten. "Die Standorte sollen bleiben, aber nicht alle in unserer Hand. Da, wo es bei uns sehr stark kneift, sind wir über das Stadium des ersten Vorfühlens von Interessenten schon weit hinaus", hatte er in einem Zeitungsinterview gesagt. Dabei gebe es an den Standorten Düsseldorf, Berlin und Dortmund "einen hohen Leidensdruck". Es werde zwar ein radikales Kostensenkungsprogramm im hohen zweistelligen Millionenbereich geben - ausgenommen davon seien aber die Marken Jever, Brinkhoffs Nr. 1 und die Kölsch-Linie.

Trennung von der Immobiliensparte möglich

Wie das "Handelsblatt" meldet, plant der Vorstandsvorsitzende bei den Personalkosten im Biergeschäft bis zum Jahre 2002 rund 20 % einzusparen. Die gesamten Personalausgaben lagen laut dem Geschäftsbericht 1999 bei 354 Mill. DM. Eine Aufgliederung auf die einzelnen Bereiche des Konzerns findet sich dort jedoch nicht. Gleichzeitig hatte Verstynen angedeutet, dass der Konzern sich möglicherweise von seiner Immobiliensparte trennt. "Gegenstand der Überlegungen in der nächsten Aufsichtsratssitzung könnte sein, dass wir nur noch Getränke brauen." Ein solcher Schritt würde es ermöglichen, die in den vergangenen vier Jahren bereits um eine halbe Milliarde auf 350 Mill. DM abgebauten Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten weiter zu verringern, sagte Verstynen.

Sprudelnde Umsätze in anderen Geschäftsfeldern

Brau und Brunnen hat mit derzeit 3 400 Mitarbeitern im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von 18 Mill. DM eingefahren. Das Geschäftsfeld Bier ist das "Sorgenkind" der Dortmunder. Wegen des rückläufigen Absatzes wird auch für das Geschäftsjahr 2000 mit roten Zahlen gerechnet. Sprudelnde Umsätze macht Brau und Brunnen hingegen in seinem Geschäftsfeld alkoholfreie Getränke, zu dem unter anderem die Marken Apollinaris, Schweppes und Vita Cola gehören.

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