Die Union braucht beide
Merkel weist Merz in die Schranken

Friedrich Merz hat eine bittere Erfahrung gemacht. In einem zornigen Blick zurück hatte der Ex-Unionsfraktionschef der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel vorgeworfen, den Wechsel an der Fraktionsspitze entgegen den Absprachen schon lange vor der Bundestagswahl und hinter seinem Rücken betrieben zu haben. Dies müsse gesagt werden und gehöre zur Vollständigkeit der Jahreschronik 2002, ergänzte der noch immer erzürnte Merz.

HB/dpa BERLIN. Die CDU-Führung, die SPD-interne Machtkämpfe genüsslich kommentiert und Geschlossenheit als christdemokratisches Grundverhalten propagiert, war über das vergangene Wochenende in hellem Aufruhr.

Merz, der sich trotz seines Ärgers als Stellvertreter Merkels nach der Wahlniederlage in die engste Fraktionsführung einbinden ließ, habe seinen aufgestauten Frust abgelassen, vermutete am Montag nicht nur CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Souverän bremste Merkel in den Spitzengremien ihren Widersacher aus. Mit "großer Ruhe und Klarheit" habe sie in Präsidium und Vorstand erläutert, dass das Merz-Interview wenig hilfreich war. Er habe versprochen, kein zweites Gespräch dieser Art zu führen, sagte die Parteivorsitzende lapidar. Beobachter werteten Merkels Gesichtsausdruck bei dieser Passage durchaus als triumphierend.

Der fast 2 Meter große Merz war am Montag schon auf dem Weg ins Vorstandszimmer eingeknickt. Keineswegs wolle er die Führungsfrage stellen, sprach Merz in die Mikrofone. Die CDU-Granden aus den Landesverbänden hatten ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass sie mit seiner Form des Rückblicks nicht einverstanden waren. Außer den gleichen Anfangsbuchstaben ihre Nachnamen verbindet Merz und Merkel wenig, das ist in Berlin ein offenes Geheimnis. Man müsse sich in der Partei ja nicht lieben, aber fair und respektvoll miteinander umgehen, meinte ein ostdeutscher Ministerpräsident. Gute Familien stritten sich nicht auf dem Balkon, sondern im Wohnzimmer.

Merz hat sich mit seiner Kritik an Merkel für den Marktplatz entschieden, und das nahm ihm die Union am Wochenanfang übel. Der Mann sei unverkennbar noch immer sauer über die Art und Weise, wie Merkel ihn von der Fraktionsspitze verdrängte, meinten Teilnehmer der Vorstandssitzung. Dieses Ereignis, unmittelbar nach der Bundestagswahl, hatte in der Unionsführung schon für kritisches Stirnrunzeln gesorgt. Dabei sei ein unbeugsamer Machtwille zu beobachten gewesen, meinten damals CDU-Obere sowohl respekt- wie auch sorgenvoll. Die Union brauche beide und - zumindest nach außen - in Harmonie verbunden, betonen CDU-Führungspersonen.

Merz ist als parlamentarischer Gegner von Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) ein "Zugpferd". Rhetorisch geschickt und im Detail kenntnisreich weiß "der Lange aus dem Sauerland" zu beeindrucken. Merkel schätzt dies durchaus, Ränkespiele um die Macht will sie aber von vorne herein ausschalten. Sie sei die unangefochtene Nummer 1, ließ Merkel wissen.

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