Die Union stellt ihren Kinospot vor
Am Ende gibt’s Edi

Behaarte Beine. Hochrutschende Steppdecke. Stellungswechsel. Zwei Menschen haben Spaß miteinander. Der Kanzlerkandidat auch. "Insbesondere", versichert CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, "Edmund Stoiber war so begeistert von dem Kinospot."

BERLIN. Der Wahlkampf kommt also tatsächlich, wie angekündigt, in die "heiße Phase", und die Union wird fortan in 2 200 Filmstudios die Zuschauer mit einem Werbespot penetrieren, wie ihn die politische Welt noch nicht gesehen hat.

Berlin, Potsdamer Platz, Filmpalast Cinestar, 11 Uhr. Die Revolution nimmt ihren Lauf, im ordentlichen Rahmen, wie es sich in Deutschland gehört. Der Generalsekretär trägt einen grauen Anzug mit Weste. Das CDU-Plakat ist groß und blau. Auf den Stehpulten sind Schildchen "Zeit für Taten" angebracht. Laurenz Meyer ist sehr braungebrannt und sehr guter Laune. Denn er kann sagen, dass der Bundeskanzler "frech draufloslügt" , wenn er behauptet, dass die Union die Feiertags- und Nachtzuschläge streichen will. Meyer kann seinen daraus resultierenden Wettgewinn bei SPD-Generalsekretär Franz Müntefering einfordern und anfügen, dass das Bezahlen der drei Flaschen Wein bei seinem Pendant "ja auch persönlich eine Geldfrage zu sein scheint".

Und Meyer kann zwei Filme abfahren lassen, beide voller "klarer Vorgaben und gekonnter Umsetzung". Dann gucken alle erst einmal Fernsehen, die Journalisten, die Kameraleute, der Medienberater Michael H. Spreng und der Werbechef, der sein Haar etwas länger trägt. 90 Sekunden dauert der TV-Spot. Man kann ihn 14mal im voller Länge bei ARD und ZDF sehen und 300mal bei den Privaten; dort aber, ausgleichende Gerechtigkeit, scharf gekürzt. Der Film zeigt ganz viele glückliche Menschen im Bild und ganz viele unglückliche Zustände, die aber Gottseidank nur im Text und SPD-verschuldet. Am Ende laufen Angela Merkel und Edmund Stoiber durchs Bild, und sie sind auch ganz glücklich, denn SIE sind der Wechsel und das Ende aller unglücklichen Zustände. Blöd nur, dass alles in Zeitlupe gezeigt wird, obwohl der Wechsel doch nun ganz schnell gehen soll. Genau ab 22. September.

Dafür ist der Kinospot um so schneller, und obwohl der sich vor allem an die 18- bis-30 Jährigen richtet, ist auch Laurenz Meyer, 54, "ganz begeistert". Schnelle Schnitte, grisselige Bilder, wackelnde Kameras. Ein Lutscher wechselt seinen Besitzer, ein Pärchen seine Stellung, drei Frauen wechseln die Straßenseite. Und dazu oberkörpermitwippende Musik: "Change, makes you feel good." Statt Langnese-Eis gibt?s am Ende Edi. Eine neue Spaßpartei ist geboren, aus der Revolution der Bilder.

In diesem Wahlkampf haben wir die Maßstäbe gesetzt und werden das bis zum Ende tun", sagt Meyer. Die SPD hatte die Vorstellung ihres Kino-Spots letzte Woche abgesetzt. "Sie wissen, das passte nicht so zusammen mit der Flut."

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